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 PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah

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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 18 Okt 2014, 23:01

Amy
Wiederum bekam ich nichts von der Realität mit. Ich hörte Florians Worte nicht. Ich spürte nicht, wie er mich anhob. Ich bemerkte nicht, dass er mir die Umhängetasche abnahm. Ich nahm nicht wahr, dass er den Reissverschluss meiner Winterjacke herunterzog und mir diese schliesslich von den Schultern streifte. Ich wachte auch nicht auf, als er mich wieder auf dem Sofa ablegte. Doch gleich war mir viel wohler dabei, weil ich nun nicht mehr so schwitzen musste. Ich seufzte leise im Schlaf und drehte mich, so dass ich auf der Seite lag. Als ich dann eine bequeme Schlafposition gefunden hatte, sank ich wieder in einen tiefen und festen Schlaf. Dass ich mich so entspannen konnte, lag wohl hauptsächlich an Florians Anwesenheit. Obwohl ich nichts von der Realität mitbekam, nahm ich in meinem Unterbewusstsein wahr, dass er hier war. Dass Florian hier neben mir auf dem Sofa sass und über meinen Schlaf wachte. Diese Gewissheit vermittelte mir ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit - etwas, das ich in Florians Nähe schon seit Jahren spürte. Heute war es wieder einmal der Fall. Und dieses Mal half es mir ungemein dabei, ruhig zu schlafen. Auch wenn es in meinem Traum gerade nicht so rosig für mich aussah. Die Schneeflocken schienen immer dichter vom Himmel zu fallen und blieben an meinen Klamotten und meinen Haaren hängen, während der Schnee gleichzeitig stieg, als ob es Wasser wäre. Ich stand mittlerweile bis zu der Brust in 'gefrorenem Wasser', und so fühlte es sich auch an. Nach wie vor konnte ich mich nicht bewegen, nicht einmal die kleinsten Bewegungen konnte ich mehr machen. Und mit jeder Minute, die verging, stieg der Schnee höher. Bald würde ich vollständig eingeschneit sein. Und dann? Entweder würde ich ersticken, oder ich würde erfrieren. Ich wünschte mir, ich würde erfrieren. Ich hatte gehört, das solle ein vergleichsweise schöner Tod sein. Ersticken stellte ich mir nicht so angenehm vor. Ich spürte, wie die Erschöpfung mich allmählich zu übermannen drohte. Oder erfror ich schon? Ich konnte es nicht genau sagen. Ich konnte nur sagen, dass ich keine Angst hatte. Es gab keine Hoffnung mehr für mich, und so langsam fand ich mich damit ab, dass ich sterben würde. In wenigen Stunden, vielleicht auch schon in wenigen Minuten. Hier draussen, mitten auf dem Feld, schien die Zeit stillzustehen. Ich konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war. Auf einmal stand mir der Schnee bis zum Hals. Und je höher er stieg, desto schneller schien es zu gehen. Plötzlich bekam ich doch Angst. Ich wollte nicht sterben. Ich spannte mich an, versuchte verzweifelt, mich aus den Schneemassen zu befreien. Es hatte keinen Sinn, aber ich versuchte es trotzdem. Höher und höher stieg der Schnee. Ich verschluckte ihn, er rann mir eiskalt die Kehle herunter. Das war der Moment, in dem ich in der Realität aufschreckte. Ich riss die Augen auf und zuckte gleichzeitig zusammen. Mein Herz klopfte heftig gegen meine Brust, während ich mich nun zu orientieren versuchte. In dem Raum, in dem ich mich befand, war es dämmrig. Durch das Fenster konnte ich sehen, wie die Sonne schon fast zuunterst am Horizont stand. Ich blinzelte, versuchte, mich weiter zurechtzufinden. Unser Wohnzimmer. Ich lag auf dem Sofa, zu Hause in unserem Wohnzimmer. Als ich den Kopf nun ein wenig drehte, konnte ich sehen, dass ich nicht alleine war. Ich zuckte erneut zusammen, erschrak im ersten Moment. Dann erkannte ich Florian und ich entspannte mich schlagartig wieder. Ich blickte ihn an, wusste nicht, was ich sagen sollte. Im Moment waren noch alle meine Erinnerungen aus meinem Gedächtnis gewischt, aber bald wären sie wieder zurück, und vielleicht würde ich dann auch wissen, was Florian hier machte. Irgendwie konnte ich mich nicht daran erinnern, wie ich hierhergekommen war.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 19 Okt 2014, 15:36

Florian
Draußen wurde es allmählich dunkel. Ich war selbst schon kurz davor gewesen einzuschlafen. Doch ich zwang mich selbst dazu, wach zu bleiben. Ich musste schließlich auf Amy aufpassen. Sie schien so unruhig geschlafen zu haben, dass ich Angst hatte, sie könnte vom Sofa fallen. Als sie die Augen aufriss und zusammenzuckte, erschrak auch ich. Ich starrte sie an, unfähig etwas zu sagen. Sie wirkte, als wüsste sie nicht, wo sie war. "Amy?", fragte ich sie deshalb vorsichtig. "Alles in Ordnung?", hakte ich besorgt nach. Sie sah mich einfach nur an. Ich machte mir wirklich schon wieder Sorgen um sie. Wusste sie wirklich nicht mehr, wo sie war oder was geschehen war? Lag es an ihrer Ohnmacht heute Mittag? Oder war es einfach nur Zufall? War es vielleicht einfach zu viel gewesen? Dass ihr Gehirn die ganze Sache vielleicht noch nicht verarbeiten konnte oder wollte? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass ich wollte, dass es ihr so schnell wie möglich wieder besser gehen würde. In diesem Moment schien die welt still zu stehen. Nur ich und Amy, wie wir uns gegenseitig anstarrten. Wie so oft an diesem Tag, fiel mir auf, wie hübsch Amy war. Wieder schüttelte ich unmerklich den Kopf. Soetwas konnte ich von meiner besten Freundin doch nicht denken! Um zu verhindern, dass ich noch weiter so dachte, warf ich einen kurzen Blick aus dm Fenster. Am Sonnenstand konnte ich ablesen, dass Amy's Vater und ihr Bruder Luke wohl bald nach Hause kommen würden. Mitsamt ihrem Australian Shepherd Cookie. Insgeheim hoffte ich, die beiden würden etwas zu essen mitbringen. Mein Magen knurrte leise und ich könnte ihn dafür verfluchen. Warum musste er es in diesem stillen, intensiven Moment? Moment mal. Still und intensiv? Was dachte ich denn gerade an einen intensiven Moment? Wahrscheinlich sollte auch ich bald mal wieder schlafen. Obwohl ich heute erst spät aufgestanden war. Der ganze Tag hatte auch mich mitgenommen. Auch wenn ich das vor Amy nie offen zugeben würde. Zumindest nicht so genau. Wieder knurrte mein Magen. Seit ich aufgestanden war hatte ich nur das kleine Roggenbrötchen gegessen. Getrunken hatte ich auch nichts. Das sollte ich unbedingt so schnell wie möglich nachholen. Doch solange es Amy nicht gut ging, würde ich mich keinen Schritt aus dem Wohnzimmer raus wagen. Ich wollte sie nicht alleine lassen. Unter keinen Umständen.


