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 PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah

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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 01 Mai 2016, 11:54

// Tut mir Leid, dass ich erst jetzt antworte. Diese Woche war richtig stressig o.O Na ja, dafür haben wir nur noch diese und nächste Woche Schule, danach fangen die Maturprüfungen an :O
Du hast Recht, es ist ein schwieriges Thema. Aber ich wollte mal eine Herausforderung, und es ist wirklich herausfordernd, so etwas zu schreiben ;D

Amy
Ich hatte gespürt, dass ich Florian mit meinem Geständnis nicht wirklich etwas Neues erzählt hatte. Vermutlich hatten Sascha und er so etwas vermutet, als sie mich heute Nachmittag in Tys Schlafzimmer gesehen hatten. Aber hatte er es schon geahnt, als ich ihn vor ein paar Tagen angerufen hatte? Immerhin hatte er alles stehen und liegen gelassen, war nach München gerast und hatte mich vor Tys Wohnung aufgegriffen. Doch ob er wirklich etwas gewusst hatte oder sich erst jetzt sicher war, dass Ty mich vergewaltigt hatte, konnte ich nicht sagen. Durch den Tränenschleier vor meinen Augen hatte ich seinen Gesichtsausdruck kaum erkennen können. Und jetzt hatte ich nicht die Kraft, den Kopf zu heben und zu ihm hochzublicken. Nachdem ich geendet hatte, sagte niemand von uns mehr etwas. Es war kein Geräusch zu hören, abgesehen von meinen Schluchzern, die mich zum Beben brachten, durchbrachen die nächtliche Stille. Meine Gedanken wanderten wieder fort, wanderten zu Ty. Ich wollte nicht an ihn denken, wollte nicht sein Gesicht vor mir sehen, wollte nicht an das denken, was er mir angetan hatte. Aber ich konnte es nicht verhindern. Ständig kreisten meine Gedanken um dasselbe Thema. Bis ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter spüren konnte. Ich zuckte leicht zusammen, konnte aber nicht sagen, ob Florian davon etwas merkte oder nicht, durch die ganzen Kleiderschichten durch. Mein bester Freund sprach mich mit einem 'hey' und meinem Namen an und meinte, ich solle mir keine Vorwürfe machen. Das war leichter gesagt als getan. Theoretisch wusste ich, dass Ty der Schuldige war und ich nichts für die ganze Situation konnte. Aber im Moment fühlte ich mich nicht so, als sei ich vollkommen unschuldig. Irgendetwas musste ich doch getan haben, dass es überhaupt so weit hatte kommen können. Langsam hob ich den Kopf, strich mir mit dem Handrücken über die Augen und wischte notdürftig ein paar Tränen weg. Aus grossen Augen sah ich meinen besten Freund an. Endlich konnte ich den Ausdruck in seinem Gesicht erkennen. Er wirkte besorgt - natürlich, etwas anderes hatte ich nicht erwartet. Aber er schien auch ein bisschen geschockt zu sein, wütend und... überfordert? Ich war mir nicht sicher. Ich hätte an nichts Schuld, und ich brauche mich nicht zu entschuldigen, fuhr Florian fort. Es sei gut gewesen, dass ich ihm die SMS geschrieben hätte. Dann sah ich, wie er schluckte und seinen Blick in die Dunkelheit richtete. Oh ja, er schien überfordert zu sein mit der Situation. Genauso wie ich. Schon wieder stiegen Schuldgefühle in mir auf. "Ich hätte dir schon viel früher davon erzählen sollen. Ich hätte es dir gleich sagen sollen, als du nach München gefahren bist und mich gefunden hast", begann ich wieder zu sprechen. Ich schluchzte auf, als ich versuchte, Luft zu holen. "Stattdessen habe ich dich angelogen. Das erste Mal in meinem Leben habe ich dich angelogen. Das kann ich mir nie verzeihen", flüsterte ich. Nun konnte ich Florian nicht länger ansehen. Ich starrte auf den Boden. "Und weil ich dich angelogen habe, hat es nicht aufgehört. Bis Ty dich und Sascha heute verletzt hat." Ich richtete den Blick auf Florians Seite. Er trug eine Jacke, aber ich wusste, dass sich darunter die Wunde befand, die Ty ihm heute zugefügt hatte. "Es ist meine Schuld. Hätte ich nicht dich nicht angelogen, wäre es nie so weit gekommen." Die letzten Worte hauchte ich nur noch. Ich liess den Kopf sinken und schloss die Augen. Tränen liefen mir geräuschlos über die Wangen. Ich war ein schlechter Mensch. Ich sagte es nicht laut, aber diese Aussage stand zwischen uns, als hätte ich sie laut ausgesprochen. Ich war ein schlechter Mensch. Ich hatte gelogen. Es war meine Schuld. Alles war meine Schuld.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 14 Mai 2016, 16:35

//Jetzt entschuldige ich mich, dass ich nicht dazu gekommen bin, zu antworten...Sorry! Ich wünsch dir viel Glück oder hoffe, dass die Prüfungen gut gelaufen sind Wink

Florian
Meine beste Freundin hob langsam den Kopf und ich bemerkte, dass sie sich mit ihrer Hand über die Augen wischte. Wahrscheinlich versuchte sie die Tränen wegzuwischen. Die in dieser Dunkelheit ohnehin niemand sah. Anschließend sah sie mich an. Sie meinte, sie hätte mir schon viel früher davon erzählen sollen, sie hätte es mir gleich sagen sollen, als ich nach München gefahren war und sie gefunden hatte. Sie machte sich schon wieder Vorwürfe, das bemerkte ich. Als sie Luft holen wollte, schluchzte sie ein weiteres mal. Sie meinte, stattdessen hatte sie mich angelogen. Das erste mal in ihrem Leben habe sie mich angelogen. Ich wusste nicht, ob es wirklich das erste mal war, aber ich ging davon aus. Ich hoffte es zumindest. Aber sicher konnte man sich nie sein. Schließlich erzählte Amy ungern über ihre Probleme. In der Regel behielt sie viele Dinge für sich. Amy flüsterte, dass sie sich nie verzeihen könnte, mich angelogen zu haben. Gleich darauf ging ihr Blick wieder zu Boden. Trotzdem fuhr sie fort. Es hätte nicht aufgehört, weil sie mich angelogen hatte. Bis Ty Sascha und mich heute verletzt hatte. Wir hatten quasi das Ende gesetzt. Ich hoffte, dass es das Ende war, aber war mir diesbezüglich ziemlich sicher. Amy's Blick richtete sich auf meine Seite. Natürlich bemerkte ich es, ich beobachtete sie die ganze Zeit. Meine beste Freund meinte, dass es ihre Schuld wäre. Hätte sie mich nicht angelogen, wäre es nicht so weit gekommen. Wieder lies sie ihren Kopf sinken. Ich seufzte. "Amy,", begann ich, "hör doch bitte auf, dir Vorwürfe zu machen. Ich weiß, dass das leichter gesagt ist, als getan. Aber es nützt nichts. Du hast überhaupt keine Schuld. Jeder hätte in deiner Situation so reagiert. Du hattest Angst. Er hat dir gedroht und du hast getan, was er gesagt hat, um sonst niemandem zu schaden." Ich versuchte, sie irgendwie zu beruhigen oder ihr die Schuldgefühle auszureden aber ich wusste, dass das nicht so leicht getan war. "Du bist kein schlechter Mensch, nur weil du mich angelogen hast. Du hast es eigentlich aus einem guten Grund getan. Du wusstest nicht, was sonst passiert und wolltest nur alle schützen. Du bist kein schlechter Mensch. Ty ist ein schlechter Mensch, er hat bekommen, was er verdient hatte. Und Sascha und ich leben noch, das sind nur Kleinigkeiten, die sind schnell verheilt.", versicherte ich ihr. "Es ist wichtiger, dass du wieder heilst.", meinte ich leise. Ich wusste, dass es sinnvoller war, wenn Amy sich in psychologische Behandlung begab, aber ich traute mich nicht, ihr das zu sagen. Ich wusste nicht, wie sie darauf reagieren würde. "Du musst dir Hilfe suchen. Am besten übermorgen. Ich würde dir gerne helfen, ich steh' immer hinter dir, das weißt du. Aber ich kann dir in dieser Situation nicht so helfen, wie ich es gerne möchte.", versuchte ich, das Thema langsam anzusprechen und hoffte, dass Amy nicht gleich durchdrehen würde und mich anschreien würde, warum ich sie zum Psychiater schicken wollte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 15 Mai 2016, 14:37

// Ist schon okay (: Dankeschön! Die Prüfungen habe ich noch gar nicht geschrieben, die fangen erst nächste Woche an (am Dienstag Französisch, am Mittwoch Deutsch, am Donnerstag Englisch, am Freitag Philosophie und in der anderen Woche am Montag Mathe o.O). Das sind nur die schriftlichen, die mündlichen kommen danach auch noch, aber die sind schön verteilt über mehrere Wochen ^^ Am 13. Juni habe ich dann die letzte Prüfung (Deutsch mündlich) (:

Amy
Würde ich je wieder vergessen, was Ty mir angetan hatte? Wahrscheinlich nicht. Aber würde ich wenigstens lernen, mit der ganzen Situation umzugehen? Vielleicht. Was, wenn nicht? Ich war noch nicht einmal achtzehn Jahre alt. Hatte Ty es geschafft, den Rest meines Lebens zu zerstören? Solche Fragen und Gedanken schossen mir durch den Kopf, während ich da sass und versuchte, endlich mit dem Weinen aufzuhören. Ich fürchtete jedoch, dass ich das nicht so schnell schaffen würde. Zu tief sass der Schmerz, zu gross waren die Schuldgefühle, zu schwerwiegend die Vorwürfe, die ich mir selbst machte. So viel Leid hätte verhindert werden können, wenn ich Florian vor ein paar Tagen nicht angelogen hätte. Hätte ich ihm doch nur die Wahrheit gesagt, dann wäre alles anders gekommen. Florians Seufzer liess mich aus meinen Gedanken aufschrecken. Gleich darauf sprach er mich mit meinem Namen an. Er meinte, ich solle bitte damit aufhören, mir Vorwürfe zu machen. Er wisse, dass das leichter gesagt sei als getan. Aber es nütze nichts. Ich hätte überhaupt keine Schuld. Da war ich etwas anderer Meinung. Wenn ich die Sache nicht wie all meine anderen Probleme in mich hineingefressen hätte, wäre es nicht soweit gekommen, davon war ich überzeugt. Natürlich, Ty hatte mich vergewaltigt, aber trotzdem: Ich hatte es zugelassen. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Florian fuhr unbeirrt fort, dass jeder in meiner Situation so reagiert hätte. Ich hätte Angst gehabt. Oh ja. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Angst gehabt wie in den vergangenen Tagen. Florian erklärte, er - Ty - habe mir gedroht, und ich hätte getan, was er gesagt habe, um sonst niemanden zu schaden. Damit hatte er Recht. Ich hatte nur verhindern wollen, dass noch etwas Schlimmeres passierte. Wenn ich dabei die Leidtragende war, aber sonst niemand in Gefahr geriet, dann war mir das nur recht. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Florian betonte, ich sei kein schlechter Mensch, nur, weil ich ihn angelogen hätte. Wieder einmal fragte ich mich, ob mein bester Freund Gedanken lesen konnte oder ob er mich einfach schon so lange kannte, dass es dem Gedankenlesen ziemlich nahe kam. Nun meinte Florian, ich hätte es eigentlich aus einem guten Grund getan. Ich hätte nicht gewusst, was sonst passieren würde, und ich hatte nur alle schützen wollen. Ich sei kein schlechter Mensch, wiederholte er. Ty sei jedoch einer, er habe bekommen, was er verdient habe. Und Sascha und er würden noch leben, das seien nur Kleinigkeiten, und die seien schnell verheilt. Rational gesehen hatte mein bester Freund völlig Recht, das konnte ich einsehen. Aber mein Gefühl liess es nicht zu, dass ich alle Schuld auf Ty abschob. Wenn ich gemerkt hätte, was er im Schilde führte, wenn ich seine grausamen Absichten erkannt hätte, wenn ich mich gewehrt hätte, bevor er so weit hatte gehen können... Wenn, wenn, wenn. Florian machte eine kurze Pause, dann sagte er leise, es sei wichtiger, dass ich wieder heile. Im ersten Moment verstand ich nicht recht, was er damit sagen wollte. Immerhin war ich nicht richtig verletzt worden, nicht so wie er und Sascha. Als ich es dann begriff und den Tränen erneut nahe war, meinte Florian weiter, ich müsse mir Hilfe suchen, am besten übermorgen. Er würde mir gerne helfen, er stehe immer hinter mir, das wisse ich. Neue Tränen stiegen in meinen Augen auf. Seine Worte bedeuteten mir in diesem Moment unglaublich viel. Die letzten Tage über hatte ich mich so alleine, so verlassen gefühlt. Dass mein bester Freund jetzt so etwas sagte, liess mich erneut in Tränen ausbrechen. Aber, fuhr Florian fort, er könne mir in dieser Situation nicht so helfen, wie er gerne wolle. Jetzt wusste ich, auf was er hinaus wollte. Ich sollte mir psychologische oder psychiatrische Hilfe holen. Mein erster Gedanke war aufzuspringen und schreiend davonzurennen. Doch dann dachte ich daran, wie schlecht es mir in den letzten Tagen gegangen war - und wie schlecht es mir jetzt ging. Langsam hob ich den Kopf, schluckte und blickte durch den Tränenschleier vor meinen Augen in Florians Augen. Ganz leicht bewegte ich den Kopf auf und ab, wie bei einem Nicken. "Okay", flüsterte ich. Es war, als fiele ein riesengrosser Stein von meinem Herzen. Seit heute Nachmittag war es mit der Gefahr vorbei. Aber jetzt wusste ich, dass ich professionelle Hilfe brauchte - und die auch bekommen würde. Und dass Florian an meiner Seite war, egal, was passieren würde. Die Erleichterung, die ich fühlte, war so gross, dass ich erneut zu weinen begann. Doch dieses Mal war es ein gutes Weinen. Ich weinte, um all den Schmerz, das Leid und die Schuldgefühle loszuwerden. Ich wusste nicht, wie genau es passierte, aber irgendwie kippte ich mit dem Oberkörper nach vorne und landete in Florians Armen. Als ich erst einmal seinen vertrauten, warmen Körper an meinem spürte, schlang ich die Arme um ihn und krallte mich in seiner Winterjacke fest, mein Gesicht vergrub ich an seiner Schulter. Obwohl ich völlig ausser mir war, brachte ich es noch zustande, auf die Wunde an seiner Seite zu achten. Ich wollte ihm nicht wehtun. Ich wollte nicht, dass je irgendjemand ihm wieder wehtat, so, wie es Ty getan hatte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 15 Mai 2016, 15:32

//Klingt ziemlich stressig o.O Und ich wünsch dir nochmal viel Glück Wink Irgendwie fällt mir gerade nur nichts wirkliches ein für's RPG^^