Zuletzt von Soulweeper am Mo 20 Okt 2014, 19:29 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 19 Okt 2014, 21:41

Amy
Auch ein paar Sekunden später schwieg ich noch immer - dafür schien Florian seine Stimme wiedergefunden zu haben. Er nannte mich bei meinem Namen und fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich konnte ihn nur weiterhin anstarren. Bald verfielen wir beide wieder in absolutes Schweigen. Während ich Florian ansah, fiel mir auf, dass seine braun-grünen Augen im dämmrigen Licht, das von draussen hereinfiel, fast zu leuchten schienen. Er sah etwas müde aus und seine Haare waren noch mehr verwuschelt als sonst, aber davon abgesehen sah er so gut aus wie immer. Oh Gott, was schoss mir denn da durch den Kopf? Florian war mein bester Freund! Er war es immer gewesen und würde es auch immer bleiben. Davon war ich in diesem Moment absolut überzeugt. Lächerlich, dass ein paar unserer Klassenkameraden dachten, wir würden bald ein Pärchen werden. So war es doch. Oder etwa nicht? Bevor ich noch länger die Beziehung zwischen Florian und mir in Frage stellen konnte, kam meine Erinnerung zurück. Wir hatten uns heute Mittag bei unserer Birke getroffen. Ich hatte auf dem Mäuerchen gesessen, und als ich heruntergesprungen war, war ich ausgerutscht. Nur Florians unglaubliche Reaktionsgeschwindigkeit hatte mich davor bewahrt, auf dem Boden zu landen. Als wir uns darauf geeinigt hatten, was wir machen wollten, waren wir zu Florian nach Hause gegangen - beziehungsweise hatte er mich über seine Schulter geworfen. Ich grinste innerlich kurz bei diesem Gedanken. Mit dem Audi waren wir dann nach München gefahren. Einen Parkplatz hatten wir schnell gefunden, doch als wir mit dem Aufzug nach unten hatten fahren wollen, war dieser plötzlich steckengeblieben. Ein kalter Schauer lief mir bei dieser Erinnerung über den Rücken. Obwohl es schon ein paar Stunden her war, wusste ich noch genau, was zu diesem Zeitpunkt in mir vorgegangen war. Hätte ich Florian nicht gehabt, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Nach einer unendlich langen Zeit waren dann endlich die Polizei und die Feuerwehr eingetroffen und hatten uns aus dem Aufzug befreit. Anschliessend waren wir einem Gesundheitscheck unterzogen worden. Ich runzelte die Stirn. Das war dort gewesen, als mir die Frau einfach ungefragt Blut abgenommen hatte. Ich war ohnmächtig geworden, und als ich aufgewacht war, hatte ich mich wahnsinnig erschöpft gefühlt. Besonders viel wusste ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Ich wusste, dass Florian mich irgendwann auf seine Arme genommen und zu seinem Auto gebracht hatte. Aber dann? Danach konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Doch wenn ich so darüber nachdachte, war es logisch, wie ich ins Wohnzimmer zu Hause gekommen war. Florian hatte mich heimgebracht. Gott sei Dank. Ich wusste nicht, wie lange es dauerte, bis mir all diese Gedanken durch den Kopf geschossen waren. Doch weil mein bester Freund noch immer so furchtbar besorgt aussah, schenkte ich ihm ein müdes Lächeln. "Ja, es ist alles in Ordnung", versuchte ich ihn zu beruhigen. Trotz angestrengtem Nachdenken hatte ich Florians Bauchknurren gehört. "Hast du Hunger?", fragte ich meinen besten Freund dann. Einerseits, um ihn von meinem - immer noch nicht sehr guten - Zustand abzulenken. Ich glaubte nämlich nicht, dass ich schon wieder aufstehen konnte. Andererseits fragte ich ihn, weil ich selbst Hunger hatte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 19:44

Florian
Es schien, als würde Amy's Gehirn arbeiten. Um sich den ganzen Tag nochmal in Erinnerung zu rufen. Ich wollte schon erneut nachfragen, da schenkte sie mir ein müdes Lächeln und antwortete mir, dass alles in Ordnung sei. Ich runzelte die Stirn. Natürlich wusste ich, dass es ihr noch nicht blendend ging. Aber ich beschloss, ihre Antwort zu akzeptieren. Meine beste Freundin schien meinen knurrenden Bauch wahrgenommen zu haben, obwohl sie so in Gedanken vertieft war. Denn sie fragte mich, ob ich Hunger hätte. Ich lächelte. "Du hast ihn wohl gehört.", stellte ich fest und warf kurz einen Blick auf meinen Bauch. Dann sah ich wieder zu Amy auf. "Ja. Ja, ich hab' wirklich Hunger.", gestand ich. "Ich könnte uns was kochen, wenn du möchtest? Worauf hättest du denn Lust?", fragte ich sie. Bewusst hatte ich nicht gesagt, dass wir etwas kochen könnten. Ich wusste nicht, ob Amy schon fit genug war, um aufzustehen. Schließlich wollte ich nicht, dass sie erneut zusammen brach oder sich gleich überanstrengte. Ich kannte mich gut in ihrer Küche aus. Schon seit Kindheitstagen war ich regelmäßig bei den Fleming's gewesen. Trotzdem konnte ich es nicht abstellen, immer zu fragen, ob ich etwas essen dürfe. Und das, obwohl ich Amy schon lange angeordnet hatte, sie solle sich bei mir im Haus ganz wie bei sich zu Hause fühlen. Da war es für mich selbstverständlich, dass sie auch an den Kühlschrank konnte, ohne mich zu fragen. Sich irgendwo einen Apfel, eine Banane oder sonst irgendetwas holen konnte. Und natürlich würde ich es akzeptieren, wenn Amy sagte, sie wolle lieber hier im Wohnzimmer bleiben. Wahrscheinlich würde ich es ihr sogar anordnen. Aus eben diesem Grund, dass ich nicht wollte, dass sie sich überanstrengte und womöglich wieder ohnmächtig werden würde. Ich kochte gerne mit Amy, keine Frage. Aber ich kochte auch gerne alleine. Es machte mir Spaß, meine beste Freundin mit irgendwelchen Kreationen, die mir kurzfristig in den Kopf geschossen waren, zu überraschen. Manchmal nannte ich sie deshalb auch mein "Versuchskaninchen". Die Dinge, die ich zusammen kochte, konnte man meistens gut essen. Doch manchmal leistete ich mir auch einen totalen Fehlgriff, sodass meine Kreation vollkommen ungenießbar war. Dann tat Amy mir immer Leid. Heute würde ich nicht experimentieren. Sowieso, weil ich das meistens bei mir zu Hause tat. Dort hatte ich mir viel mehr Gewürze und sogar Lebensmittelfarbe zugelegt, als es in einem normalen Haushalt üblich war. Doch bevor ich weiter darüber nachdachte, was ich mal wieder versuchen könnte, wartete ich auf eine Antwort von Amy. Und wenn sie etwas einfaches wollte, sollte sie es bekommen. Einfach war schließlich nicht schlecht. Die einfachen Dinge waren meistens die besten.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 20:03

Amy
Florians erste Antwort auf meine Frage war ein Lächeln. Das war wieder so typisch für ihn, dass ich mich fragte, warum ich vorher kurz erschrocken war, als ich ihn auf dem Sofa sitzend gesehen hatte. Diesen jungen Mann hier, der hier neben mir sass, kannte ich schon mein ganzes Leben lang. Ich konnte mich nicht an einen Zeitpunkt erinnern, an dem ich ihn noch nicht gekannt habe. Dementsprechend vertraut war er mir auch. Sein Lächeln, seine Stimme, seine Gesichtsausdrücke, seine Gesten. Das stellte ich wieder einmal fest, als er meinte, dass ich ihn wohl gehört hätte. Gleich darauf warf er einen kurzen Blick zu seinem Bauch herunter. Diesen Bauch hatte ich schon oft gesehen. Nicht, dass Florian sich absichtlich vor mir ausgezogen hätte oder so. Allein der Gedanke daran war schon absurd. Nein, es war viel mehr so, dass wir im Sommer wahnsinnig gerne mit dem Fahrrad an die Isar radelten und dort eine Runde Baden gingen. Wenn die Strömung nicht zu stark war und man nicht allzu weit hinausging, war das nämlich kein Problem. Und wenn wir mal baden gingen, war es doch nur logisch, dass ich dann seinen Bauch sah. Früher war mir das gar nicht aufgefallen, aber jetzt konnte ich mich gut daran erinnern, dass sein Bauch flach und trainiert war. Kein wahnsinniges Sixpack, aber dennoch beeindruckend für so einen jungen Mann wie ihn. Oh Gott, ich war wirklich noch nicht richtig da. Seit wann machte ich mir Gedanken über Florians durchtrainierten Bauch?! Zum Glück lenkte mich mein bester Freund bald wieder ab, als er bejahte. Er wiederholte das Wort und gestand dann, er habe wirklich Hunger. Ich lächelte kurz. Wenn Florian mal nicht mehr hungrig war - ich meine, nicht gleich nach dem Essen oder so -, war etwas nicht in Ordnung mit ihm. Nun bot er gleich an, er könnte uns etwas kochen, wenn ich das wolle. Gleich darauf fragte er, worauf ich denn Lust hätte. Mein Lächeln wurde breiter. Das war definitiv der Florian, den ich kannte. Ich wusste, dass er eine sehr grosse Leidenschaft fürs Kochen hatte - und dass er gerne mal herumexperimentierte. Schon oft war ich als "Versuchskaninchen" eingesprungen, doch ich konnte mich nicht beklagen. Die meiste Zeit über schmeckte das, was Florian kochte, nämlich fantastisch. Es gab ein paar kleine Ausnahmen, wenn er es wieder mal zu gut meinte mit dem Experimentieren, aber normalerweise spielte ich sehr gerne das Versuchskaninchen. Ich wollte ihm gerade anbieten, er solle doch einfach was aus den Sachen zaubern, die wir da hatten. Aber dann fiel mir ein, dass ich vielleicht nicht alles essen sollte. Ich wusste zwar nicht, wie da genau die 'Regeln' waren, aber etwas, das Energie lieferte, wäre sicherlich nicht schlecht. Und was eignete sich da besser als Pasta? Ich schenkte Florian ein Lächeln, als mir eine Idee gekommen war. "Wenn du so fragst, kann ich doch nicht nein sagen", meinte ich und grinste ihn an. "Ich hätte wahnsinnig Lust auf Spaghetti Bolognese", erklärte ich ihm dann. "Ich glaube, wir sollten noch alles da haben." Ja, normalerweise hatten wir ziemlich viele Dinge auf Vorrat, damit wir damit das kochen konnten, worauf wir Lust hatten. Spaghetti Bolognese war eines der Lieblingsgerichte der ganzen Familie Fleming. Kurz trübte sich mein Lächeln, als ich an Mom dachte, doch ich lenkte mich schneller wieder ab, indem ich zu Florian sah. "Aber lass' mich bitte nicht hier alleine im Wohnzimmer sitzen. Ich möchte dir gerne beim Kochen zusehen", fügte ich hinzu und setzte meinen Hundeblick auf. Der funktionierte eigentlich immer. Wahrscheinlich hätte ich ihn gar nicht anzuwenden gebraucht, aber ich machte es doch gerne in Situationen, in denen es sich ergab. Das wusste auch mein bester Freund. Ich grinste innerlich.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 20:17

Florian
Amy schien wirklich noch nicht ganz wach zu sein. Oder sie dachte darüber nach, was sie essen wollte. Es dauerte eine Weile, bis sie mir antwortete. Sie grinste mich an und meinte, wenn ich so fragen würde, können sie doch nicht nein sagen. Kurz darauf erklärte sie mir, dass sie wahnsinnig Lust auf Spaghetti Bolognese hatte. Ich grinste. Natürlich. Spaghetti Bolognese. Amy's Lieblingsgericht. Und wenn ich mich recht erinnerte, auch das Lieblingsgericht von ihrem Bruder Luke. Ich musste mir eingestehen, dass ich die Familie Fleming doch sehr gut kannte. Sie waren wirklich schon wie eine zweite Familie für mich. Natürlich entging mir nicht, dass sich das Lächeln meiner besten Freundin etwas trübte. Warum, das konnte ich nicht sagen. Ich steckte schließlich nicht in Amy's Kopf. Obwohl das manchmal einige Vorteile bieten würde. Dann würde ich wissen, was sie in manchen Situationen dachte. Was sie von mir dachte. Von mir? Wieso interessierte es mich, was sie von mir dachte? Sie war meine beste Freundin, genau das dachte sie womöglich auch von mir. Amy riss mich wieder aus diesen Gedanken - und darüber war ich ihr insgeheim unendlich dankbar - indem sie mich bat, sie nicht alleine hier im Wohnzimmer sitzen zu lassen. Sie würde mir gerne beim kochen zusehen. Ich grinste schief. Gerne hätte ich sie hier gelassen, doch ich hatte sie ebenso gerne um mich. Als Amy ihren Hundeblick aufsetzte, war es quasi um mich geschehen. Bei diesem Blick konnte ich ihr nicht widersprechen, ihr etwas verbieten oder gar böse auf sie sein. "Du bist gemein, Amy.", bemerkte ich, fast schmollend. Ich wusste, wie gerne sie diesen Blick aufsetzte. Ob es nun nötig war oder nicht. Aber ich konnte es ihr auch nicht übel nehmen. Ich liebte diesen Blick an ihr. Sie wirkte dadurch wie ein kleines Mädchen. So niedlich und unschuldig. Ich schüttelte den Kopf. Schon wieder dachte ich darüber nach, wie Amy's Äußeres, ihr Verhalten und ihre Gesten auf mich wirkten. Allmählich wurde es mir ein wenig unheimlich, in welche Richtungen meine Gedanken gingen. Ich schob es einfach mal auf die Müdigkeit. Wir hatten schließlich beide einen anstrengenden Tag gehabt. "Okay.", beschloss ich und klatschte in meine Hände. "Dann wollen wir dich mal mit in die Küche nehmen und Spaghetti Bolognese kochen." Ich stand auf und streckte mich kurz. Meine Gliedmaßen waren wirklich fast eingeschlafen. "Moment noch.", bat ich gähnend und zog mir meinen Pullover aus. Ich kochte nur ungern darin. Meistens wurde es mir am Herd zu warm. Sorgfältig legte ich ihn auf das Sofa und ging dann zu meiner besten Freundin. Erneut an diesem Tag legte ich einen Arm unter ihre Knie und den anderen an ihren Rücken. Vorsichtig hob ich sie hoch und ging aus dem Wohnzimmer. Ich war froh, dass die Küchentür nicht geschlossen war. So konnte ich leichter mit Amy auf den Armen hinein. Ich setzte sie auf einen der Stühle. "Ich weiß schließlich nicht, ob du fit genug bist, um her zu laufen.", begründete ich grinsend meine Aktion.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 21:01