Florian
Es dauerte, bis Amy mir auf meine unausgesprochene Aufforderung oder meinen Vorschlag, sich professionelle Hilfe zu suchen, antwortete. Trotzdem war es nicht einmal eine Minute. Da war ich mir ziemlich sicher. Aber mir kam es so vor. Dieses Gefühl der nie endenden Stille. Dieses Gefühl, dass jeder kannte, der sich in einer unangenehmen Situation befand und darauf wartete, dass etwas passierte, jemand etwas sagte oder irgendeine andere Reaktion zeigte. Die Zeit schien verlangsamt abzulaufen, trotzdem lief sie gleich. Als meine beste Freundin langsam nickte und ein 'okay' flüsterte, war es, als würde ein Stein von meinen Schultern fallen. Ich atmete ruhig aus. Hatte ich die Luft angehalten? Oder zumindest flacher geatmet? Irgendetwas davon musste es gewesen sein. Auch das fiel mir erst jetzt auf. Ich wollte schon aufstehen, da hörte ich, wie Amy erneut zu weinen begann. Also stand ich nicht auf. Ich blieb einfach nur bei ihr. Auf einmal kippte meine beste Freundin nach vorne und schlang ihre Arme um mich. Ich war etwas verwirrt. Damit hatte ich in dieser Situation nicht gerechnet. Doch irgendwie war ich erleichtert. Schon die ganze Zeit über hatte ich das Bedürfnis sie in den Arm zu nehmen und an mich zu drücken. Aber ich hatte nicht gewusst, ob es ihr gut tun würde oder ob sie dann gleich in Panik geriet. Das konnte man nach so etwas nie genau sagen. Soweit ich wusste, hatten viele Frauen nach einem solchen Erlebnis Berührungsängste oder Angst vor großen Menschenmengen. Aber wahrscheinlich war das auch von Fall zu Fall anders. Vorsichtig legte ich meine Arme um Amy. Ich wollte sie nicht bedrängen. Deshalb zog ich sie nicht an mich, wie sonst immer. Ich wollte nicht, dass sie durch mich einen Panikanfall erlitt und anfing zu schreien oder sonst etwas. Ich wollte ihr einfach nur helfen. Und wenn es im Moment daraus bestand, mit ihr im Park zu sitzen und sie zu umarmen, dann tat ich das. Ich würde sie nie hetzen oder sie zu etwas auffordern, was sie nicht wollte. Ich würde gehen, wenn sie bereit dafür war. Wenn sie gehen wollte. Ich wusste nur nicht, ob es sinnvoll war, sie wieder auf Sascha's Party zu bringen. Insgeheim war ich eher dafür, dass sie mit ihrem Bruder und ihrem Vater sprach. Sie musste ihnen nicht alles erzählen, aber so viel, dass die beiden wussten, was los war. Ich wollte es ihnen nicht selbst sagen. Zum einen wusste ich nicht, wie Amy reagieren würde, zum anderen war es wohl besser, wenn die beiden es von Amy selbst erfahren würden. Da reagierte man anders darauf und vielleicht half es ihr auch ein wenig.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 15 Mai 2016, 16:58

// Also, eigentlich wird nur die nächste Woche stressig, danach geht's ^^ Dankeschön nochmals Smile Für das, dass dir nichts Wirkliches eingefallen ist, finde ich's aber ziemlich gut (:

Amy
Florians Ausatmen nach meinem 'okay' hatte ich durchaus mitbekommen, auch wenn es nur leise gewesen war. Vermutlich war auch er ziemlich erleichtert über meine Entscheidung. Vielleicht hatte er erwartet, dass ich mich mehr dagegen wehrte, Hilfe anzunehmen. Normalerweise frass ich ja alle Probleme in mich hinein, und das war auch ihm sehr gut bekannt. Aber in diesem Fall hatte sogar ich eingesehen, dass es mich nicht weiterbrachte, nicht über meine Ängste und Gefühle zu sprechen. Ich hatte es in den letzten Tagen gesehen. Ich hatte schweigen müssen, weil Ty mich dazu gezwungen hatte, aber auch sonst hätte ich die Wahrheit wahrscheinlich nicht aussprechen können. Aber genau das hatte mich kaputt gemacht. Ich hatte kaum Schlaf bekommen, und wenn doch, hatte ich Albträume gehabt. Ich hatte unter Appetit- und Lustlosigkeit gelitten. Aber meine Gedanken, die nur um dieses eine, schreckliche Thema gekreist hatten, waren das Schlimmste gewesen. Und das Gefühl, ganz alleine damit zurechtkommen zu müssen. Doch jetzt wusste ich, dass ich Unterstützung bekommen würde. Von Florian ganz sicher, auch von einer professionellen Fachstelle. Und wenn ich den Mut aufbrachte, Luke und meinem Vater die Wahrheit zu gestehen, würden auch sie mir helfen. Sie alle würden mir helfen, wieder ein einigermassen normales Leben führen zu können. Nachdem ich ihm quasi in die Arme gefallen war, dauerte es ein paar Sekunden, bis Florian reagierte. Aber dann legte er seine Arme vorsichtig um meinen Körper. Mir fiel auf, dass er mich nicht an sich zog, wie er es sonst immer tat. Wahrscheinlich hatte er Angst, er könnte mich damit zu sehr bedrängen, oder mir sogar Angst machen. Doch diese Umarmung bewirkte das genaue Gegenteil in mir. Das erste Mal seit langem fühlte ich mich wieder geborgen und beschützt, ja, geliebt. Ich kannte dieses Gefühl schon seit Jahren, eigentlich, seit ich Florian kannte. Er war der Einzige, der mir dieses wunderbare Gefühl geben konnte. Und noch nie hatte ich dieses Gefühl so sehr vermisst wie in den letzten Tagen. Ich hatte schon gedacht, ich wäre nie mehr dazu in der Lage, so etwas zu spüren. Aber ich hatte mich getäuscht. Es war da. Es war tatsächlich da. Und es fühlte sich unglaublich gut an. Ich liess innerlich los, liess die ganzen schlechten Erfahrungen und Gedanken hinter mir und genoss es einfach, von Florian festgehalten zu werden. Mein Kopf schaltete ab, und ich nahm nur noch das wahr, was ich auch spürte. Diese unglaubliche Sicherheit und Geborgenheit, dieses Gefühl, beschützt zu werden. Ty hatte mich vergewaltigt, hatte mich erpresst, mir meine Jungfräulichkeit und mein Lächeln geraubt, mir physische und psychische Schmerzen zugefügt und auch nicht davor zurückgeschreckt, andere zu verletzen. Er hatte mich dazu gebracht, Florian anzulügen, über Selbstmord nachzudenken und erste Pläne zu schmieden, wie ich es tun könnte. Und dann, mit einem Schlag, war alles vorbei. Oder es war zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ich weinte mich an Florians Schulter aus, drückte meinen Körper an seinen und wartete darauf, dass es vorbeiging. Irgendwann - mehrere Minuten waren vergangen, aber ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren -, kamen keine neuen Tränen mehr. Einige Zeit später fühlte ich mich dazu imstande, mich ein Stück weit von Florian zu lösen, um die letzten Tränenspuren aus meinem Gesicht fortzuwischen. Dann, noch immer ganz nahe bei meinem besten Freund, sah ich zu ihm hoch. Unsere Blicke trafen aufeinander, ich sah ihm tief in die vertrauten und wunderschönen, braun-grünen Augen. Meine Sonne. Um uns herum war es dunkel, aber diese Sonne, meine Sonne, schien gerade aufzugehen. Und wie von Zauberhand erschien auf meinen Lippen ein leichtes, kaum wahrnehmbares Schmunzeln. Es war kein Lächeln und auch kein Lachen und dauerte auch nur einen kurzen Moment an, doch es war, als würde ich ein neues Leben beginnen.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 16 Mai 2016, 17:17

//Okay, na aber es wird noch stressig.... Jaa...irgendwie bin ich bei dem Thema ziemlich ratlos...

Florian
Ich sagte nichts, während Amy einfach nur in meinen Armen lag. Worte wären in dieser Situation zu viel gewesen. Die hatten hier nichts zu suchen und hätten diesen Moment nur zerstört. Und das wollte ich keineswegs. Es tat gut, meine beste Freundin wieder in den Armen zu halten, wie so oft. Aber zu selten in letzter Zeit. Ich hatte es vermisst. Wahrscheinlich war ich auch ein gutes Stück selbst Schuld daran. Ich hätte mehr auf Amy einreden sollen. Stattdessen hatte ich mich von ihr abgewandt und hatte mich wie ein kleines, beleidigtes Kind verhalten. Mein Kindskopf war leider doch zu groß und überwog wohl auch in solchen Situationen. Mehr, als ich es wollte. Doch jetzt konnte niemand mehr etwas an dem Geschehenen ändern. Auch wenn ich es gern tun wollte. Alles ungeschehen machen, verhindern, was Amy passiert war. Irgendwie hätte ich das tun können. Irgendwie. Ich wusste nicht, wie viel Minuten vergangen waren, als ich spürte, dass Amy sich etwas von mir löste. Die ganze Zeit, in der ich nach ihr gesucht hatte und bei ihr saß, hatte ich das Zeitgefühl verloren. Ich wusste nur, dass es noch nicht Zwölf war. Sonst hätten wir schon die Raketen und Knaller gehört. Unbeirrt sah ich zu ihr herunter. Sah in ihre grauen Augen, vor denen noch immer ein leichter Tränenschleier hing. Sie wischte sich die letzten Reste davon von den Wangen und sah mich an. Kurz darauf schien es, als würde sie für einen Augenblick schmunzeln. Es war kein Lächeln, nicht das lächeln, dass mir so fehlte, aber es war ein Anfang. Es war mehr, als in den letzten Tagen. Viel, viel mehr. Und es bedeutete mir unglaublich viel. Es brachte mich dazu, Amy anzulächeln. Sachte, nicht übertrieben. Das hätte wahrscheinlich auch nicht gepasst. Das wäre zu viel gewesen. Aber ich war glücklich. Glücklich darüber, meine beste Freundin aus diesem Dreck gezogen zu haben und ihr vielleicht auch neue Kraft geben zu können. "Ich will dich ja jetzt nicht hetzen oder sowas. Aber ich glaube, wir sollten gehen. Bevor du noch krank wirst." begann ich vorsichtig. Ich wusste nicht, wie ich sonst hätte anfangen sollen. "Soll ich dich heim fahren?", fragte ich Amy und sah sie vorsichtig an. Ich wusste nicht, was jetzt besser für sie wäre. Sie musste selbst entscheiden, ob sie es sich zutraute, wieder in diese Menschenmenge zurück zu gehen. Oder ob sie lieber zuhause bei ihrer Familie saß. Und hoffentlich würde sie dann bei Luke und ihrem Vater sitzen. Nicht alleine, zuhause, in ihrem Zimmer. Das wäre wohl das schlechteste in diesem Fall. Sie würde sich nur wieder zu viele Gedanken über das Geschehene machen.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 16 Mai 2016, 18:28

// Das stimmt ^^ Aber es ist nur diese Woche, nachher ist es ganz locker ;D

Amy
Was genau mich zum Schmunzeln gebracht hatte, wusste ich nicht. Vielleicht war es die Erleichterung gewesen, darüber, dass ich nicht länger alleine war. Vielleicht waren es die Schuldgefühle gewesen, die von meinen Schultern genommen worden waren. Aber es konnte auch sein, dass es das Gefühl gewesen war. Dieses wunderbare Gefühl, das ich so sehr liebte und das nur mein bester Freund in mir auslösen konnte. Oder... Oder der Blick in seine Augen. Seine so vertrauten und doch wunderschönen Augen. Meine Sonne, schoss es mir wieder durch den Kopf. Wie kam ich überhaupt auf einen solchen Gedanken? Es war lächerlich, dass ein Mensch eine Sonne für jemanden sein könnte. Aber so war es. Florian war meine Sonne. Und in so dunklen Zeiten brauchte ich ihn mehr denn je. Ich war ihm unglaublich dankbar dafür, dass er für mich da war. Nicht nur, dass er mich heute Nachmittag, zusammen mit Sascha, aus Tys Fängen befreit hatte. Doch auch jetzt war er für mich da, munterte mich auf, soweit das ging, nahm mir die Schuldgefühle und sorgte dafür, dass es mir besser ging. Viel besser als in den letzten Tagen. Und ich wusste es in dem Moment, in dem ich es sah: Auch Florian ging es schlagartig besser, als er mein Schmunzeln sah. Seine Augen wurden ein wenig grösser, der Braun-Grün-Ton darin kam dadurch noch besser zur Geltung. Und dann begann meine Sonne, noch heller zu strahlen. Denn Florian begann zu lächeln. Es war kein breites Lächeln und schon gar keines seiner typischen Grinsen. Doch es war ein Lächeln, ein sanftes Lächeln, und es berührte mich in meinem Innersten. Es zeigte mir, wie froh Florian über mein Schmunzeln war. Und es machte wiederum mich glücklich, weil ich sah, dass er sich jetzt nicht mehr solche Sorgen um mich machte wie zuvor. Auf einmal war mir klar, dass wir das zusammen überstehen würden. Natürlich, die grösseren Schwierigkeiten würde ich damit haben. Aber wenn es mir nicht gut ging, würde es Florian auch nicht gut gehen, genauso wenig wie Luke und Papa. Deshalb musste ich mich bemühen, dass ich schnell mit diesen Erlebnissen zurechtkommen konnte. Und da ich das nicht allein konnte, war es wirklich das Beste für mich, professionelle Hilfe zu beanspruchen. Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Florian mich ansprach. Er meinte, er wolle mich ja jetzt nicht hetzen oder sowas, aber er glaube, wir sollten gehen. Bevor ich noch krank werde, fügte er hinzu. Schon wieder machte er sich Sorgen um mich, auch wenn solche Sorgen wesentlich weniger schlimm waren als die anderen. Das glaubte ich jedenfalls. Nach einer kurzen Pause fragte mein bester Freund mich, ob er mich heimfahren solle. Sein Blick, als er mich nun ansah, war vorsichtig. Er war sich unsicher, was meine Reaktion anging. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Ich war mir ja selbst auch nicht sicher. Einen Moment lang dachte ich nach. Es gab grundsätzlich zwei Optionen. Die erste war, dass Florian mich heimbrachte, zu Luke und Papa. Die zweite Option war, dass wir zu Saschas Party zurückkehrten. Daheim wäre ich unweigerlich mit Fragen von den Seiten meiner Familie konfrontiert, und ich wusste nicht, ob ich jetzt schon bereit dafür war. Auf Saschas Party hatte ich dieses Problem nicht, dafür waren dort unglaublich viele Leute, und bestimmt waren es in der Zwischenzeit nicht weniger geworden. Ich überlegte weiter, aber ich kam auf keine Lösung. Unsicher blickte ich zu Florian hoch. "Ich weiss es nicht", murmelte ich. "Ich möchte nicht mit Luke und Papa darüber sprechen", begann ich. "Aber bei Sascha sind so viele Menschen. Und nach Feiern ist mir nicht zumute. Allerdings wäre es eine gute Ablenkung." Ich zögerte, traute mich nicht, mich zu entscheiden. Beide Optionen hatten ihre Vor- und Nachteile. Doch ich konnte nicht sagen, was ich eigentlich wollte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 21 Mai 2016, 11:49