Amy
Hatte Florian vorher gelächelt, grinste er nun. Ich glaube, wenn ich Florian über längere Zeit nicht sehen würde, würde das Bild, das ich innerlich von ihm abspeichern würde, genau so aussehen: Das Bild eines grinsenden Florians. Etwas Anderes als ein Grinsen konnte ich mir auch nur schwer auf seinem Gesicht vorstellen. Schliesslich grinste er die meiste Zeit über. Ich konnte ihn nur dafür bewundern, dass es ihm die meiste Zeit über sehr gut zu gehen schien. So gut, dass er sogar grinsen konnte. Nur dann, wenn er sich wieder mal Sorgen über irgendjemanden machen musste - meistens leider mich -, grinste er nicht. Mir tat es immer total Leid, wenn ich ihm wieder einmal Sorgen zu machen schien. Deshalb verriet ich auch meistens nicht davon. Ich wollte nicht, dass das Grinsen von Florians Lippen verschwand. Nur in manchen Situationen liess es sich leider nicht vermeiden, dass ich ihm etwas von meinen Sorgen erzählte. Auch wenn mein bester Freund immerzu meinte, ich könne ihm absolut alles anvertrauen. Das wusste ich auch, trotzdem wollte ich ihn nicht mit meinen 'Problemchen' belasten. Jedenfalls war ich froh, dass er schon wieder so grinsen konnte. Nun wurde sein Grinsen sogar schief. Damit sah er aus wie ein Lausbub. Dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck, und ich wusste, dass mein Hundeblick wirkte. Wie immer. Ich grinste, als Florian meinte, ich sei gemein, und mich bei meinem Namen nannte. Fast erschien es, dass er ein wenig schmollte. Aber das sah ihm nicht ähnlich. Das Kopfschütteln, das daraufhin folgte, schon eher. Mein Grinsen wurde noch breiter, und langsam liess ich den Hundeblick aus meinem Gesicht verschwinden. Gerade rechtzeitig, bevor ich Florians 'okay' hörte und beobachtete, wie er in die Hände klatschte. Wieder so eine typische Geste von ihm. Das war heute nicht das erste Mal, dass ich ihn in die Hände klatschen sah. Mein bester Freund verkündete, dann wollten wir mich mal mit in die Küche nehmen und Spaghetti Bolognese kochen. Nun hätte ich auch in die Hände klatschen können, doch da es doch eher Florians Ding war, verzichtete ich darauf. Mein bester Freund stand nun auf und streckte sich. Dann bat er mich gähnend, noch einen Moment Geduld zu haben. Ich fragte mich, was er jetzt vorhatte. So blickte ich ihn weiterhin an, als er nun seinen Pullover auszog. Mein Blick fiel unwillkürlich auf seinen Bauch, von dem ich kurz etwas sehen konnte, eher sein T-Shirt wieder darüber fiel. In der Tat war sein Bauch flach und durchtrainiert. Schon wieder hatte ich diese komischen Gedanken in meinem Kopf! Ich musste mich endlich mal zusammenreissen! Ich war unglaublich froh, als Florian sich mir zuwandte, nachdem er seinen Pulli sorgfältig auf dem Sofa deponiert hatte. Er bückte sich etwas und ich fragte mich, was er eigentlich genau vorhatte, als er auch schon seine Arme unter mich schob und mich hochhob. Fast schon automatisch schlang ich die Arme um seinen Hals, und während ich mich noch in meiner neuen 'Position' zurechtfinden musste, hatte mich Florian schon beinahe aus dem Wohnzimmer gebracht. Als er mich vorher getragen hatte, war ich so müde gewesen, dass ich kaum etwas wahrgenommen hatte. Aber jetzt bemerkte ich, mit welcher Leichtigkeit mich Florian trug. Gleichzeitig ging er dabei sehr sanft, beinahe vorsichtig, vor, als ob er befürchtete, mich verletzen zu können. Keine Ahnung, woher diese Gedanken auf einmal alle kamen. Sie verschwanden zum Glück, als wir in der Küche ankamen. Zielsicher steuerte Florian auf den Küchentisch zu und setzte mich dann auf einem der Stühle ab. Ich löste meine Arme von seinem Hals, während er sich wieder aufrichtete und erklärte, er wisse schliesslich nicht, ob ich fit genug sei, um herzulaufen. Das fand ich so unglaublich lieb von ihm, dass ich ihm das schönste Lächeln schenkte, das ich zustande bringen konnte. "Danke für den tollen Service", scherzte ich und grinste ihn kurz an. Dann verschwand das Grinsen langsam aus meinem Gesicht, als mir einfiel, wie viel Florian heute schon für mich getan hatte. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, als ich daran dachte, dass ich mich noch gar nicht richtig bei ihm bedankt hatte. Das musste ich jetzt schleunigst nachholen. "Und danke für alles andere", fügte ich hinzu, leiser und viel ernster dieses Mal. Ohne dass ich es richtig bemerkte, blickte ich Florian die ganze Zeit über in die Augen - und versank in den Tiefen des vertrauten, aber dennoch wunderschönen Braun-Grüns.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 21:19

Florian
Als ich Amy in hochgehoben hatte, hatte sie ihre Arme um meinen Hals geschlungen. Wie schoneinmal an diesem Tag. Es war ein unheimlich angenehmes Gefühl, Amy dadurch so nah an mir zu spüren. Nachdem ich sie auf dem Stuhl am Küchentisch abgesetzt hatte und mich aufgerichtet hatte, bedankte sie sich bei mir scherzend über den guten Service. Zum Scherz verbeugte ich mich. "Gerne doch.", meinte ich grinsend zu ihr. Ich beobachtete, wie das Grinsen aus Amy's Gesicht wich. Auch meines verschwand langsam. Ich mochte es nicht, Amy so ernst zu sehen. Obwohl sie das wesentlich öfter war, als ich. Sie setzte an, etwas zu sagen. Und viel leiser, als ihr Scherz vorhin, bedankte sie sich bei mir. Sie bedankte sich 'für alles andere'. Ich vermutete, sie bezog es auf den heutigen Tag. Ich sah sie sanft an. "Ist doch selbstverständlich.", versicherte ich ihr. "Du bist doch meine kleine Amy. Ich mach das doch alles gerne.", wieder schlich sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen. In diesem Moment fiel es mir unheimlich schwer, mich von Amy's Anblick zu lösen. Um ihr - und mir selbst - etwas zu kochen, müsste ich mich umdrehen. Die Küchenzeile befand sich schließlich hinter mir. Doch aus irgendeinem Grund wollte ich das nicht. Ich wollte Amy nicht aus den Augen lassen. Nicht in diesem Moment, in dem sie so klein, schwach und zerbrechlich wirkte. Der Wunsch, bei Tag und bei Nacht bei ihr zu sein und auf sie zu achten schlich sich unwillkürlich in meine Gedanken. Ich wollte es nicht wahr haben, wie ich gerade über unsere Freundschaft dachte. Schon seit einigen Jahren wurde in der Schule darüber spekuliert, dass ich und Amy ein Paar waren. Oder zumindest bald eines werden würden. Jedes mal, wenn mich jemand darauf angesprochen hatte, hatte ich diese Spekulationen für reinen Schwachsinn abgestempelt. Und das tat ich auch jetzt noch. Amy war meine beste Freundin. Und das sollte sie auch bleiben. Ich war nicht in sie verliebt - dachte ich zumindest. Doch im Moment kam ich nichteinmal auf die Idee, in meine beste Freundin verliebt zu sein. Oder gar ein Paar mit ihr zu werden. Und ich war mir sicher, oder wusste es sogar, dass es Amy genau so ging. Jedes mal kam ich mit der Erklärung, dass wir uns schon seit Kindesalter kannten. Da wäre soetwas doch vollkommen normal. Und ihr Bruder ging schließlich auch nicht anders mit ihr um. Oder? Mir kam es vor wie Ewigkeiten, bis ich mich endlich von Amy's großen, saphirblauen Augen lösen konnte. Mein Magen knurrte, ich räusperte mich und drehte mich zur Küchenzeile. "Jetzt aber mal los. Ich hab' wirklich Hunger.", lachte ich und holte aus dem Schrank zwei Töpfe. Den einen füllte ich mit Wasser, gab etwas Salz hinein und stellte ihn auf den Herd. Danach machte ich mich auf die Suche nach Spaghetti, nahm Hackfleisch und diverse andere Zutaten aus dem Kühlschrank und suchte in den Schubladen nach einem Messer.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 20 Okt 2014, 23:07

Amy
Nachdem ich mich für den 'tollen Service' bedankt hatte, hatte sich Florian verbeugt und ein 'gerne doch' erwidert. Das hatte mich nur noch mehr zum Grinsen gebracht. Auch das wieder absolut typisch für meinen besten Freund - und von dem her viel beruhigender als das, was darauf folgte. Als ich dann ernster wurde, verschwand auch das Grinsen aus Florians Gesicht. Schon nur das alleine war komisch. Natürlich wäre es irgendwie komisch gewesen, wenn ich so ernst aussah und er weiterhin gegrinst hätte. Aber ich sah meinen besten Freund nun einmal viel lieber mit einem Grinsen im Gesicht als mit so einem ernsten Ausdruck. Ich bedankte mich für alles andere, was er heute für mich getan hatte. Und dann veränderte sich der Ausdruck in seinen Augen. Ich konnte nicht sagen, was genau es war, das seine Augen ausdrückten. Immer noch Besorgnis? Sanftheit? Oder wollte er mich einfach nur beruhigen? Florian meinte jedenfalls, dass das doch selbstverständlich sei. Ich wollte ihm widersprechen, verzichtete dann aber darauf, da es keinen Zweck hatte. Für Florian war so etwas wirklich selbstverständlich. Das wusste ich, schliesslich kannte ich ihn schon, seit ich denken konnte. Aber für mich war das nach wie vor nicht selbstverständlich. Deshalb bedankte ich mich auch jedes Mal bei ihm, egal, was genau er für mich getan hatte, ob er mir jetzt nur das Salz reichte oder mich wieder einmal vor einem Sturz bewahrte. Florian fuhr fort, ich sei doch seine kleine Amy, und er mache das doch alles gerne. Dazu lächelte er. Mein Herz machte einen Satz. Ob es jetzt an seinen Worten oder an dem Lächeln lag, konnte ich nicht genau sagen. Es irritierte mich, dass Florian mich so durcheinanderbringen konnte. Aber das war kein Wunder. Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass er mich schon einmal 'seine kleine Amy' genannt hatte. 'Kleine', ja, 'Amy', selbstverständlich, aber nicht in der Kombination, und er hatte mich noch nie als die 'seine' bezeichnet. Das alles war furchtbar verwirrend. Eigentlich hätte ich nicht so viel nachdenken sollen, nicht nach so einem Tag, aber es liess sich nicht vermeiden. Vor allem jetzt, wenn Florian mich so ansah, wie er es tat. Ich erwiderte seinen Blick, konnte gar nicht anders. Ich kannte meinen besten Freund und hatte ihn schon tausende Male angesehen, aber jetzt, jetzt war plötzlich etwas anders dabei. Ich konnte mich von seinem Blick gar nicht mehr lösen. Seine braun-grünen, vertrauten, aber irgendwie doch geheimnisvollen Augen liessen mich nicht mehr los. Aus irgendeinem Grund schlug mein Herz schneller, und ich hatte keine Ahnung, wieso es so war. Ich kam jedenfalls nicht darauf, dass es etwas mit Florian zu tun haben könnte. Er war mein bester Freund, und er würde es auch bleiben. Punkt. Irgendwie war ich erleichtert, als das Knurren eines Magens zu hören war. Florian räusperte sich und drehte sich dann zur Küchenzeile um. Unser Augenkontakt brach ab. Ich lehnte mich auf dem Stuhl etwas mehr zurück, während Florians 'jetzt aber mal los' zu hören war. Er fügte hinzu, er habe wirklich Hunger, woraufhin ich lachen musste. Schlagartig waren alle meine komischen Gedanken vergessen, worüber ich unglaublich froh war. Nachdem ich mich von meinem kleinen Lachanfall beruhigt hatte, hatte Florian schon zwei Töpfe zutage gefördert. Mit routinierten Bewegungen - sowohl, was die einzelnen Vorgänge vorging, als auch die Schritte in unserer Küche -, bereitete er alles fürs Kochen vor. "Ich hab' auch Hunger", meinte ich dann grinsend. "Was meinst du, wie lange wirst du zum Kochen brauchen?" Normalerweise war ich ja ein geduldiger Mensch. Aber wenn ich Hunger hatte, konnte ich ganz schön ungeduldig sein. Mein Grinsen wurde noch etwas breiter. Ich wusste, dass es meinem besten Freund nicht anders erging. Mein bester Freund. Er war nichts weiter als mein bester Freund. Warum musste ich schon wieder daran denken?!
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Do 23 Okt 2014, 19:12

Florian
Während ich die Spaghetti aus der Verpackung genommen und für die Bolognesesoße soweit alles vorbereitet hatte, meinte Amy, sie hätte auch Hunger. Ich grinste. Sie fuhr fort, indem sie mich fragte, wie lange ich zum kochen brauchen würde. Ich hob die Schultern. "Eigentlich sollte die Soße eine Weile köcheln, damit sie richtig gut ist. Gut ist sie auch, wenn sie kurz kocht, aber genial ist sie, wenn sie länger kocht. Aber dafür fehlt uns jetzt die Zeit. Sonst frisst mich mein Magen noch von innen auf.", erklärte ich ihr, während ich gekonnt eine Zwiebel in kleine Würfeln schnitt. Ich war fast so schnell, wie ein Kochlehrling. Das sollte auch so sein. Ich hatte in den Ferien schon öfter ein paar Kochkurse - auch in Sterne-Gastronomien - absolviert. Nicht, weil ich es für irgendetwas besonderes brauchen würde. Einfach nur zum Spaß. Um mein Hobby, was das Kochen auch wirklich für mich war, im Niveau zu steigern. Natürlich hatten mich irgendwelche Jungen aus der Schule dabei gesehen. Und schon konnten sie das Gerücht über meine angebliche Homosexualität nur noch mehr steigerte. Doch das waren Gerüchte. Die Leute, die mich richtig kannten - allen voran Amy - wussten, dass ich das definitiv nicht war. Trotzdem besuchte ich gerne Kochkurse. Wer hatte schon etwas gegen gutes Essen einzuwenden? Ich stellte den anderen Topf nun ebenfalls auf den Herd und tat etwas Öl hinein. Schnell zog ich einen Kochlöffel aus einer der Schubladen, um schließlich alles vor mir zu haben, was ich brauchte. Das Wasser für die Nudeln kochte nun und ich gab die Spaghetti hinein. "Aber,", begann ich und sah auf die Uhr. "ich denke, in spätestens einer halben Stunde bin ich fertig.", informierte ich Amy. Eine halbe Stunde war auszuhalten. Natürlich wusste ich, dass Amy extrem ungeduldig war, wenn sie Hunger hatte. Ihr konnte es dann nicht schnell genug sein und sie hatte es schon oft geschafft, mich in den Stress zu versetzen. Meistens ordnete ich ihr dann an, sich irgendwo anders hinzusetzen, damit ich meine Ruhe hatte. Mir war es lieber, wenn Amy da war. Dann konnte ich mich mit ihr unterhalten. Oder ihr zumindest zuhören, wenn sie irgendetwas zu erzählen hatte. Wenn sie nicht da war, stellte ich meistens das Radio an. Ich konnte mich nicht in einem ruhigen Raum aufhalten. Da drehte ich durch. Das Öl war inzwischen heiß geworden. Ich kippte die klein geschnittenen Zwiebeln hinein und lies sie glasig werden. Dann gab ich das Hackfleisch hinzu, bis es schön braun angebraten war. Die passierten Tomaten hatte ich zuvor schon geöffnet. Nun gab ich auch diese hinzu und löschte gleichzeitig das heiße Hackfleisch, Öl und die Zwiebeln damit ab. Es zischte kurz und ich rührte mit dem Kochlöffel im Topf herum.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Do 23 Okt 2014, 20:09