//Alles geschafft? Smile

Florian
Ich sah Amy dabei zu, wie sie nachdachte. Wahrscheinlich wog sie die beiden Optionen ab. Zählte ihre Vor- und Nachteile. Ich wusste nicht, wie das bei ihr aussehen würde. Irgendwann blickte sie mich unsicher an und murmelte, dass sie es nicht wisse. Sie wollte nicht mit Luke und ihrem Vater darüber sprechen, aber bei Sascha wären so viele Menschen und nach feiern sei ihr nicht zumute. Das konnte ich verstehen. Mir ging es ähnlich, aber ich hatte noch meine kleine Schwester auf der Party, auf die aufpassen musste. Und ich war nicht in Amy's Situation. Zum Glück. Auch wenn ich ihr das alles gerne abnehmen würde. Sie fuhr fort, dass die Party jedoch eine gute Ablenkung wäre. Mehr sagte sie nicht mehr. Ich wusste genau, dass sie sich unschlüssig war und jetzt wohl einen Rat von mir erwartete. Aber ich wusste auch nicht, was ich ihr raten sollte. Ich hatte Angst, etwas falsches vorzuschlagen, womit sie unglücklich wäre und was ihr vielleicht Angst bereitete. "Naja, ich kann und möchte dir jetzt nicht vorschreiben, was du wählen sollst. Letzen Endes musst du das selbst entscheiden.", begann ich langsam. "Natürlich wär's schön, wenn du mit zu Sascha kommen würdest. Aber ich find' das Risiko, dass irgendeine Situation oder ein Typ etwas bei dir auslöst, dass dich irgendwie ein eine Erinnerung zurück wirft, zu groß.", wägte ich die Option mit der Party ab. Mir fiel auf, dass ich irgendwie so vor ging, wie Amy. Die Vor- und Nachteile abwägen. Aber ich tat das aus einem anderen Blickwinkel als sie. "Andererseits kann ich verstehen, dass du mit Luke und deinem Vater nicht über das Geschehene reden willst. Früher oder später musst du das aber. Trotzdem denke ich, dass sie es verstehen würden, wenn du sagst, dass du noch nicht bereit dazu bist, darüber zu reden. Ich hätte dir auch vorgeschlagen, dass ich es tue. Aber es ist besser, wenn du es selber sagst. Für dich und deine Familie. Sie haben sich in den letzten Tagen genau so viele Sorgen um dich gemacht, wie ich. Und dass du heute einfach aus dem Haus gegangen bist, dich sonst den ganzen Tag irgendwo im Zimmer verkrochen hast, hat die Sorgen bei ihnen wahrscheinlich nicht besser gemacht.", versuchte ich meiner besten Freundin zu erklären. Ich sah sie genauso unsicher an, wie sie mich. "Das hört sich jetzt an, als wollte ich dich nach Hause schicken...", stellte ich vorsichtig fest. "Tut mir Leid.", entschuldigte ich mich gleich darauf. Ich wollte Amy nie irgendetwas aufreden, was sie nicht wollte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Di 18 Okt 2016, 20:44

// Endlich geht es weiter! Very Happy

Amy
Florian hatte mir aufmerksam zugehört. Nichts anderes war ich mir von ihm gewohnt, doch es berührte mich trotzdem. Es zeigte mir, dass er meine Worte ernst nahm und dass er mir, so gut er es konnte, helfen würde. Und dass er immer für mich da war. In dieser Situation brauchte ich nichts so dringend wie dieses Wissen, dass ich nicht alleine war. Dafür war ich ihm unheimlich dankbar. Liebend gerne hätte ich ihm ein Lächeln geschenkt, aber so sehr ich es versuchte, es wollte mir nicht gelingen. Dieses Schmunzeln war wohl alles, was ich heute zustande bringen würde. Aber mein persönlicher Albtraum war auch erst seit ein paar Stunden vorbei. Ich brauchte Zeit, um diese schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Und dann würde mein Lächeln hoffentlich irgendwann zurückkehren. Irgendwann, aber noch nicht heute Abend. Nun lauschte ich Florians vertrauter Stimme, als er mit einem 'na ja' das Wort ergriff. Er meinte, er könne und wolle mir jetzt nicht vorschreiben, was ich wählen solle. Letzten Endes müsse ich das selbst entscheiden. Damit hatte er natürlich Recht, aber im Moment hätte ich gerne gewusst, was denn nun richtig war. Ich war total verunsichert. Mein bester Freund erklärte, natürlich wäre es schön, wenn ich mit zu Sascha kommen würde. Aber er finde das Risiko, dass irgendeine Situation oder ein Typ etwas bei mir auslöse, das mich irgendwie in eine Erinnerung zurückwerfe, zu gross. Das konnte ich nachvollziehen. Vorher war ich aus dem Haus gestürmt, weil ich durch Saschas und Ronjas verliebtes Verhalten an Ty erinnert worden war. Das war schon zu viel für mich gewesen, aber wie würde es aussehen, wenn mir ein anderer Typ zu nahe kommen würde? Selbstverständlich wusste ich, dass Florian ein Auge auf mich haben würde, doch er konnte nicht den ganzen Abend lang meinen Beschützer spielen. Er musste ja auch noch auf seine kleine Schwester aufpassen. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil er hier bei mir im Park war und nicht bei Milena. Jedoch wusste ich genau, wie Florian reagiert hätte, hätte ich dieses Thema angesprochen. Er hätte gesagt, dass das kein Problem sei und dass irgendjemand anderes auf Milena aufpassen würde, während er weg war, um sich um mich zu kümmern. Florians Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Andererseits, begann er wieder, könne er verstehen, dass ich mit Luke und meinem Vater nicht über das Geschehene reden wolle. Früher oder später müsse ich das aber. Auch das war nur logisch. Luke und Papa waren meine engsten Vertrauten, neben Florian. Sie verdienten die Wahrheit. Und um mir helfen zu können, mussten sie wissen, warum ich mich in den letzten Tagen so seltsam verhalten hatte. Dennoch schlich sich ein unangenehmes Gefühl in meine Magengegend, als ich mir vorstellte, meiner Familie von dieser Sache zu erzählen. Trotzdem denke er, fuhr Florian fort, dass sie es verstehen würden, wenn ich sagen würde, dass ich noch nicht bereit dazu sei, darüber zu reden. Er hätte mir auch vorgeschlagen, dass er es tue. Aber es sei besser, wenn ich das selber sagen würde. Für mich und meine Familie. Sie hätten sich in den letzten Tagen genau so viele Sorgen um mich gemacht wie er. Und dass ich heute einfach aus dem Haus gegangen sei und mich sonst den ganzen Tag irgendwo im Zimmer verkrochen habe, habe die Sorgen bei ihnen wahrscheinlich nicht besser gemacht. Ich wusste es sehr zu schätzen, dass Florian mir diese schwere Aufgabe hatte abnehmen wollen. Aber wiederum hatte er Recht: Ich musste Luke und Papa selbst erzählen, was mir widerfahren war. Auch wenn mir bei diesem Gedanken schlecht wurde. Als ich ihm nun in die Augen sah, wirkte Florians Blick sehr unsicher. Er schien auch nicht so recht zu wissen, wozu er mir raten sollte. Das nahm ich ihm keineswegs übel. Ich war dankbar dafür, dass ich mit ihm darüber hatte sprechen können. Das bedeutete mir sehr viel. Und ich wusste, dass ich Florian vertrauen konnte. Er würde gar nichts weitererzählen. Das höre sich jetzt an, als wolle er mich nach Hause schicken, meinte Florian mit vorsichtiger Stimme. Dafür entschuldigte er sich sogleich. Fast hätte ich dabei gelacht. Es wirkte so, als hätten mein bester Freund und ich die Rollen getauscht. Sonst war ich diejenige, die sich für alles entschuldigte. Aus dem Lachen wurde nichts, es schien mir im Hals festzustecken. Dafür, dass er mir die Freude genommen hatte, verfluchte ich Ty. Doch vielleicht würde ich sie wieder finden. Mithilfe meines besten Freundes und meiner Familie. Florian hatte mir immerhin schon ein Schmunzeln entlockt, und das war mehr, als ich mir erhofft hatte. Mit einem sanften Ausdruck in den Augen sah ich ihn an. "Ist schon gut", meinte ich zuerst auf seine Entschuldigung und meinte es genau so. Ich war deswegen nicht wütend auf ihn. "Und danke für deine Ratschläge", fügte ich hinzu. Normalerweise hätte ich jetzt gelächelt, aber das ging leider nicht. Stattdessen rückte ich etwas näher an Florian heran. Ich wollte ihm einfach nahe sein, ich brauchte das jetzt. Ich hatte schon, während Florian gesprochen hatte, überlegt, was ich nun tun wollte. Nun hatte ich mich entschieden. "Wahrscheinlich ist es wirklich das Beste, wenn du mich nach Hause bringst. Aber ich möchte meiner Familie noch nicht erzählen, was passiert ist. Dazu bin ich noch nicht bereit", erklärte ich ihm und runzelte nachdenklich die Stirn. Ich machte mir Sorgen darüber, wie Papa und Luke reagieren würden. Aber irgendwann würde ich es ihnen erzählen müssen. Das brachte mich auf einen anderen Gedanken. Unsicher sah ich zu Florian hoch. "W... Wenn ich... wenn ich dazu bereit bin", begann ich leise zu sprechen und zögerte kurz. Ich nahm einen tiefen Atemzug. "Würdest du mir dann Beistand leisten?" Ich senkte kurz den Blick, ehe ich ihn wieder auf Florians vertraute Augen richtete. "Du musst nichts sagen, aber es würde mir enorm helfen, wenn du einfach dabei wärst", erklärte ich ihm. Ich biss mir auf die Unterlippe, während ich meinen besten Freund ansah. Natürlich ahnte ich, wie seine Antwort ausfallen würde. Trotzdem war ich mir irgendwie unsicher. Ich wusste, woher diese Unsicherheit kam, und wurde dadurch noch unsicherer.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 25 Dez 2016, 20:40

// Ich habs nun auch geschafft! Embarassed

Florian
Während ich für Amy beide Möglichkeiten, mehr oder weniger sorgsam, abgewägt hatte, hatte sie mir ruhig zugehört. Nachdem ich mich bei ihr dafür entschuldigt hatte, dass sich meine Argumente eher danach angehört hatten, sie nach Hause zu schicken, meinte sie, dass es schon gut sei. Ich wusste, dass sie es wirklich so meinte. Auch wenn es mir momentan schwer fiel, ihre Reaktionen richtig einzuschätzen. Ich wusste schließlich nicht, wie weit die Geschehnisse den Charakter meiner besten Freundin verändert hatten. Aber sowas lies niemanden unberührt. Die Angehörigen oder Freunde nicht und schon gar nicht die Betroffenen. Kurz nachdem sie meine Entschuldigung angenommen hatte, dankte sie mir für die Ratschläge. Waren das wirklich Ratschläge gewesen? Eigentlich hatte ich doch nur die Möglichkeiten abgewägt? Aber das war unwichtig. Fast zeitgleich spürte ich, wie Amy näher an mich rückte. Sie schien die Nähe momentan zu brauchen. Das hätte ich nicht vermutet. Ich hätte mich nie getraut, Amy einfach in eine Umarmung zu ziehen und sie an mich zu drücken, wie ich es sonst immer getan hatte. Das Risiko, dass sie in Panik verfiel, war zu groß. Es dauerte nicht lange, bis meine beste Freundin mir erklärte, dass es wohl wirklich das Beste wäre, wenn ich sie nach Hause bringen würde. Sie würde ihrer Familie aber noch nicht erzählen wollen, was passiert war. Dafür wäre sie noch nicht bereit. Ich nickte, kaum merklich. Ich konnte das nachvollziehen. Auch wenn ich ihr am liebsten raten würde, nicht zu lange damit zu warten. Das würde keinem gut tun. Ich sah Amy an und bemerkte, dass sie die Stirn runzelte. Anschließend sah sie zu mir hoch. Ihr Blick wurde unsicher. Sie fragte mich, ob ich ihr Beistand leisten würde, wenn sie dazu bereit wäre, mit ihrer Familie über die Geschehnisse zu sprechen. Nachdem sie die Frage gestellt hatte, senkte sich ihr Blick. Nur für einen kurzen Moment. Dann sah sie wieder zu mir hoch. Sie meinte, ich müsse nichts sagen, aber es würde ihr helfen, wenn ich einfach dabei wäre. Dabei bemerkte ich, dass sie auf ihre Unterlippe biss. Wie sie es immer tat, wenn sie unsicher war. Ich lächelte sie sanft und beruhigend an. "Natürlich werde ich dir Beistand leisten, wenn es so weit ist.", bestätigte ich ihr. Vermutlich hatte sie meine Antwort schon längst geahnt. Sie kannte mich schließlich lange genug. "Aber jetzt sollten wir erstmal aus der Kälte. Es tut keinem von uns gut, noch länger im Schnee zu sitzen.", versuchte ich so vorsichtig wie möglich unseren 'Aufbruch' zu starten. Ich rappelte mich langsam auf und versuchte Amy leicht mit mir hoch zu ziehen. Nicht übertrieben. Ich wollte sie einfach nur festhalten. Ihr das Gefühl geben, dass ich noch immer für sie da war.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Di 31 Jan 2017, 21:32

// Oh Gott, ich muss mich entschuldigen! Ich habe mehr als einen Monat gebraucht, um zu antworten! Embarassed