Amy
Florian hatte die Spaghetti schon aus der Packung genommen, als er die Schultern hob, um auf meine Frage zu antworten. Er meinte, eigentlich sollte die Sosse eine Weile köcheln, damit sie richtig gut sei. Gut sei sie auch, wenn sie kurz koche, aber genial sei sie, wenn sie länger koche. Aber dafür fehle uns die Zeit. Sonst fresse ihn sein Magen noch von innen auf. Über den letzten Satz musste ich einfach lachen. Das war der Florian, den ich kannte. Irgendwie war es ungemein beruhigend, ihm beim Kochen zuzusehen. Es hatte so etwas Vertrautes. Wie oft war ich schon in unserer Küche oder in der von Florians Zuhause gesessen und hatte ihm beim Kochen zugeschaut? Es waren unzählige Male gewesen. Ich diente Florian während dieser Zeit als 'Unterhaltung', wenn ich mit ihm redete oder ihm einfach wieder einmal von einem meiner niemals endenden 'Ungeschicktheitsanfälle' erzählte. Belohnt wurde ich anschliessend mit einem fantastischen Essen. Nun ja, es wurde meistens fantastisch. Manchmal, wenn es Florian etwas zu gut mit dem Experimentieren meinte, war das Essen nicht so toll. Aber in mehr als neunzig Prozent der Fälle schmeckte das, was mein bester Freund kochte, einfach köstlich. Noch ein Grund, wieso ich ihn als besten Freund schätzte. Ich grinste über diesen Gedanken. Natürlich war er nicht nur mein bester Freund, weil er gut kochen konnte. Ganz und gar nicht. Florian hatte noch viel mehr Qualitäten. Er war fürsorglich und immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Er schaffte es, mich immerzu aufzuheitern, egal, wie schlecht es mir ging. Sein Humor war einfach unvergleichbar, und er konnte mich immer wieder zum Lachen bringen. Ich wusste, dass ich ihm alles erzählen konnte und er es niemals weitererzählen würde. Ich wusste, dass ich ihm vollkommen vertrauen konnte. Seit Jahren schon trafen wir uns fast jeden Tag, und noch nie hätte ich einen Anlass dazu gehabt, richtig sauer auf Florian zu sein. Natürlich nervte es mich, wenn er mich wieder einmal mit meiner geringen Grösse oder mit meiner furchtbaren Ungeschicktheit aufzog, aber ich verzieh ihm meist gleich wieder. Und so erging es auch ihm, war ich überzeugt. Ich beobachtete ihn weiterhin beim Kochen. Das Wasser für die Spaghetti war schon bereit, als er sich wieder an mich wandte. Er teilte mir mit, er denke, er sei spätestens in einer halben Stunde fertig. Ein Grinsen breitete sich über meinem Gesicht aus. "Das klingt sehr gut", meinte ich, als er mit der Bolognese-Sosse weitermachte. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie hungrig ich bin. Der Tag war ganz schön anstrengend", fügte ich wenig später hinzu. Mein Grinsen trübte sich ein wenig, aber nur ein bisschen. Natürlich war das nicht der ideale Tag gewesen. Ehrlich gesagt war es einer der schlechtesten Tage, die ich seit langem erlebt hatte. Man blieb auch nicht jeden Tag in einem Aufzug stecken. Aber wenigstens würde ich bald ein richtig leckeres Essen 'serviert' bekommen. Ich blickte zu meinem besten Freund. Florian hatte heute auch wieder einmal sein Bestes gegeben, dass es mir an nichts fehlte. Er hatte mich vor meiner eigenen Ungeschicktheit beschützt, hatte sich rührend um mich gekümmert, nachdem ich ohnmächtig geworden war, und nun stand er auch noch in der Küche und zauberte uns beiden etwas Köstliches auf den Tisch. Einen besseren besten Freund konnte man gar nicht haben.

(Geh' jetzt essen, komm' aber sobald wie möglich wieder ;D)
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Do 23 Okt 2014, 20:27

('nen Guten ;D auch wenn ich dann wohl leider nicht mehr on sein werd. Tut mir Leid. Aber hat trotzdem Spaß gemacht^^)

Florian
Ich nahm mir etwas Basilikum und Oregano. Auf dem Schneidebrett zerhackte ich die Blätter grob und warf sie in die kochende Soße. Dazu würzte ich noch mit Salz und Pfeffer. Amy meinte, es würde sehr gut klingen, dass ich in einer halben Stunde fertig sein würde. Ich grinste. Das war mir klar gewesen. Ein Kontrollblick auf die Uhr sagte mir, dass es inzwischen nur noch knapp zwanzig Minuten waren, bis ich vorhatte, Amy die Spaghetti zu 'servieren'. Wenig später fügte sie hinzu, dass ich mir gar nicht vorstellen könne, wie hungrig sie wäre. Der Tag wäre ganz schön anstrengend gewesen. Ich rührte ein wenig darin herum, ehe ich die Kochplatte etwas zurückdrehte. Die Soße müsste jetzt noch ein wenig vor sich hin köcheln, damit sich der Geschmack der Gewürze entfalten konnte. Nun drehte ich mich zu Amy um, lehnte mich an die Küchentheke und wischte mir die Hände an einem Geschirrtuch ab. Ich nickte nachdenklich. "Da hast du recht.", bestätigte ich ihre Aussage. Der Tag war wirklich anstrengend gewesen. Ich war froh, wenn ich in mein Bett könnte. Morgen würde ich richtig ausschlafen. Oder schon heute Nacht. Ich hatte eigentlich nicht vor, mir heute Nacht noch einen oder sogar mehrere Filme anzusehen. Dazu war ich zu geschafft. Die Aktion mit dem Aufzug heute war Spielfilm genug gewesen. "Man steckt schließlich nicht jeden Tag in einem Aufzug fest.", sprach ich Amy's Gedanken aus. Ich betrachtete sie aufmerksam. Sie sah wirklich noch etwas mitgenommen aus. Die Haare immernoch leicht zerzaust und ihre Augen wirkten noch immer müde. Ich konnte es ihr nicht verübeln. Wahrscheinlich sah ich selbst nicht besser aus. Doch Amy wirkte in diesem Moment wirklich unglaublich niedlich. Mich überkam das Bedürfnis, sie einfach in die Arme zu nehmen und fest an mich zu drücken. Doch ich unterdrückte es. Ich hatte heute schon genügend seltsame Aktionen gebracht. Aktionen, die ich mir teilweise selbst nicht erklären konnte. Vielleicht konnte ich es auch auf meinen Morgenkaffee schieben, den ich heute auslassen musste. Im Moment interessierte mich das aber nicht mehr. Während ich Amy ansah, kamen mir all die Erinnerungen an die Zeit in den Kopf, die wir gemeinsam erlebt hatten. Amy war wirklich die beste Freundin, die man sich vorstellen könnte. Ich wusste nicht, wie oft ich ihre Fähigkeit, anderen Menschen zuhören zu können, schon gebraucht habe. Wie oft sie  mir geholfen hat und für mich da war, wenn es sonst niemand war. Obwohl sie nie oder nur selten jemanden, auch mich, mit ihren Problemen belasten wollte. Ich musste sie meistens dazu zwingen, dann mit mir zu reden. Aber ich akzeptierte es auch, wenn sie es nicht wollte. Ich nahm Amy so, wie sie war. Und ich wollte sie auch nicht anders.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Do 23 Okt 2014, 21:18