Amy
In Florians Nähe hatte ich mich schon immer wohlgefühlt. Das war von Anfang an so gewesen, und seitdem hatte sich nichts daran geändert. Mit ihm konnte ich über alles sprechen, was mir auf der Seele lag. Ich konnte stundenlang mit ihm lachen oder herumalbern. Und egal, was passierte, er war für mich da. Dessen war ich mir immer bewusst gewesen, aber noch nie hatte ich Florian so sehr gebraucht wie in den letzten Minuten. Oh Gott, ich hätte ihm gleich erzählen sollen, was Ty mir angetan hatte. Gleich nach dem ersten Mal. Florian hätte einen Weg gefunden, mir zu helfen. Er hätte gewusst, wie man Ty stoppen und wie man die von ihm angedrohten Konsequenzen verhindern konnte. Aber ich hatte solche Angst gehabt, dass ich mich nicht getraut hatte, irgendjemandem etwas davon zu erzählen. Erst heute, nachdem Sascha und Florian verletzt worden waren, hatte ich mich meinem besten Freund endlich anvertrauen können. Noch immer wusste ich nicht, ob er etwas davon geahnt hatte, was Ty mit mir getan hatte, oder nicht. Seiner Reaktion nach hatte er es vielleicht vermutet, aber definitiv nicht gewusst. Doch ich sollte endlich aufhören, mir ständig Gedanken zu diesem Thema zu machen. Doch das war leichter gesagt als getan. Wenn Florian nicht genickt hätte, wäre ich nach einiger Zeit verrückt geworden von dem ganzen Nachdenken. Er schien Verständnis dafür zu haben, dass ich nicht gleich beim Heimkommen mit Luke und Papa sprechen wollte. Anschliessend schenkte er mir ein sanftes, beruhigendes Lächeln, das mir tatsächlich half, wieder herunterzukommen. Dieses Lächeln gab mir zusätzlichen Mut und liess mich noch aufmerksamer zuhören, als Florian das Wort ergriff. Natürlich werde er mir Beistand leisten, wenn es so weit sei, bestätigte er meine Vermutung. Erleichtert atmete ich aus. Hatte ich wirklich die Luft angehalten? Aber bei Florian hätte ich gar keine Angst haben müssen. Er würde mich nie im Stich lassen, egal, bei was. Das wurde mir noch einmal bewusst, und es wurde mir leichter ums Herz. Aber jetzt, fuhr Florian fort, sollten wir erstmal aus der Kälte. Es tue keinem von uns gut, noch länger im Schnee zu sitzen. Da musste ich ihm zustimmen. Nun, wo die ganze Aufregung verflogen war, war mir schon etwas kalt. Ich trug zwar eine Winterjacke, aber diese war nicht sonderlich gut geeignet dafür, lange im Freien zu bleiben und sich dann noch auf den Boden zu setzen. Deshalb liess ich ohne Widerstand hochziehen, als Florian sich langsam aufrappelte. Ich war sehr froh, dass er mich auch nicht losliess, als wir beide wieder standen. Ich brauchte seine Nähe tatsächlich, und wie ich sie brauchte. Jetzt, wo wir nicht mehr auf derselben Höhe waren, musste ich den Kopf in den Nacken legen, um zu ihm hochzusehen. Unter normalen Umständen hätte ich ihn angelächelt, so konnte ich ihn aber nur ansehen. "Du hast Recht", stimmte ich ihm zu. "Wir sollten wirklich langsam gehen." Mit diesen Worten setzte ich mich in Bewegung. Um richtig gehen zu können, musste ich Florian loslassen, doch ich blieb dicht in seiner Nähe. Ich wollte mich nicht weiter von ihm entfernen, da ich Angst hatte, dass mein ganzer, neu gefundener Mut verschwinden könnte, wenn ich nicht nahe genug bei ihm bliebe. Ich wusste, dass das ein vollkommen irrationaler Gedanke war, aber was war in den letzten Tagen schon rational abgelaufen? Da ich nicht wusste, was ich sonst noch sagen sollte, schwieg ich auf dem Weg durch den Park. Auf einmal war ich froh, nach Hause fahren zu können. Ich war wirklich nicht in der Stimmung zu feiern, und jetzt, wo sich Mitternacht Stück für Stück näherte, wollte ich den anderen nicht die Laune verderben.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 03 Feb 2017, 16:27

//Macht doch gar nichts Wink Ich hab schließlich auch ewig gebraucht. Vielleicht läufts jetzt mal wieder bisschen besser? xD

Florian
Amy hatte keinen Widerstand geleistet, als ich sie mit mir hochgezogen hatte. Sie stimmte mir zu, dass ich Recht hätte. Damit meinte sie die Tatsache, dass es keinem von uns gut täte, im Schnee zu sitzen. Sie fügte hinzu, dass wir wirklich langsam gehen sollte. Fast zeitgleich setzte sie sich in Bewegung. Ich folgte nur wenige Sekunden später. Doch diese Sekunden fielen niemandem auf. Ich war schließlich einige Zentimeter größer als Amy und dadurch waren auch meine Schritte größer. Ich hatte sie also schneller eingeholt, als sie überhaupt merken könnte, dass ich langsamer gewesen war. Ich beobachtete meine beste Freundin von der Seite. Unbemerkt, versteht sich. Ich wollte nicht, dass sie sich beobachtet fühlte, aber das tat man doch automatisch? Auf die beste Freundin, die vor einigen Sekunden noch eine tragische Geschichte erzählt hatte, Acht geben. Dabei fiel mir auf, dass sie sich nicht weit von mir entfernt hatte. Vorsichtig nahm ich ihre Hand. Begründen konnte ich das auch nicht wirklich. Ich wollte es einfach. Vielleicht konnte ich Amy damit zeigen, dass ich wirklich für sie da war. Sie ein Stück weit beschützen. Am liebsten hätte ich sie in einen riesigen durchsichtigen Wasserball gepackt. So konnte ihr nichts passieren. Weder sie selbst noch irgendjemand anderes könnte ihr etwas antun. Aber das wäre auch keine Lösung. Zumindest nicht die richtige. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich wusste nicht, ob es überhaupt richtig war, jetzt etwas zu sagen. Deshalb schwieg ich lieber. Vielleicht war das in diesem Moment die beste Lösung. Aber gab es überhaupt eine richtige Lösung für eine solche Situation? Der beste Weg für alle Beteiligten? Wer konnte das schon sagen? Jeder Mensch war anders. Jeder verarbeitete Erlebnisse anders. Ich konnte jetzt noch nicht sagen, wie Amy das alles verarbeiten würde. Da musste man abwarten. Da mussten Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Bei manchen ging es mit Sicherheit schneller, andere brauchten mehr Zeit. Ich wusste nicht, wie lange meine beste Freundin dafür brauchen würde. Aber war das nicht unwichtig? Hauptsache, sie wurde wieder "normal"? Wobei sie wahrscheinlich nie wieder so werden würde, wie sie war, bevor sie Ty kennen gelernt hatte. Während wir durch den Park liefen, fiel mir ein, dass ich Luke vielleicht etwas "entschärfen" sollte. Ich wollte nicht, dass er und sein Vater gleich auf Amy zustürmen würden und sie mit Fragen überfallen würden, wenn ich sie nach Hause gebracht hatte. Deshalb zog ich mein Handy aus der Hosentasche und öffnete den Chat mit Luke. 'Bringe Amy nach Hause. Keine Fragen. Geht normal mit ihr um. Wird sich noch alles aufklären.', tippte ich schnell. Wobei "schnell" mit einer Hand relativ war. Trotzdem brauchte ich nicht zu lange. Ein Glück, dass ich vor kurzem die Wortvorschläge aktiviert hatte. Ich war wohl fauler geworden. Anschließend lies ich das Handy wieder in meiner Tasche verschwinden und richtete meinen Blick nach vorne. Wir waren schon fast auf Sascha's Hof angekommen. "Du kannst dich gleich ins Auto setzen. Ich muss nur Sascha oder Melina suchen. Sagen, dass ich bald wieder da bin. Bestenfalls Sascha, damit er vielleicht ein Auge auf sie haben kann. Oder Ronja.", erklärte ich Amy schnell. Meine kleine Schwester durfte ich nun auch nicht vernachlässigen. Würde ihr etwas zustoßen, würden mich alle dafür verantwortlich machen. Und darauf konnte ich verzichten.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 03 Feb 2017, 21:15

// Da bin ich aber froh! Danke für dein Verständnis! Smile Und ich hoffe doch, dass es jetzt wieder mal etwas besser läuft Wink

Amy
In der Tat bemerkte ich nicht, dass mein bester Freund ein paar Sekunden länger brauchte, um sich in Bewegung zu setzen. Das lag wohl einerseits daran, dass er um einiges grösser war als ich und deshalb auch längere Beine hatte. Dementsprechend brauchte er weniger Schritte, um dieselbe Strecke zurückzulegen. Andererseits war ich auch ziemlich in Gedanken versunken. Das war mir in den letzten Tagen oft passiert. Aber war das ein Wunder, nachdem, was mir zugestossen war? Oh Gott. Wenn ich nur daran dachte, jagte mir ein eiskalter Schauer über den Rücken, und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Wie hatte ich mich in Ty nur so täuschen können? Hätte ich nicht früher etwas bemerken müssen? Hatte es nicht Vorzeichen gegeben, die darauf gedeutet hatten, dass das Ganze so hatte enden müssen? Ich wusste es nicht. Ich wusste es einfach nicht, und das machte mich verrückt. Normalerweise wäre mir sofort aufgefallen, dass Florian mich von der Seite beobachtete. Schliesslich kannte ich ihn schon beinahe mein ganzes Leben lang und wusste, dass er in solchen Situationen besonders Acht auf mich gab. Wahrscheinlich machte er sich in diesem Moment noch mehr Sorgen um mich als gewöhnlich. Gerne hätte ich ihn mit einem sanften Lächeln beruhigt, aber das war immer noch nicht möglich. Ausserdem war ich zu weit weg in Gedanken, um von Florians Blicken etwas zu bemerken. Ständig tauchte Tys Gesicht vor meinem inneren Auge auf. Seine Augen, seine Hände, sein widerwärtiges Grinsen... Ich sah das Schlafzimmer vor mir, das Bett, die Fesseln, die Handschellen, einfach alles. Es wurde schlimmer und schlimmer, aber obwohl ich aufhören wollte, daran zu denken, schaffte ich es einfach nicht. Plötzlich spürte ich, dass Florian meine Hand in seine nahm. Sofort verflog meine Angst, und alle Gedanken an Ty waren wie ausgelöscht. Es war, als hätte es sie nie gegeben und als sei nie etwas passiert. Es war ein Wunder. Natürlich war mir klar, dass es nicht einfach sein würde, dieses schreckliche Erlebnis zu vergessen. Ich warf einen kurzen Blick zu meinem besten Freund hoch, ehe ich wieder nach vorne sah. Aber obwohl ich nicht so einfach vergessen konnte, was Ty mir angetan hatte, schaffte Florian es, mich davon abzuhalten, völlig zu verzweifeln. In dem Moment, als er meine Hand ergriffen hatte, hatte ich gespürt, dass ich nicht alleine war. Ich spürte es nicht nur, ich wusste es mit absoluter Gewissheit. Florian würde mich niemals im Stich lassen. Ich konnte ihm vertrauen. Ich konnte mich darauf verlassen, dass er für mich da war und mich beschützen würde. Bestimmt hätte er mich auch vor Ty beschützt, wenn ich es denn zugelassen hätte. Aber ich dumme Kuh hatte mich meinem besten Freund nicht anvertraut. Damit hatte ich einen grossen Fehler gemacht. Doch es brachte nichts, länger darüber nachzudenken. Es war passiert, und daran könnte ich nichts mehr ändern. Das Einzige, dass ich ändern konnte, war die Zukunft, und daran musste ich anknüpfen. Bestimmt würde Florian mich dabei unterstützen. Unterdessen waren wir weiter durch den Park gegangen, und Florian hatte sein Handy hervorgezogen. Mit der freien Hand tippte er eine Nachricht. Ich konnte nicht sehen, was er schrieb oder an wen die Nachricht gehen würde, doch ich konnte mir denken, dass er meinen Bruder benachrichtigte. Das würde Florian ganz ähnlich sehen. Während er tippte, schwiegen wir weiter. Ich wusste auch nicht gross, über was wir sprechen sollten. Das Wichtigste war schon gesagt worden, und auf Small Talk hatte ich im Moment überhaupt keine Lust. Nach einer Weile verstaute Florian das Handy wieder in der Hosentasche und schaute nach vorne. Ich folgte seinem Blick. Wir hatten den Park schon hinter uns gelassen und würden Saschas Zuhause in wenigen Metern erreichen. Da ergriff Florian das Wort. Er meinte, ich könne mich gleich ins Auto setzen. Er müsse nur Sascha oder Melina suchen und sagen, dass er bald wieder da sei. Bestenfalls Sascha, damit er vielleicht ein Auge auf sie haben könne, oder Ronja. Ich sah ihn an und nickte verständnisvoll. "Na klar, geh' nur", meinte ich. Ich hatte kein Problem damit, ein paar Minuten im Auto zu warten. Nur hineingehen würde ich nicht noch einmal. Mein bester Freund hatte Recht. Das Risiko, dass dabei etwas passieren konnte, war einfach zu gross. Aber bevor ich Florian gehen liess, trat ich noch einmal näher zu ihm heran. So nahe, dass ich den Kopf weit in den Nacken zurücklegen musste, um zu ihm hochsehen zu können. Unsere Hände waren noch immer miteinander verschränkt, und es fühlte sich so gut an, dass ich Florian gar nicht mehr loslassen wollte. Aber das würde ich tun müssen. Vorher drückte ich seine Hand nochmals. Auf einmal drohten meine Gefühle, mich zu überwältigen. Es war einfach so viel gewesen in den letzten Tagen, und heute war es besonders viel gewesen. "Danke, Flo. Für alles", flüsterte ich, denn ich vertraute meiner Stimme nicht. Meine Kehle war verschnürt, ich konnte beinahe nicht atmen, und Tränen stiegen mir in die Augen. Gleichzeitig schaffte ich das zweite, kleine Schmunzeln an diesem Abend. Ich weinte nicht wegen der schrecklichen Erlebnisse in den letzten Tagen oder weil ich vollkommen verzweifelt war. Ich weinte, weil ich begriffen hatte, dass ich es schaffen konnte, über all das hinwegzukommen. Und zwar dank meinem besten Freund. Und dafür wollte ich ihm unbedingt danken. Ein paar Tränen rollten über meine Wangen, aber das änderte nichts daran, dass ich das kleine Lächeln aufrechterhalten konnte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 05 Feb 2017, 12:34

// Natürlich! Du kennst doch unsere "Devise" Very Happy Und außerdem ist es bei mir doch nicht anders Wink

Florian
Nachdem ich Amy's Hand genommen hatte, war ihr Blick kurz zu mir gewandert. Nur für den Bruchteil einer Sekunde. Ich hatte nicht darauf reagiert. Ich hatte es nur aus den Augenwinkeln gemerkt. Vielleicht hatte sie einfach sehen wollen, wer plötzlich ihre Hand genommen hatte. Es war natürlich unwahrscheinlich, dass es jemand anderes als ich hätte sein können. Aber vielleicht war meine beste Freundin einfach zu sehr in Gedanken versunken gewesen. Das wäre nicht verwunderlich. Da vergaß man auch gerne, wo man sich gerade befand oder wer noch bei einem war. Aber die Tatsache traf mich nicht. Es gab auch keinen Grund dazu, dass ich mich davon irgendwie getroffen fühlen sollte. Desweiteren schien es Amy nicht zu stören, dass wir auf dem Weg zurück nichts sagten. Wahrscheinlich fiel ihr genauso wenig ein wie mir. Was sollte man nach so einem 'Geständnis' auch sagen, dass nicht vollkommen plump und hilflos klang? Man konnte - oder wollte - nicht weiter über dieses Geschehnis reden. Man konnte aber auch nicht von etwas anderem anfangen. Das Gespräch zwanghaft auf etwas wie 'Was hast du in den Ferien noch vor?'  oder 'Wie läuft's in der Schule, mit dem lernen?' zu lenken, war auch keine berauschend tolle Aussicht. Das war plump und hilflos. Aber war schweigen nicht genauso? Gab es in dieser Situation überhaupt ein 'richtig' und ein 'falsch'? Vielleicht sollte ich lieber aufhören, mir darüber Gedanken zu machen. Es nützte sowieso nichts. Nachdem ich Amy mitgeteilt hatte, dass sie sich gleich ins Auto setzen könne und ich noch schnell Milena oder Sascha suchen müsse, antwortete sie mir mit einem 'Na klar' und meinte, ich solle nur gehen. Ich wusste, dass sie es genauso meinte, wie sie es eben gesagt hatte. Ich wusste nicht, ob ich sie gleich los lassen sollte und schnell ins Haus 'rennen' sollte. Doch meine beste Freundin nahm mir diese 'Entscheidung' ab. Sie trat etwas näher zu mir heran. Dabei musste sie ihren Kopf in den Nacken legen, um mich ansehen zu können. Fast gleichzeitig spürte ich, wie meine Hand gedrückt wurde. Ich hatte schon vergessen, dass ich Amy's Hand noch immer hielt. Amy bedankte sich flüsternd bei mir. 'Für alles', hatte sie noch hinzu gefügt. Ich sah, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Zuerst hatte ich Angst, dass sie wieder zu viel darüber nachgedacht hatte. Über diese Sache. Aber konnte man das überhaupt vermeiden? doch dann begann sie zu schmunzeln und ich begriff, dass sie nicht wegen dieser Sache weinte. Es schienen viel mehr eine Art 'Freudentränen' zu sein. Oder irgendetwas befreiendes. Ich lächelte sie sanft an. "Kein Problem. Ich bin immer da.", antwortete ich ihr leise und wischte ihr mit meinem Daumen ein paar Tränen von der Wange. Wie einfach es wäre, meine Lippen jetzt auf ihre zu legen...MOMENT! Das ging zu weit! Wieso überhaupt? Ich nahm meine Hand wieder von ihrer Wange und suchte stattdessen nach meinem Autoschlüssel. Schnell schloss ich den Wagen auf und bewegte mich etwas von Amy weg, um die Türe zu öffen. "Setz dich. Ich bin gleich wieder da.", versuchte ich mich aus dieser Situation zu retten. Mehr schlecht als recht, um ehrlich zu sein. Aber Taktgefühl hatte ich irgendwie sowieso noch nie gehabt. Ich lies Amy's Hand los. Erst als sie im Wagen saß, drehte ich mich um und ging in's Haus. Seltsamerweise hatten sich alle darin versammelt. Kaum einer war noch vor der Haustüre zu sehen. Hatte das einen Grund? Ich sah mich um, konnte jedoch keinen Grund dafür erkennen. Vielleicht war es zu kalt geworden. Oder sie hatten alle Hunger. Ich suchte weiter nach irgendjemandem, dem ich vertrauen konnte. Sascha sollte doch eigentlich leicht zu finden sein, oder nicht? Oder meine kleine Schwester. Irgendjemanden. Ich ging hinunter zur Bar. Auch hier war es ziemlich voll. Und stickig. Wie immer an Silvester. Auf dem Sofa konnte ich Milena entdecken. Sie war offensichtlich in ein Gespräch vertieft und bemerkte mich nicht. Mit wem sie sprach, beachtete ich nicht weiter. Aber ich war froh, dass sie es wohl nicht ganz so schrecklich hier fand. An der Bar konnte ich endlich Sascha und Ronja ausfindig machen. Natürlich klebten sie fast zusammen, wie sollte es bei einem frisch verliebten Paar auch anders sein? Wobei ich das schon schlimmer gesehen hatte. Weder Sascha noch Ronja waren für irgendwelchen Kitsch zu haben. Wobei ich mir bei letzterer doch nicht sicher war. "Flo!", schrie mein bester Freund aus, als er mich erblickte. "Wie geht's Amy? Wo ist sie?", mischte sich Ronja gleich ein. "Soweit ganz gut.", antwortete ich ihr. Ich wusste nicht recht, ob dieser Satz nicht doch gelogen war. Eigentlich wusste ich nicht, wie Amy sich im Moment wirklich fühlte. "Ich fahr' sie nach Hause. Ist ihr momentan alles zu viel hier." Ronja nickte verständnisvoll. Wahrscheinlich hatte Sascha ihr von heute Mittag erzählt. Was nicht unwahrscheinlich war, schließlich musste er erklären, warum er eine Wunde am Oberschenkel hatte und mit Krücken laufen musste. Aber Ronja wusste Diskretion zu schätzen. Auf sie konnte man vertrauen. Soviel wusste ich über sie. Keine 'Labertasche', sondern in pikanten Situationen äußerst diskret. "Deshalb eine kleine Bitte. Solange ich weg bin, könntet ihr nochmal auf Melina aufpassen? Vielleicht merkt sie nicht, dass ich weg bin - wäre natürlich super. Aber wie gesagt, ich schau, dass ich so schnell wie möglich wieder da bin.", fuhr ich fort. Ronja und Sascha nickten fast gleichzeitig. "Natürlich. Ich hab' sie auch nie wirklich aus den Augen verloren. Sie sitzt da hinten. Aber ich pass' auf.", versicherte mir Ronja sofort. Ich lächelte sie dankend an. "Kein Problem. Ich komm' hier eh nicht so gut weg.", stimmte Sascha zu. Ich lachte kurz. "Danke.", bedankte ich mich bei den beiden, drehte mich um und ging schnellen Schrittes wieder hinaus zu meinem Auto. Ich überquerte den Hof, öffnete die Türe und lies mich hinter das Lenkrad fallen. "Da bin ich wieder.", meinte ich grinsend zu Amy und startete meinen Wagen. Wenig später war ich vom Hof gefahren.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 05 Feb 2017, 16:20

// Stimmt, wie konnte ich unsere "Devise" nur vergessen? Very Happy Die Hauptsache ist doch, dass es weiter geht Smile

Amy
Es tat so gut, endlich loszulassen. Der ganze Stress, der ganze Druck und die ganze Angst der letzten Tage fielen von mir ab. Es war, als könnte ich einen schweren Rucksack, den ich die ganze Zeit über hatte tragen müssen, endlich ablegen. Und zurück blieb nur ein befreiendes Gefühl. Erleichterung breitete sich in meinem Inneren aus. Das war jedoch nicht alles. Als ich Florian vorher von den Geschehnissen erzählt hatte und im Anschluss in Tränen ausgebrochen war, hatte ich mich genauso gefühlt. Nun kam aber noch eine Komponente dazu: Ich fühlte mich nicht mehr allein. Ich wusste, dass mein bester Freund an meiner Seite stand und mich bei allem, was jetzt auf mich zukommen würde, unterstützen würde. Egal, wie schwer es werden würde, ich konnte mich darauf verlassen, dass Florian bei mir sein würde. Er würde mich in seine Arme nehmen, wenn ich Trost brauchte. Er würde mich auffangen, wenn ich zu fallen drohte. Ja, er würde mich sogar tragen, wenn mich die Kraft in den Beinen verlassen würde. Er würde alles für mich tun. Das hatte ich schon immer gewusst, aber in den letzten Tagen war das in den Hintergrund geraten. Nun hingegen war mir wieder klar, woran ich bei Florian war, und dass ich mich nicht davor zu fürchten brauchte, dass er mich im Stich lassen würde. Denn das würde er niemals tun. Unter anderen Umständen wäre es mir vielleicht ein wenig unangenehm gewesen, schon wieder in Tränen auszubrechen. Doch erstens wusste ich, dass mein bester Freund mich dafür nicht verurteilen würde - nicht jetzt und auch in keiner anderen Situation. Und zweitens tat es einfach zu gut, loszulassen, als dass ich hätte aufhören können. Es passierte einfach, und das war gut so. Durch den Tränenschleier hindurch konnte ich erkennen, dass Florian mich sanft anlächelte. Mir wurde dabei ganz warm ums Herz, auch wenn ich mir nicht recht erklären konnte, wieso. Ich schob es einfach auf die ganze Situation und die Erleichterung, die ich dabei empfand. Ja, das musste es sein. Er meinte, es sei kein Problem, und er sei immer da. Mein Schmunzeln wurde noch ein wenig breiter. Genau darüber hatte ich gerade nachgedacht, und das, was ich bereits gewusst hatte, wurde mir noch einmal bestätigt. Florian war immer für mich da. Das war ein so unglaubliches Gefühl, dass sich gleich noch ein paar Tränen aus meinen Augen stahlen und über meine Wangen kullerten. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr; dann strichen Florians Finger federleicht über meine Haut und wischten die Tränen von meinen Wangen. Gerührt und gleichzeitig ganz durcheinander stand ich da und liess es geschehen. Es war nicht das erste Mal, dass mein bester Freund das tat, schliesslich hatte er mich in der Vergangenheit schon oft trösten müssen. Aber dieses Mal fühlte es sich irgendwie anders an. Es schien so, als würde eine grössere Bedeutung dahinterstecken, als es bis jetzt der Fall gewesen war. Es war gleichzeitig aufregend und verwirrend. Für einen Sekundenbruchteil fiel mein Blick auf Florians Lippen, ehe ich wieder zu seinen Augen hochsah. Oh Gott. Daran hatte ich gerade nicht gedacht. Nein, nein, nein. Und wenn doch, dann... Dann brauchte ich wirklich psychologische Beratung. Zum Glück nahm mein bester Freund bald darauf seine Hand wieder herunter und steckte sie stattdessen in seine Hosentasche. Nach wenigen Momenten hatte er gefunden, was er gesucht hatte, und schloss mit dem Schlüssel das Auto auf. Irgendwie war ich erleichtert darüber, dass dieser seltsame Moment vorüber war, aber irgendwie war ich auch enttäuscht. Im Moment lief es aber auch drunter und drüber bei mir. Florian schaffte etwas Abstand zwischen uns und öffnete die Beifahrertür. Gleichzeitig forderte er mich auf, mich zu setzen, und erklärte, er sei gleich wieder da. Ich nickte noch einmal. Mein bester Freund sollte sich auf keinen Fall noch mehr Sorgen um mich machen müssen, als er es ohnehin schon tat. Als er meine Hand losliess, wurde mir unwillkürlich ein wenig kälter. Deshalb stieg ich schnell in den Wagen und beobachtete, wie Florian die Autotür zuschlug und zum Haus lief. Obwohl die Kälte und der Wind nun nicht mehr in das Auto drangen, wurde mir nicht wärmer. Das war wirklich seltsam. Was war nur mit mir los? Ich konnte es mir nicht erklären. Ich lebte in einem Wechselbad der Gefühle. Vorher hatte ich einen Tiefpunkt erlebt, danach einen Hochpunkt. Und jetzt? Jetzt wusste ich nicht, wie ich mich fühlte. Und was war das vorher für ein komischer Moment mit Florian gewesen? Das war alles so verwirrend, dass ich gar nicht darüber nachdenken konnte. Und auf einmal war ich unglaublich müde. Nach ein paar Minuten kam Florian zurück. Ich beobachtete im Seitenspiegel, wie er sich dem Auto näherte, danach die Tür öffnete und sich auf den Fahrersitz fallen liess. Da sei er wieder, meinte er mit seinem typischen Grinsen, wodurch sich meine Stimmung gleich wieder besserte. Er wartete gar nicht länger, sondern startete den Wagen und fuhr vom Hof. Für ein paar Sekunden sah ich durch die Windschutzscheibe nach vorne, ehe ich den Blick wieder auf meinen besten Freund richtete. "Konntest du das mit Milena organisieren?", erkundigte ich mich. Eigentlich war es eine blöde Frage, denn hätte Florian niemanden auftreiben können, der sich um seine kleine Schwester kümmerte, wäre er nun wohl kaum hier. Dennoch war es nur anständig, sich danach zu erkundigen. Und ich konnte mich vorübergehend mit einer anderen Sache beschäftigen, was mir sicher nicht schaden würde.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 05 Feb 2017, 17:49

//Es geht immer weiter! Very Happy

Florian
Nachdem ich vom Hof gefahren war, sah Amy aus der Windschutzscheibe. Ich tat es ihr gleich. Ich musste ja auch aus der Windschutzscheibe sehen, immerhin musste ich wissen, wo ich hin fuhr. Trotzdem sah Amy nicht lange einfach nur gerade aus. Wenige Sekunden später sah sie mich an. Sie erkundigte sich, ob ich das mit Milena organisieren konnte. Ich nickte. "Ja, Ronja und Sascha passen auf sie auf. Ich hab' gesagt, dass ich versuche, so schnell wie möglich wieder da zu sein.", antwortete ich meiner besten Freundin. Moment, war der letzte Satz in Ordnung gewesen? Sie sollte schließlich nicht das Gefühl haben, dass ich sie los werden wollte. Dass ich sie einfach absetzen würde und wieder weg fahren. Ich wusste nicht, wie ich das genau anstellen würde, ohne dass ich mich schlecht fühlen würde. Würde ich noch lange bei Amy bleiben, hatte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner kleinen Schwester. Aber würde ich sofort zurück fahren, hätte ich gegenüber meiner besten Freundin ein schlechtes Gewissen. Ich musste mir eingestehen, dass die Situation nicht gerade berauschend sympathisch war. "Also ich möchte dich nicht loswerden oder so. Nicht, dass du das falsch verstehst. Ich muss nur auf Melina aufpassen. Wenn irgendwas passiert...nunja, bin ich dran.", versuchte ich Amy die Situation zu erklären. Ich wusste, dass sie mir wahrscheinlich gleich ihr Verständnis bekunden würde. Ich wusste nur nicht, ob ich ihr das dann glauben konnte. Ob ich ihr abnehmen konnte, dass alles in Ordnung wäre, wenn ich bald wieder gehen würde. Wenn ich nicht mehr da wäre, sondern lieber bei Melina. Amy konnte man in dieser Hinsicht schon immer schlecht einschätzen. Sie wollte nie jemanden belasten. Sie versuchte immer, allein mit allem klar zu kommen. Aber langsam sollte sie feststellen, dass das nicht möglich war. Und, dass ihr das überhaupt nicht gut tat. Es tat niemandem gut. Trotzdem wusste ich manchmal nicht, ob sie es immer ernst meinte, wenn sie sagte, dass sie kein Problem mit etwas hatte. Natürlich spürte ich öfter intuitiv, dass es nicht so war. Aber manchmal verstand auch ich nicht mehr, was sie wirklich ernst meinte und was nicht. Ich fasste mir kurz mit Daumen und Zeigefinger zwischen die Augen und massierte meinen Nasenrücken. Nur für eine Sekunde. Irgendwie dachte ich schon wieder zu viel nach. Nur wenig später bog ich auf den Hof der Fleming's ein. Ich war froh, dass die Haustüre nicht sofort aufgerissen wurde und jemand herausstürmte. Allen Anschein nach, hatte Luke meine Nachricht gelesen. Und es auch seinem Vater mitgeteilt. Ich stellte meinen Wagen ordnungsgemäß ab und sah aus dem Fenster. Ich wusste nicht, was ich jetzt sagen oder tun sollte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 05 Feb 2017, 20:28