(Dankeschön (: Oh, das ist schade :/ aber kann man nichts dran ändern ^^ Oh ja, es hat mir auch Spass gemacht, und ich hab' mich gefreut, wieder einmal etwas von dir zu hören ;D)

Amy
Während ich noch auf seine Antwort wartete, nahm sich Florian etwas Basilikum und Oregano und zerhackte die Blätter grob, bevor er sie zu der Sosse gab. Dann würzte er noch gut, ehe ich sein Grinsen sehen konnte. Ich beobachtete, wie er einen Blick auf die Uhr warf, die an der Wand ging. Danach rührte er noch einmal die Sosse um, schaltete die Kochplatte etwas zurück und drehte sich schliesslich zu mir um. Mit einer unglaublichen Lässigkeit lehnte er sich an die Theke, während er sich mit einem Geschirrtuch die Hände abwischte. Aus irgendeinem, mir unerklärlichen Grund machte mein Herz einen kleinen Satz, als unsere Blicke sich trafen. Zum Glück lenkte mich Florian bald ab, indem er nickte und meinte, da hätte ich Recht. Ich brauchte einen Moment, um mich wieder daran erinnern zu können, was ich vorher gesagt hatte. Dann fiel es mir wieder ein. Das mit dem anstrengenden Tag. Wahrscheinlich hatte es so lange gedauert, bis es mir wieder eingefallen war, weil es eben wirklich ein anstrengender Tag gewesen war. Zuerst dieses verborgene Glatteis unter den Blättern, dann der Aufzug. Dazu kam noch dieser Gesundheitscheck und meine anschliessende Ohnmacht. Ich wusste nicht mehr viel von dem, was danach passiert war, aber eines wusste ich noch ganz genau: wie geborgen ich mich gefühlt hatte, als Florian seine Arme um mich geschlungen hatte. Und dasselbe hatte sich wiederholt, als er mich hochgehoben und zu seinem Auto getragen hatte. Schon immer hatte ich mich in seiner Nähe wahnsinnig wohlgefühlt und hatte niemals Angst verspürt, dass mir etwas passieren könnte, solange Florian dabei war. Aber geborgen? Ich konnte mich nicht daran erinnern, so etwas schon einmal erlebt zu haben. Es musste an diesen seltsamen Umständen liegen. Ich hatte heute ganz schön viel durchmachen müssen, und Florian auch. Wahrscheinlich arbeitete mein Gehirn nicht richtig. Morgen würde es bestimmt wieder anders sein. Nur so konnte ich es mir erklären - und mich auch endlich von diesen verstörenden Gedanken losreissen. Schliesslich hörte ich Florian sagen, dass man schliesslich nicht jeden Tag in einem Aufzug feststecke. Dazu sah er mich so aufmerksam an, dass ich unter anderen Umständen wahrscheinlich errötet wäre. Ich wollte schon zustimmend nicken, als mir auf einmal etwas auffiel. Jeden Tag? Aufzug? Feststecken? Ich durchforstete mein Gehirn nach meinen Gedanken. Florian, Florian, Essen, Florian... Da war doch noch etwas Anderes gewesen. Ich riss überrascht die Augen auf, bevor ich mich wieder etwas fangen konnte, dann sah ich meinen besten Freund, immer noch etwas perplex, an. "D... Dasselbe habe ich vorher auch gedacht", gestand ich ihm. Es war übernatürlich, völlig verrückt... aber irgendwie auch total faszinierend. Mein geschockter Blick wich einem kleinen Lächeln. "Telepathie", fügte ich hinzu und konnte nicht anders, als Florian anzugrinsen. Das war schon irgendwie witzig.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 19:23

Florian
Ein lautes Lachen drang aus meiner Kehle, als Amy mich vollkommen perplex ansah und mir gestand, dass sie dasselbe - das man nicht jeden Tag in einem Aufzug feststeckte, vorher auch gedacht hatte. Anschließend wechselte sich ihr geschockter Gesichtsausdruck in ein kleines Lächeln. Sie fügte einzig und allein das Wort 'Telepathie' zu ihrer vorherigen Aussage hinzu. Nochmals lachte ich kurz auf, ehe ich meine beste Freundin breit angrinste. "Ich würde das jetzt nicht sofort als Telepathie abstempeln.", begann ich. "Es war wohl eher reiner Zufall. Ich meine, soetwas ist wirklich nicht alltäglich. Da ist es ganz normal, dass man darüber nachdenkt. Und sich auch so einen Satz denkt - dass es eben nicht alltäglich ist." Ich betrachtete Amy, in der Hoffnung, sie hätte mich verstanden. "Wie gesagt: Ich würde einfach nur auf puren Zufall tendieren. 'Telepathie', ist an dieser Stelle vielleicht etwas übertrieben." Immernoch grinste ich sie breit an, während ich meine Arme vor der Brust verschränkte. Hinter mir blubberte etwas. Erschrocken drehte ich mich um und konnte die Nudeln noch von der heißen Herdplatte ziehen, bevor das Wasser überkochte. "Das war knapp.", murmelte ich und nahm mir ein Nudelsieb aus dem Schrank. Ich goss die Spaghetti ab und gab sie anschließend in eine saubere Schüssel. Die Soße köchelte immernoch vor sich hin und ich rührte ein wenig darin herum, damit sie nicht anbrannte. "Lang ersehnt und nun fast fertig.", verkündete ich, während ich zwei Teller und Besteck aus den Schränken zusammensuchte und auf dem Küchentisch verteilte. Ich legte noch zwei Untersetzer in die Mitte. Auf den einen stellte ich die Nudeln. Ich rührte ein letztes mal in der Soße, dann schaltete ich den Herd komplett aus und stellte auch diesen Topf auf den anderen Untersetzer, in der Mitte des Tisches. Ich legte einen Schöpflöffel daneben und wollte mich schon setzten, als mir plötzlich etwas einfiel. "Habt ihr Parmesan oder so da?", fragte ich Amy. Ich hatte die Schränke schon genug durchgesucht, da wollte ich nicht noch mehr Chaos verursachen. Außerdem suchte ich in den Häusern von anderen nicht gerne nach irgendwelchen Sachen. Das dauerte mir auch meistens zu lange. Dazu fehlte mir die Geduld. Vorallem, wenn das Essen schon fertig auf dem Tisch stand.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 19:54