// Genau, so ist es ;D

Amy
Auf meine Frage bezüglich Milena nickte Florian und bejahte. Er meinte, Ronja und Sascha würden auf sie aufpassen. Ich war erleichtert und nickte kurz als Antwort. Florians bester Freund und dessen Freundin würden schon dafür sorgen, dass Milena nichts passierte. Ihnen beiden konnte man getrost vertrauen, das wusste auch ich gut. Ich war froh, dass Florian sie in diesem ganzen Getummel gefunden und kurz mit ihnen gesprochen hatte, denn so war nun alles geregelt, und er müsste sich keine Sorgen um seine kleine Schwester machen. Kurz darauf sprach mein bester Freund weiter. Er habe gesagt, dass er versuche, so schnell wie möglich wieder da zu sein. Reflexartig wollte ich nicken, da ging mir auf, was Florian gerade gesagt hatte. Er wollte mich so schnell wie möglich nach Hause bringen und dann zurück zur Silvesterparty fahren. Obwohl ich genau wusste, wie er diese Aussage meinte, konnte ich nicht verhindern, dass ein kleiner Stich durch mein Herz zuckte. Im nächsten Moment zwang ich mich, mich zusammenzureissen. Schliesslich kannte ich Florian seit Jahren und war mir im Klaren darüber, dass er mich nicht einfach absetzen und dann mit durchdrehenden Reifen davonbrausen würde. Er würde mindestens so lange warten, bis ich die Haustür erreicht und eingetreten war, um sicherzugehen, dass ich unbeschadet zu Hause angekommen war. Nachdem, was in den letzten Tagen und vor allem heute passiert war, würde er eher noch länger warten, bis er wieder wegfuhr. Vielleicht würde er sogar hereinkommen, um mich davor zu beschützen, von Luke oder Papa mit Fragen bestürmt zu werden. Als ob er ahnte, was mir durch den Kopf schoss, fügte Florian hinzu, dass er sie nicht loswerden wolle oder so. Nicht, dass sie das falsch verstehe. Er müsse nur auf Milena aufpassen. Wenn irgendwas passiere, sei er dran. Daraufhin nickte ich und blickte Florian verständnisvoll an. Natürlich durfte ich nicht erwarten, dass mein bester Freund für mich alles stehen und liegen lassen würde. Schliesslich war seine kleine Schwester nach einigen Jahren wieder in sein Leben getreten, und nun musste er auf sie aufpassen. Dafür hatte ich grosses Verständnis. Gleichzeitig fürchtete ich aber, es ohne Florian nicht zu schaffen. Er hatte mir in den letzten Minuten so viel Kraft und Mut gegeben. Ich hatte das Gefühl, die Situation ohne ihn nicht überstehen zu können. Was, wenn Luke oder Papa eine Frage stellen würden? Eine Frage zu Ty? Aber selbst wenn nicht: Würde ich ihre sorgenvollen Blicke aushalten? Könnte ich ihnen in die Augen sehen und ihnen sagen, dass ich im Moment nicht darüber reden wollte? Könnte ich ihnen versichern, dass es mir gut ging? Auf einmal beschlichen mich grosse Zweifel, und so kam auch die Angst. Wie könnte ich das alles ohne Florian schaffen? Nur er wusste alles und könnte einschätzen, wie ich mich fühlen würde, wenn ich Luke und Papa gegenübertreten müsste. Nur er könnte wissen, dass ich wahrscheinlich auch in dieser Nacht wieder unter Albträumen leiden würde. Weil ich noch nicht wusste, was ich sagen wollte, schwieg ich erst einmal einen Moment. Ich beobachtete, wie Florian sich kurz mit Daumen und Zeigefinger den Nasenrücken massierte, ehe er sich wieder auf die Strasse konzentrierte. Bevor ich antworten konnte, kamen wir schon bei mir zu Hause an. Florian bog ab und hielt in der Auffahrt an, ehe er den Motor ausschaltete und aus dem Fenster sah. Offensichtlich schien es ihm zu schaffen zu machen, dass er nicht gleichzeitig auf seine Schwester und auf mich aufpassen konnte. Beruhigend legte ich ihm eine Hand auf den Arm und wartete, bis er mich ansah. Dann versuchte ich noch einmal zu lächeln, aber leider klappte es mehr schlecht als recht. Ich beeilte mich, das Wort zu ergreifen, und mein fehlendes Lächeln zu überspielen. "Ich weiss, dass du mich nicht loswerden möchtest", erklärte ich mit gefasster Stimme. "Das könntest du auch gar nicht. Mich wirst du ganz sicher nicht los", fügte ich hinzu und konnte in Anbetracht dieses Witzes sogar kurz lächeln. Immerhin, eine erste Verbesserung war erkennbar, selbst für mich. Aber es war nicht so, wie es sein sollte. Es war nicht gut. Und deshalb konnte ich Florian auch nicht anlügen und sagen, dass alles in Ordnung sei. Das wäre nicht die Wahrheit. "Und ich weiss, dass du auf Milena aufpassen musst. Du solltest sie nicht den ganzen Abend alleine lassen, auch wenn Ronja und Sascha bestimmt gut auf sie achten werden." Ich wusste nicht genau warum, aber ich liess meine Hand an Florians Arm heruntersinken, bis ich seine Hand berühren konnte. Ihn zu berühren, ihn in meiner Nähe zu wissen, gab mir so viel Sicherheit, und die brauchte ich im Moment am dringendsten. Deshalb war mein Blick auch etwas unsicher, als ich meinen besten Freund nun ansah. "A... Aber könntest du trotzdem mit reinkommen? Nur für einen Moment?", fragte ich ihn. Ich hatte einfach das Gefühl, die folgende Situation - nämlich Luke und Papa zu begegnen - nicht ohne ihn überstehen zu können.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 06 Feb 2017, 14:35

Florian
Ich starrte noch immer aus der Windschutzscheibe und rang damit, was ich tun sollte. Welches Verhalten nun richtig war. Einfach wegzufahren auf jeden Fall nicht. Auf einmal spürte ich, wie mir jemand eine Hand auf den Arm legte. Es konnte nur Amy sein. Ich hatte das Gefühl, sie wollte mich beruhigen. Vielleicht wusste sie, was in mir vorging. Höchstwahrscheinlich. Sie kannte mich zumindest lange genug, um sowas einzuschätzen. Kurz nachdem ich ihre Hand auf meinem Arm gespürt hatte, wandte ich mich ihr zu. Sie meinte, sie wisse, dass ich sie nicht loswerden wollte. Dabei klang sie ziemlich gefasst. Oder versuchte es zumindest. Ich hatte das Gefühl, dass sich meine Vermutung bestätigt hatte. Sie fand es nicht unbedingt toll, wenn ich sie alleine lassen würde. Und ich könnte mich dafür steinigen. Für diesen Abend, diese ganze Situation, den ganzen Tag. Für alles. Amy fuhr fort, dass ich das auch gar nicht könne. Ich würde sie ganz sicher nicht los werden. Dabei lächelte sie mich kurz an. Auch ich musste lächeln. Genau das sagte ich zu ihr schließlich auch oft genug. Sie meinte weiter, sie wisse, dass ich auf Milena aufpassen müsse. Da hatte sie Recht. Als großer Bruder hatte ich gewisse Pflichten. Vor allem, in diesem 'Verhältnis'. Meine Schwester war schon jahrelang nicht mehr bei mir - bei uns - gewesen. Und ihre Mutter hatte sie uns anvertraut. Außerdem war sie minderjährig. Ich war eigentlich ihre Aufsichtsperson. Sollte ihr tatsächlich etwas passieren, könnte ich mich eventuell in einer Verhandlung wiederfinden. Und das wollte ich vermeiden. Wer wollte sowas schon gerne erleben? Meine beste Freundin bestätigte, dass ich sie - Milena - nicht den ganzen Abend alleine lassen sollte. Auch wenn Ronja und Sascha bestimmt gut auf sie aufpassen würden. Ich lächelte Amy sanft an, dankbar. Trotzdem wusste ich nicht, ob alles, was sie sagte, exakt der Wahrheit entsprach. Ob sie das wirklich so gefasst dahin nahm, wie sie tat. Nach ihrem letzten Satz, lies sie ihre Hand an meinem Arm herunter wandern, bis sie auf meine Hand traf. Ich sah kurz darauf herunter. Es war ein schönes Gefühl. Ich hatte Amy schon oft an der Hand gehalten, ohne große Bedeutung. Man tat das schließlich oft genug, wenn man jemanden hinter sich herzog oder sonst etwas. Aber seltsamerweise fühlte es sich anders an. Noch immer. Seit ein paar Wochen. Ich konnte mir nicht erklären, weshalb. Vielleicht wollte ich es auch nicht wissen. Oder mir nicht eingestehen. Wahrscheinlich letzteres. Oder vorletzteres. Beides könnte der Fall sein. Ich sah wieder zu meiner besten Freundin. Sie sah mich nun etwas unsicher an und fragte, ob ich trotzdem mit rein kommen könne. Nur für einen Moment, fügte sie hinzu. Ich nickte und lächelte sie beruhigend an. "Natürlich.", bestätigte ich und drückte kurz ihre Hand. Anschließend lies ich sie los, um aussteigen zu können. Ich schloss die Tür hinter mir und wartete, bis Amy ebenfalls ausgestiegen war.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 29 Dez 2017, 20:07

// Oh Gott, es tut mir so Leid! Endlich geht es weiter o.O

Amy
Ich beobachtete genau, wie Florian auf meine Worte reagierte. Ich konnte einfach nicht anders. Als ich meinte, dass er mich ganz sicher nicht loswerde, lächelte er mich an. Offensichtlich hatte er meinen kleinen Witz verstanden. Und er schien erleichtert darüber zu sein, dass ich überhaupt Witze machen konnte. Ich selbst war auch erleichtert darüber - und ziemlich erstaunt. Aber darüber wollte ich im Moment nicht weiter nachdenken. Als ich ihm sagte, dass ich verstehen könne, dass er auf Milena aufpassen musste, lächelte er mich erneut an. Sein Lächeln war so sanft, dass es mich unglaublich berührte. Aus irgendeinem Grund, den ich mir nicht erklären konnte, klopfte mein Herz auf einmal etwas schneller. Ich schob es auf meine Nervosität, die von Sekunde zu Sekunde stieg. Bald würde ich Luke und Papa gegenübertreten. Nach meiner Bitte sah Florian kurz auf unsere Hände hinunter, ehe er den Blick wieder auf mich richtete. Als er nickte und mir mit einem 'natürlich' bestätigte, dass er mit reinkommen würde, fiel mir ein Stein vom Herzen. Florian drückte meine Hand und versicherte mir damit, dass ich nicht alleine war. Fast wäre es mir gelungen, sein beruhigendes Lächeln zu erwidern. Aber leider nur fast. So weit war ich noch nicht - noch lange nicht. Deshalb war es umso wichtiger, nun den ersten Schritt zu tun. Den ersten Schritt in mein neues Leben. Wenige Sekunden später liess mein bester Freund mich los und stieg aus dem Wagen. Ich folgte ihm, schloss die Tür und setzte mich in Bewegung. Obwohl ich diese Auffahrt schon tausende Male hochgegangen war, fühlte es sich nun an wie das erste Mal. Unsicher setzte ich einen Fuss vor den anderen. So kam ich natürlich nur langsam voran, aber Florian blieb trotzdem an meiner Seite. Dafür war ich ihm unendlich dankbar. Ich war so froh, diesen Weg nicht alleine gehen zu müssen. Was täte ich nur ohne ihn? Irgendwann kamen wir vor der Haustür an und blieben stehen. Ich schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Okay. Ich konnte das schaffen. Als ich die Augen wieder aufschlug, zögerte ich nicht länger. Ich drückte die Klinke herunter und trat ein, dicht gefolgt von meinem besten Freund. Im Haus war es still, ich glaubte, nur den Fernseher im Wohnzimmer laufen zu hören. Trotzdem ertönten, kaum hatte Florian die Tür hinter sich geschlossen, schnelle, tapsende Schritte, und schon kam Cookie schwanzwedelnd um die Ecke. Beinahe wäre mir beim Anblick des fröhlichen Hundes ein Lächeln gelungen. Ich beugte mich zu ihm hinunter und begrüsste ihn ausgiebig, ehe ich mir ein Herz fasste. Ich suchte den Blick meines besten Freundes. Als ich in seine vertrauten Augen sah, wusste ich, dass ich weitermachen musste. Nun gab es kein Zurück. Erneut atmete ich tief durch, ehe ich mich in Bewegung setzte. Meine etwas unsicheren Beine trugen mich ins Wohnzimmer. Als ich eintrat, erhoben sich sowohl mein Vater als auch mein Bruder vom Sofa. "Amy!", stiess Papa erleichtert aus. "Wo warst du? Wir..." Weiter kam Luke nicht, weil ich ihm ins Wort fiel. "Sagt nichts. Bitte." Ich atmete noch einmal tief durch. "Ich... Ich muss euch etwas sagen." Unterdessen war auch Florian ins Wohnzimmer getreten. Wieder suchte ich den Blick meines Freundes. Seine vertrauten Augen gaben mir zu verstehen, dass er hier war. Ich war nicht alleine. Und schliesslich fand ich den Mut, der nötig war, um weiterzusprechen. Weil meine Beine mich nicht länger tragen wollten, liess ich mich an Ort und Stelle auf den Boden sinken. Noch einmal ein tiefer Atemzug, und dann... Dann erzählte ich ihnen alles.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 30 Dez 2017, 17:15

// Hey, nicht schlimm. Alle Wege führen nach Rom ;P

Florian
Nachdem ich ausgestiegen war, war ich mit großen Schritten vor meine Motorhaube getreten, wo ich auf Amy wartete. Es lag ein wenig Schnee auf der Auffahrt und schließlich kannte ich die Tollpatschigkeit meiner besten Freundin. Ich wollte sie nicht bedrängen, indem ich vor der Beifahrertür wartete. Von hier aus konnte ich immer noch rechtzeitig handeln. Amy war ebenfalls ausgestiegen und hatte die Tür geschlossen. Ich bemerkte ihre Unsicherheit. An ihrem Gesicht und an ihrem Gang. Eigentlich an ihrer kompletten Ausstrahlung. Wie sollte man das auch nicht bemerken? Und wer würde es ihr vorwerfen? Niemand, der in ihrer Situation war, würde sich anders verhalten oder anders fühlen, als sie es gerade tat. Ich passte mich Amy's Schritt an. Es machte mir nichts aus, dass sie etwas langsamer ging. Allgemein lief ich selten in meinem eigenen Tempo, wenn ich mit Amy unterwegs war. Doch jetzt war es nochmal eine andere Situation. Ich schob meine Hände in die Taschen meiner Jacke. Vor der Haustür blieb Amy stehen. Ich stand nicht direkt neben ihr, sondern etwas versetzt hinter ihr. Trotzdem war es fast, als würde ich auf gleicher Höhe stehen. Meine beste Freundin zögerte einen kurzen Moment, ehe sie tief durchatmete und anschließend die Klinke der Haustür herunter drückte. Ich folgte ihr ins Haus und war froh, dass Luke und Amy's Vater nicht sofort herbei gestürmt waren. Sie folgten meiner Bitte also. Nachdem ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, hörte ich, wie sich etwas in Bewegung setzte. Es war Cookie, der zu seiner Besitzerin lief. Ich lächelte leicht, als Amy sich zu ihrem Hund herunter beugte und ihn ausgiebig begrüßte. Dabei rührte ich mich keinen Millimeter von meinem Standort an der Haustüre weg. Ich hätte auch nicht viel Spielraum gehabt, ohne Amy dabei irgendwie anzustoßen. Deshalb blieb ich einfach stehen, den Blick immer auf meine beste Freundin gerichtet. Irgendwann richtete sie sich auf und sah mich an. Ich sagte noch immer nichts, sondern versuchte nur, sie aufmunternd anzusehen. Wahrscheinlich war es in dieser Situation auch falsch, etwas zu sagen. Wobei es für so etwas wohl auch kein 'richtig' oder 'falsch' gab. Trotzdem hielt ich es für das beste, nichts zu sagen. Ich war ohnehin nicht gut darin, etwas zu sagen. Ich handelte lieber...irgendwie. Wieder atmete Amy kurz tief durch, ehe sie sich erneut in Bewegung setzte. Cookie sah mich kurz an und kam zu mir. Auch ich begrüßte ihn, jedoch nur kurz. Dann folgte ich Amy ins Wohnzimmer und stellte mich hinter sie, wie zuvor an der Haustür. Als hätten die beiden auf ein Kommando gewartet, erhoben sich Luke und sein Vater vom Sofa. Ich sah die Erleichterung ihm Gesicht ihres Vaters und wie er den Namen seiner Tochter aussprach, verdeutlichte diese Erleichterung nur noch mehr. Luke fragte, wo sie gewesen war und wollte noch etwas weiteres sagen, ehe er von seiner kleinen Schwester unterbrochen wurde. Sie bat ihn, nichts zu sagen. Erneut ein durchatmen, dann meinte sie, dass sie den beiden etwas sagen musste. Anschließend sah sie wieder zu mir. Ich nickte kaum merklich, in der Hoffnung, dass es ihr etwas Mut geben würde. Was dann folgte, hatte ich schon fast geahnt. Amy sank auf den Boden und ich hinderte sie nicht daran. Dabei konnte sie sich nicht weh tun, denn sie sackte nicht einfach zusammen. Außerdem vermutete ich, dass es ihr leichter fiel, von dieser Position aus ihre Geschichte zu erzählen. Vielleicht klang das auch total dumm, aber so musste sie sich nicht auf den Beinen halten und es wäre auch seltsam, wenn ich sie festgehalten hätte. Trotzdem lies ich sie nicht allein. Kurz bevor sie begann, ihrem Bruder und ihrem Vater alles zu erzählen, ging ich in die Hocke und legte ihr eine Hand auf den Rücken. Ich wollte ihr auch jetzt verdeutlichen, dass sie nicht alleine war. Während Amy erzählte, lies ich meinen Blick abwechselnd zu jedem Anwesenden wandern. Selbst Cookie saß ganz ruhig im Wohnzimmer und beobachtete uns. Als würde er wissen, worum es ging. Und wir ließen Amy erzählen. In ihrem eigenen Tempo, niemand unterbrach sie.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 01 Jan 2018, 20:28

// Das stimmt ^^ Danke für dein Verständnis Smile

Amy
Papa und Luke zu erzählen, was passiert war... was Ty mir angetan hatte... warum ich zugelassen hatte, dass er mich misshandelte... Es war wohl das Schwerste, was ich je getan hatte. Zwar hatte ich der Polizistin und Florian schon alles berichtet, aber das war etwas anderes gewesen. Die Polizistin hatte wahrscheinlich schon viele schlimme Geschichten gehört - womöglich noch Schlimmeres. Für sie war es Alltag, nichts Besonderes. Und Florian... Er war dabei gewesen. Er hatte mich gesehen, als Ty... Vermutlich hatte er sich schon vorher einiges zusammengereimt, und meine Worte waren nur noch die Bestätigung seines Verdachts gewesen. Und als ich ihm dann davon erzählt hatte, hatte es sich einfach richtig angefühlt. Ich wusste, dass ich meinem besten Freund alles anvertrauen konnte. Einfach alles. Er würde mich immer unterstützen. Er würde immer an meiner Seite sein. Und er würde mich niemals für mein Verhalten oder meine Handlungen verurteilen. Natürlich vertraute ich auch Luke und Papa, aber es war eben etwas anderes. Und es fühlte sich ganz anders an. Hunderte Gefühle durchzuckten mich, brachten mich durcheinander, verursachten ein Chaos in meinem Inneren. Trotzdem erzählte ich und erzählte ich und konnte nicht mehr damit aufhören. Es war, als würde ich alle Mauern, die ich um mich gebildet hatte, mit einem Mal einreissen. Und nicht nur die Mauern, sondern auch alle Dämme brachen. Tränen verschleierten meinen Blick und liefen mir ungehindert über die Wangen. Doch ich hob meine Hände nicht, um die Tränen fortzuwischen. Stattdessen erzählte ich weiter. Immer wieder stockte ich, unterbrach mich für ein paar Sekunden und sprach dann weiter. Papa und Luke sassen ganz ruhig da und hörten mir zu. Selbst Cookie blieb ruhig liegen und schien zu spüren, dass ich nicht in Stimmung war, mit ihm zu spielen. Und Florian... Er hatte mir aufmunternd zugenickt, und dann war er hinter mir in die Hocke gegangen und hatte seine Hand auf meinen Rücken gelegt. Seine feste, warme Hand stützte mich und hielt mich aufrecht. Mit dieser Geste gab mir Florian unglaublich viel Kraft. Kraft, die ich brauchte, um weitererzählen zu können. Und die Gewissheit, dass ich nicht alleine war. Er war bei mir. Und er würde bei mir bleiben, bis ich fertig war. Stunden schienen zu vergehen, aber es könnten auch Minuten gewesen sein, ich wusste es nicht. Irgendwann kam ich zum Ende meiner Geschichte. "U... Und dann hat Florian mich nach Hause gebracht." Ein paar Sekunden lang geschah überhaupt nichts. Dann stand Papa vom Sofa auf, und Luke folgte ihm einen Moment später. Langsam, so, als wollten sie mir keine Angst einjagen, kamen sie zu Florian und mir herüber und gingen vor mir in die Hocke. "Amy..." Das erste Wort meines Vaters, nachdem er nun alles wusste. "Es ist sehr gut, dass du uns davon erzählt hast. Und es ist wichtig, weil wir dir nur so helfen können. Die nächste Zeit... Es wird nicht einfach werden." Ich musste schlucken. "Ich weiss", flüsterte ich. Ich wusste es wirklich. "Aber wir sind für dich da, Schwesterherz", fügte Luke hinzu. "Wir alle stehen hinter dir. Das darfst du nie vergessen." Meine Kehle fühlte sich so zugeschnürt an, dass ich darauf nichts erwidern konnte. Das musste ich zum Glück auch nicht. Papa breitete die Arme aus, und ich liess mich nach vorne fallen. Es war eine feste, aber vertraute Umarmung. Und als Luke mich auch noch in die Arme nahm, stellte ich fest, wie sehr ich die beiden vermisst hatte. Als ob Cookie das auch spüren könnte, kam er schwanzwedelnd auf uns zu und quetschte sich zwischen uns. Das brachte mich zum Lächeln. Schliesslich drehte ich mich zu Florian um, der immer noch hinter mir war. Er hatte mich nicht alleine gelassen, so wie er es versprochen hatte. "Danke", flüsterte ich und umarmte auch ihn.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 06 Jan 2018, 16:27

//Sorry, wollte eigentlich schon gestern mittag antworten....aber ich hab gute 2 Stunden bei 'ner Handy-Reparatur gewartet Rolling Eyes

Florian
Ich beobachtete Amy's Bruder und ihren Vater, während sie die ganze Geschichte erzählte. Der Schock stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Wer konnte es ihnen verübeln? Mit sowas rechnete man schließlich nicht alle Tage. Wobei ich auch nicht wusste, ob Luke sich auch schon irgendwelche Dinge ausgemalt hatte, als er feststellte, dass seine Schwester sich nicht so wie immer benahm. Er hatte auch bei mir nachgefragt und ich hatte meine Vermutung auch nicht ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt war sie auch noch nicht bestätigt und ich hatte ihn im Vorfeld nicht beunruhigen wollen. Als Amy ihre Geschichte beendet hatte, geschah erstmal nichts. Die beiden mussten das auch erst einmal verarbeiten, bevor sie überhaupt irgendwie reagieren konnten. Und ich sah, wie die Gesichtsausdrücke von geschockt zu mitleidsvoll. Ihr Vater schien sich als erster gefasst zu haben, er stand auf und kurz darauf folgte ihm auch Luke. Beide kamen auf Amy und mich zu und gingen ebenfalls in die Hocke. So waren wir jetzt also alle am Boden versammelt. Das musste mit Sicherheit ein seltsamer Anblick sein. Amy's Vater war auch der erste, der etwas sagen wollte. Irgendetwas mussten die beiden ja schließlich sagen. Einfach stumm zu bleiben, war vielleicht auch nicht die beste Lösung. Das hätte meine beste Freundin wahrscheinlich auch ziemlich verunsichert. Sie wurde von ihrem Vater mit ihrem Spitznamen angesprochen und sagte, dass es gut wäre, dass sie ihnen davon erzählt hätte. Außerdem wäre es wichtig, weil sie ihr nur so helfen könnten. Da hatte er definitiv recht. Man konnte nur 'richtig' helfen, wenn man Bescheid wusste. Allein aus Vermutungen heraus zu handeln ging nicht immer gut. Er sagte noch, dass die nächste Zeit nicht einfach werden würde. Ich sah, wie Amy schluckte und dann flüsterte, dass sie das wisse. Fast gleichzeitig meldete sich Luke zu Wort und sagte, dass sie für sie da wären. Außerdem nannte er sie 'Schwesterherz' und bestätigte noch, dass wir alle hinter ihr stehen würden. Das dürfe sie nie vergessen. Ich ging mal davon aus, dass er mit 'wir alle' auch mich gemeint hatte. Schließlich befand ich mich mit im Raum und er wusste genau, dass ich meine beste Freundin nie im Stich lassen würde. Ganz egal, wie sie sich mir gegenüber verhielt. Wenn es ihr schlecht ging, war ich da. Vor allem jetzt. Amy sagte nichts mehr. Als ihr Vater die Arme ausbreitete, lies sie sich nach vorne fallen und er schloss die Arme um sie. Erst jetzt senkte ich meine Hand. Ich hatte sie bis zuletzt auf Amy's Rücken gelegt. Ich beobachtete, wie Luke sich der Umarmung anschloss. Die Umarmung ihrer Familie tat ihr sicher gut, vermutete ich zumindest. Ich konnte schließlich immer noch keine Gedanken lesen und wusste nicht, was genau in Amy vorging oder ob sie sich bei jeglicher Berührung unwohl fühlte, es aber einfach nicht sagen wollte. Als Cookie auch noch zu der Gruppen-Umarmung dazu kam, sah ich, wie meine beste Freundin lächelte. Gerade jetzt freute es mich mehr als sonst, wenn ich sie so sah. Sie war zwar noch einiges davon entfernt, so glücklich zu sein und so zu lächeln, wie vor diesem Vorfall, aber ich sah das als guten Anfang. Nachdem die Familie ihre Umarmung löste, drehte sich meine beste Freundin zu mir um. Sie flüsterte ein 'Danke' und umarmte mich anschließend. Ich schloss meine Arme um sie und schloss kurz die Augen. Ich genoss es, sie wieder in den Armen zu halten. Wenn es vielleicht auch nicht ganz so war, wie früher. Früher, das hörte sich an, als wäre es Jahrzehnte her. "Jederzeit." flüsterte ich zurück. Kurz darauf öffnete ich die Augen wieder. Da ich eine ausgesprochene Begabung dafür hatte, Momente zu zerstören, tat ich das auch jetzt. Aber irgendwie oder irgendwann sollten wir den Boden doch mal wieder verlassen, oder? Ich zog Amy sachte mit mir hoch, während ich aus der Hocke ging. Der Rest ihrer Familie tat es mir gleich. Ich löste die Umarmung wieder, hielt jedoch einen Arm vorsichtig um die Taille meiner besten Freundin gelegt. Ich wusste nicht, ob sie vielleicht noch immer zittrig auf den Beinen war und wollte sie damit etwas stützen. Viel gebracht hatte das aufstehen aber nicht. Keiner wusste, was er jetzt tun oder sagen sollte. Oder zumindest ging es mir so. Aber immerhin standen wir jetzt.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 07 Jan 2018, 20:37

// Kein Problem, du kennst ja unsere Devise Smile Ich hoffe, dein Handy funktioniert wieder?

Amy
Die Umarmung meiner Familie tat mir unglaublich gut. Ich konnte nicht beschreiben, wie ich mich in diesem Moment fühlte. Es war einfach... gut. Wunderbar vertraut. Richtig. Genau so, wie sich so eine Umarmung anfühlen sollte. Und in keinem einzigen Moment dachte ich an Ty. Dachte nicht daran, wie seine Arme mich wie Schraubstöcke umschlossen hatten. Dachte nicht daran, dass seine Küsse mich manchmal fast erstickt hatten. Dachte nicht daran, wie er mich... Nein, daran dachte ich nicht. Vor wenigen Augenblicken hatte ich Papa und Luke alles erzählt, und es war wahrscheinlich das Schwerste gewesen, was ich je getan hatte. Doch nun, da dieser schwierige Schritt getan war, konnte ich nach vorne schauen. In meine Zukunft. Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, wie es mein Vater gesagt hatte. Aber Papa, Luke und auch Florian standen hinter mir. Sie waren für mich da, und sie würden auch da sein, wenn ich in Zukunft Rückschläge durchlebte. Sie würden da sein und mich auffangen. Diese Gewissheit gab mir so viel Hoffnung, dass mein Herz aufging. Das erste Mal seit Tagen hatte ich das Gefühl, tief durchatmen zu können. Und als ich mich von Papa und Luke löste und stattdessen Florian umarmte, verstärkte sich dieses Gefühl noch. Während Florian mich mit seinen starken Armen festhielt, legte ich meinen Kopf an seine Schulter und atmete seinen vertrauten Geruch ein. Mein bester Freund... Auch ihn hatte ich unglaublich vermisst. Ich hätte mich ihm viel früher anvertrauen sollen. Ich hätte ihm von Ty erzählen müssen. Ich hätte meiner Familie von Ty erzählen müssen. Dann wäre es nie so weit gekommen. Aber all das "Hätte" und "Wäre" nützte nichts mehr. Was geschehen war, war geschehen. Daran konnte ich nichts mehr ändern, das konnte niemand. Aber die Zukunft lag in meiner Hand. Das war ein beruhigendes und gleichzeitig berauschendes Gefühl. Als ich mich bei Florian bedankte, erwiderte er ein 'jederzeit'. Ich wusste genau, wie er es meinte, und das liess mich noch mehr entspannen. Tatsächlich war ich viel entspannter als zum Beispiel an diesem Morgen. Meine verspannten Muskeln lockerten sich etwas, und in Florians Armen fühlte ich mich so wohl, dass ich glatt hätte einschlafen können. Da fiel mir ein, dass das vor ein paar Wochen tatsächlich passiert war. Beinahe hätte ich bei der Erinnerung daran geschmunzelt. Nach einem Moment - wieder hätte ich nicht sagen können, wie viel Zeit vergangen war - richtete sich Florian langsam auf und zog mich sachte mit sich hoch. Schon standen wir wieder, und in dieser Position war der Grössenunterschied zwischen uns überdeutlich. Ich legte meinen Kopf in den Nacken, um zu Florian hochsehen zu können, während er unsere Umarmung vorsichtig löste. Seinen Arm liess er jedoch um meine Taille liegen, als ob er mich stützen wollte. Dafür war ich ihm sehr dankbar. Zwar zitterten meine Knie nicht, aber meine Ungeschicktheit liess mich leider nie im Stich. Papa und Luke waren ebenfalls aufgestanden. Nun standen wir zwar alle, aber niemand sagte oder tat etwas. Es war kein unangenehmes Schweigen, doch alle warteten darauf, dass jemand das Wort ergriff. Diese Bürde übernahm ich. "Vermutlich solltest du langsam zu Saschas Party zurück", wandte ich mich an Florian. "Nicht, dass du Milena zu lange alleine lässt." Ich versuchte ein zaghaftes Lächeln, das noch nicht richtig gelingen wollte. So weit war ich noch nicht. Aber immerhin war ich weit genug, dass ich Florian gehen lassen konnte. Er hatte mich auf Saschas Party begleitet, war mir in den dunklen Park gefolgt, hatte mich nach Hause gebracht und war an meiner Seite gewesen, als ich Luke und Papa alles erzählt hatte. Dafür war ich ihm unbeschreiblich dankbar. Doch nun wurde er von seiner Schwester gebraucht. Ich wusste genau, wie viel sie ihm bedeutete - und wie sehr er sie vermisst hatte. Diese Momente mit Milena wollte ich ihm nicht stehlen. Deshalb setzte ich mich langsam in Bewegung. "I... Ich bringe dich noch zur Tür", fügte ich hinzu.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 08 Jan 2018, 19:14

//Stimmt allerdings. Das sollte das große Forums-Motto sein xD Jup. Also eigentlich war es nicht wirklich kaputt...nur war der Akku langsam sehr altersschwach. Da gab's jetzt einen neuen aber ich habe das große Glück ein Handy zu haben, bei dem man das nicht selber wechseln kann Rolling Eyes
Gott....geht's dir eigentlich auch so, dass du bei dem RS fast 'ne Timeline brauchst? Was ist nochmal wann passiert und wie und wo?  scratch
Ich beschließ' jetzt einfach mal, dass quasi kurz vor zwölf ist^^

Florian
Letzten Endes war es meine beste Freundin, die als erste das Wort ergriff. Es tat mir Leid, dass sie das jetzt auch noch tun musste. Nur, weil ich wieder einmal keine Ahnung hatte, was ich sagen sollte. Weil ich immer fieberhaft überlegte, was am besten war. Etwas, das nicht einfach plump in den Raum geschmissen war. Aber war das in Anbetracht der Umstände nicht jedes Wort, das man nun aussprach? Niemand wollte das vorherige Thema aufgreifen und jedes andere, war einfach an den Haaren herbei gezogen. Ich hatte schon fast vergessen, dass ich zurück zu Sascha sollte. Dort war immerhin noch meine kleine Schwester. Milena. Ich sollte mich schämen, dass ich sie tatsächlich vergessen hatte. Oder zumindest fast vergessen. Zumindest dachte ich nicht an sie, bis Amy sich an mich wandte, indem sie sagte, dass ich langsam zu Sascha's Party zurück sollte. Nicht, dass ich Milena zu lange allein ließe. Genau jetzt wurde ich an meine Schwester erinnert. Erst, als meine beste Freundin mich wieder auf sie aufmerksam machte. Meine Güte, wie konnte ich sie nur so beiseite schieben? War es so einfach, weil sie so lange von mir fort gewesen war? Weil ich mir so lange keine Sorgen um sie hatte machen müssen und es nun einfach ungewohnt war, sie wieder in der Nähe zu haben? Ich nickte langsam, während Amy versuchte, mir ein Lächeln zu schenken. Es schmerzte mich immer noch, dass sie nicht so wie früher lächelte. Aber das konnte ich auch nicht erwarten. Zumindest jetzt noch nicht. Meine beste Freundin setzte sich langsam in Bewegung und begründete dies, dass sie mich noch zur Türe bringen wollte. Wieder nickte ich. Ich verabschiedete mich kurz von Amy's Bruder und ihrem Vater, letzterer hatte mir die Hand gereicht und leise ein 'Danke.' gemurmelt, dann folgte ich ihr. Irgendwie hoffte ich, dass sie ihren Vater nicht gehört hatte. Eigentlich war nichts weiter tragisches dabei, wenn sie es hörte, aber ich machte mir einfach Sorgen, wie sie reagieren würde. Wahrscheinlich würde ich diese Sorgen noch lange nicht los werden. Aber ich würde schon damit klar kommen. Als ich mich umdrehte bemerkte ich einen kleinen Stich in meiner Seite. Ich schluckte den Schmerz, der sich nun langsam ausbreitete, herunter. Wenn ich jetzt die Packung Schmerztabletten aus der Innentasche meiner Jacke holen würde, würde ich Amy nur verunsichern. Sie würde sich Sorgen um mich machen und noch mehr Vorwürfe. Und das wollte ich keineswegs. Vor der Haustüre blieb ich kurz stehen und sah meine beste Freundin an. Ich wollte gerade etwas sagen, - was genau das war, wusste ich in diesem Moment selbst noch nicht - da ertönte ein Knall. Gleich darauf noch einer. Zuerst war ich irritiert, dann realisierte ich wieder, dass Silvester war. Und so wie es sich anhörte, war es inzwischen Mitternacht. Oder zumindest wenige Minuten vorher. Ich öffnete die Haustüre und begann zu grinsen, als ich die ersten Raketen sah, die im Nachthimmel explodierten. Darüber freute ich mich jedes Jahr wie ein kleines Kind. Ich machte einen Schritt nach draußen, sah noch einmal in den Himmel, ehe ich mich wieder Amy zuwendete. Ich lächelte sie an und legte meine Arme um sie. "Frohes neues Jahr, meine Kleine.", flüsterte ich und schloss die Augen. Instinktiv wollte ich ihr einen Kuss auf ihren Scheitel geben, doch ich konnte mich zurück halten. Es hätte sie nur irritiert. Und mich irritierte dieser Gedanke ebenso. Hatte ich das schon jemals getan? Hatte ich meiner besten Freundin schon jemals einen Kuss gegeben? Ich konnte mich vage daran erinnern, dass ich ihr erst vor ein paar Tagen einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte und auch öfter mal auf die Wange. Meistens, wenn ich leicht angetrunken war. Aber sonst? Momentan fiel mir keine Situation ein. Ich war froh, dass ich größer war als Amy, so konnte sie wenigstens nicht sehen, dass ich die Augen geschlossen hatte. Das tat ich immer, wenn ich ihre Umarmung einfach nur genoss. Und in letzter Zeit war das öfter der Fall. Ich öffnete die Augen wieder und lockerte die Umarmung, damit ich sie besser ansehen konnte. "Sicher, dass ich gehen kann?", fragte ich besorgt. Es sollte keinesfalls so klingen, als ob ich nicht zurück zu der Party und zu meiner kleinen Schwester wollte. Aber ich wollte Amy nicht einfach so stehen lassen, falls sie mich doch noch brauchte. Natürlich war sie nicht alleine. Ihr Bruder und ihr Vater waren bei ihr. Die beiden würden auf sie aufpassen und ich wusste auch, dass Luke ihren Schlaf überwachen würde, wenn es notwendig war. Ich wusste, dass er nichts dagegen hätte, wenn sie nicht alleine in ihrem Zimmer schlafen wollte. Und am liebsten wäre ich die ganze Nacht bei ihr geblieben. Aber das wäre wirklich seltsam gewesen. In all den Jahren in denen ich Amy kannte, war noch keiner von uns bei dem anderen über Nacht geblieben. Wahrscheinlich lag es daran, dass unsere Häuser nicht weit voneinander entfernt waren. Da gab es keinen Grund, nicht in das eigene Haus zurück zu gehen. Ich warf kurz einen Blick ins Haus hinein. Luke und Amy's Vater waren wohl noch im Wohnzimmer. Zumindest konnte ich sie nicht entdecken. Ich vermutete, dass sie Amy auch nicht bedrängen wollten.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mi 10 Jan 2018, 14:38

// Das wär's doch xD Ah, das mit dem Akku kenne ich auch - mühsam :/
Jep, mir geht es auch so ^^ Witzig, ich hatte dieselbe Idee - ich hatte auch im Kopf, dass es kurz vor zwölf ist und dass das Feuerwerk beginnt, als die beiden vor der Haustür stehen ;D xDD

Amy
Als ich Milena erwähnte, konnte ich einen leicht überraschten Ausdruck in Florians Gesicht erkennen. Jemand anderem wäre das vielleicht entgangen, aber ich kannte ihn so gut, dass mir jede Änderung in seiner Mimik auffiel. Es schien, als habe er überhaupt nicht mehr an seine Schwester gedacht. Das konnte ich ihm nicht vorwerfen. Schliesslich hatte Florian meinetwegen Saschas Party verlassen. Zuerst war er mir in den Park nachgelaufen, nachdem ich so überstürzt aufgebrochen war, danach hatte er mich nach Hause gebracht, und jetzt war er auch noch mit reingekommen, um mir beizustehen, während ich meiner Familie alles erzählte. Kein Wunder, dass mein bester Freund sich erst jetzt wieder an seine kleine Schwester erinnerte. Das schlechte Gewissen brauchte ich nicht in seinem Gesicht zu suchen, ich wusste auch so, dass er in diesem Moment darunter litt. Weil ich wusste, wie viel Milena ihm bedeutete und wie sehr er darauf hoffte, die Beziehung zu ihr zu verbessern, wollte ich ihn nicht länger aufhalten. Ich hatte ihn lange genug beansprucht. Deshalb setzte ich mich auch in Bewegung, nachdem Florian zustimmend genickt hatte. Ich hörte, wie er sich von meinem Bruder und meinem Vater verabschiedete. Das leise 'Danke' von Papa hörte ich nicht, weil ich zu diesem Zeitpunkt schon fast im Flur stand. Und ich dachte auch nicht weiter darüber nach, denn schon kurz darauf war mein bester Freund bei mir. Vor der Haustür blieben wir stehen. Unsere Blicke trafen sich. Unschlüssig, was ich jetzt sagen sollte, schwieg ich. Florian dagegen schien etwas sagen zu wollen, doch bevor er dazu kam, ertönte ein Knall. Ich konnte nicht verhindern, dass ich leicht zusammenzuckte. Doch als es zum zweiten Mal knallte, fiel mir ein, woher dieser plötzliche Lärm kommen musste. Heute hatten wir den 31. Dezember. Silvester. Und wahrscheinlich hatte die Uhr gerade Mitternacht geschlagen. Mein Blick wanderte zu Florian, als er die Haustür öffnete. Zaghaft trat ich hinter ihn und sah über seine Schulter, wie eine Rakete nach der anderen am Himmel explodierte. Auf dem Gesicht meines besten Freundes breitete sich ein Grinsen aus, dann trat er einen Schritt nach draussen. Beinahe wäre mir ein Lächeln gelungen, denn ich wusste, wie sehr mein bester Freund Feuerwerk liebte. Ich erwartete, dass er nun dort stehen bleiben und minutenlang in den farbenfrohen Himmel starren würde. Stattdessen wandte er sich zu mir um. Das sanfte Lächeln auf seinen Lippen liess mein Herz stolpern. Diese Reaktion konnte ich mir nicht erklären, aber ich dachte nicht weiter darüber nach, als mein bester Freund die Arme um mich legte. Sofort entspannte ich mich und lehnte mich leicht an ihn. Seine starken Arme hielten mich fest, sein vertrauter Geruch stieg mir in die Nase und ein warmer Schauer rieselte über meinen Rücken, als er mir leise Worte zuflüsterte. 'Frohes neues Jahr, meine Kleine'. Noch einmal setzte mein Herz einen Schlag aus, ehe ich seine Umarmung sanft erwiderte. "Frohes neues Jahr, mein Grosser", erwiderte ich, ebenso leise wie er und ohne über meine Worte nachzudenken. Diese Worte fühlten sich einfach richtig an - und vertraut. Genauso wie die Umarmung. Während er mich noch immer umarmte und mein Kopf an seiner Brust lag, schloss ich für einen Moment die Augen. Das ist mein Neuanfang. Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf - und gab mir sofort Hoffnung, dass es im neuen Jahr nur besser kommen konnte. Ein paar wunderbare Augenblicke verstrichen, ehe Florian unsere Umarmung langsam lockerte. Ich schlug die Augen wieder auf und hob den Blick, um ihn ansehen zu können. Mein bester Freund fragte, ob ich sicher sei, dass er gehen könne. Er klang besorgt, und der Grund dafür war mir wahrlich bekannt. Aber ich wusste, dass er zu Saschas Party zurück sollte. Er sollte Zeit mit seiner Schwester verbringen und mit seinem besten Freund. Und obwohl ich mir nicht sicher war, ob ich diese Nacht überhaupt ein Auge zutun würde, nickte ich. Ich behauptete weder, dass alles gut sei, noch, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte. Beides wären Lügen gewesen. Deshalb beliess ich es bei diesem Nicken, ehe ich mich langsam aus seinen Armen löste. Ein Teil von mir reagierte sehr widerwillig darauf, doch ich wusste, dass Florian wirklich los musste, wenn er noch etwas von der Party und Milena haben wollte. "Sehen wir uns später? Wir könnten mit Doc und Teddy ausreiten", schlug ich dann vor. Das hatten wir schon viel zu lange nicht mehr getan - und bestimmt vermissten die Pferde die Ausritte genauso sehr wie ich. Ich trat einen Schritt zurück und schlang die Arme um mich, da es ziemlich kühl war. Jedoch würde ich nicht gleich hineingehen, sondern erst die Antwort meines besten Freundes abwarten.
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