Amy
Mein Grinsen wurde breiter, als ich Florian lachen hörte. Ich mochte sein Lachen, auch wenn ich es ziemlich oft hören konnte. Irgendwie löste sein Lachen in mir immer den Drang aus, selber lachen zu müssen. Natürlich hatte ich dieses Bedürfnis auch bei anderen Personen, aber bei niemandem so sehr wie bei meinem besten Freund. Als Florian dann aufhörte zu lachen, war da wieder dieses vertraute, für ihn so typische Grinsen auf seinem Gesicht. Er meinte, er würde das jetzt nicht sofort als Telepathie abstempeln. Es sei wohl eher reiner Zufall gewesen. Er meine, so etwas sei wirklich nicht alltäglich. Da sei es ganz normal, wenn man darüber nachdenke und sich so einen Satz denke, dass es eben nicht alltäglich sei. Ich nickte. Ja, wenn man das Ganze so betrachtete, hatte Florian Recht. Aber es war ja auch nicht ganz so ernst gemeint gewesen. Er fasste nochmals zusammen, dass er, wie gesagt, einfach zu purem Zufall tendieren würde. 'Telepathie' sei an dieser Stelle vielleicht etwas übertrieben. Immer noch nickte ich lächelnd, während Florian mich angrinste und seine Arme vor der Brust verschränkte. Wenige Sekunden später fuhr er jedoch herum. Erst da bemerkte ich, was los war. Gerade noch rechtzeitig konnte er den Topf mit den Nudeln vor dem Überlaufen retten. Ich hörte ihn vor sich hinmurmeln, dass das knapp gewesen sei, als er ein Nudelsieb aus einem der Schränke nahm. Mit routinierten Griffen goss er die Spaghetti ab und gab sie in eine Schüssel, bevor er sich der Sosse zuwandte. 'Lang ersehnt und fast fertig', teilte er mir dann mit, womit er mich dazu brachte, noch breiter zu grinsen. Was täte ich nur ohne ihn? Wahrscheinlich den ganzen Tag dasitzen und Trübsal blasen - zumindest, wenn ich mal nicht so gut drauf war. Aber in Florians Gesellschaft fühlte ich mich immerzu wohl und hatte nie einen Grund, irgendwie schlecht drauf zu sein. Das war in seiner Nähe einfach nicht möglich. Natürlich war ich damals, als meine Mom gestorben war, furchtbar traurig gewesen, und in den ersten Wochen hatte nicht einmal Florian mich mehr aufheitern können. Aber dann war er der Erste gewesen, der mich wieder zum Lächeln hatte bringen können. Und so war es noch heute. Gedankenversunken beobachtete ich, wie er den Tisch deckte und die Schüssel mit den Spaghetti anrichtete. Danach folgte der Topf mit der Sosse. Es roch schon seit mehreren Minuten so köstlich, und nun konnte ich es kaum noch erwarten, endlich zu essen. Wenn überhaupt, war ich in den letzten Minuten nur noch hungriger geworden - und ich wusste, dass es meinem besten Freund nicht anders erging. Ich sah zu ihm, während er einen Schöpflöffel neben die Töpfe legte, dann fragte er, ob wir noch Parmesan oder so da hätten. Ich überlegte kurz und nickte dann. "Ja, im Kühlschrank sollte noch Parmesan sein", erklärte ich Florian. Sogleich griff ich nach dem Schöpflöffel und Florians Teller. Ich schöpfte ihm eine grosse Portion Spaghetti, danach mir eine etwas kleinere. Nicht, weil ich nicht hungrig war, sondern schlicht und einfach, weil Florian so viel grösser und schwerer war als ich und dementsprechend auch mehr ass. Ich sah schon jetzt, dass wir nie und nimmer alles essen würden. "Luke und Dad können sich freuen, wenn sie nach Hause kommen", meinte ich und grinste, ehe ich etwas Bolognese-Sosse über Florians Spaghetti gab und anschliessend noch über meine eigenen. Das Wasser lief mir im Mund zusammen. Jetzt fehlte nur noch Parmesan und... "Flo? Wärst du so lieb und könntest uns noch etwas zum Trinken organisieren?", fragte ich meinen besten Freund. Mir war aufgefallen, dass noch gar keine Gläser auf dem Tisch standen. Ausserdem stand Florian schon und müsste nur noch kurz zwei Gläser aus dem Schrank holen und mit Wasser füllen. Ich hätte das auch selbst tun können, doch ich wusste noch immer nicht, ob meine Beine mich schon wieder tragen würden. Wahrscheinlich war es meinem besten Freund auch lieber, wenn ich mein Glück nicht schon wieder herausfordern würde.

(Geh' kurz duschen, dann bin ich gleich wieder da ;D)


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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 20:12

Florian
Amy hatte gesagt, dass im Kühlschrank noch Parmesan sein müsste. Also öffnete ich diesen und lies meinen Blick darüber wandern. "Ahja.", stieß ich aus und holte den Parmesan heraus. Sie meinte, Luke und ihr Vater würden sich freuen, wenn sie nach Hause kommen würden. Ich wusste, dass die ganze Familie Fleming Spaghetti Bolognese liebte. Und ich hatte sowieso viel zu viel gekocht, als dass ich und Amy alles hätten essen können. Da sollten ihr Bruder und ihr Vater ruhig noch etwas davon abbekommen. Vielleicht waren sie den Tag über ja auch nicht zum essen gekommen. Ich drehte mich um, um den Parmesan auf den Tisch zu legen. Dabei sah ich, dass Amy mir bereits eine große Portion Spaghetti auf meinen Teller gepackt hatte und nun dabei war, Bolognese-Soße darüber zu geben. Ich grinste sie schief an. "Du bist unersetzbar, Kleine.", bedankte ich mich bei ihr. Als sie über ihren eigenen Teller Bolognese-Soße geben wollte, fragte sie mich, ob ich so lieb wäre und uns noch etwas zu trinken organisieren könnte. Ich lachte kurz. "Natürlich.", bestätigte ich und drehte mich wieder zur Küchentheke um. Ich nahm zwei Gläser aus einem der Hängeschränke. Außerdem holte ich noch einen Kaffeelöffel, für den Parmesan. Diesen legte ich gleich auf den Tisch. Danach drehte ich mich erneut um und füllte die beiden Gläser mit klarem Leitungswasser. Ich stellte Amy ein Glas auf den Tisch und das andere tat ich zu meinem Teller. Gleichzeitig lies ich mich auf den Stuhl sinken. Er war wirklich bequem. Hätte ich nicht einen solchen Hunger, wäre ich vielleicht sogar hier eingeschlafen. Aber der Geruch der frischen Spaghetti Bolognese stieg mir sofort in die Nase. Ich schloss kurz die Augen. "Endlich.", murmelte ich, öffnete die Augen wieder und nahm mein Besteck in die Hand. Für gewöhnlich aß ich Spaghetti nur mit der Gabel. Ich war meist zu faul, um auch noch den Löffel oder das Messer dazu zu benutzen, wenn sie sich auch nur mit der Gabel wickeln liesen. Trotzdem brauchte ich den Löffel, um die Spaghetti komplett unter der Soße zu vermengen. "Dann wünsch' ich dir einen guten Appetit.", ich lächelte Amy kurz an, ehe ich mich über meinen Teller hermachte. Nachdem ich den ersten Bissen herunter geschluckt hatte, atmete ich schon fast erleichtert auf. "Oh, tut das gut.", gab ich von mir. Mein Magen war mir merklich dankbar, dass ich ihm endlich etwas zum Arbeiten beschafft hatte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 21:19

(Das Scheiss-Internet ist genau in dem Moment ausgefallen, in dem ich den Beitrag schicken wollte. Und bumm, alles ist weg -.-)

Amy
Offensichtlich hatte Florian den Parmesan gefunden, denn als er sich das nächste Mal zu mir umdrehte, hatte er den Reibkäse in den Händen. Bald legte er ihn auf den Tisch. Als sein Blick dann auf seinen von mir gefüllten Teller fiel, breitete sich ein schiefes Grinsen auf seinem Gesicht aus. Er meinte, ich sei unersetzbar, und nannte mich 'Kleine'. Das brachte mich auch zum Grinsen, gleichzeitig schüttelte ich den Kopf. Ich und unersetzbar? Was hatte ich schon Grossartiges getan? Ich hatte nur eine grosse Portion Spaghetti geschöpft und Sosse darüber gegeben, eben so, wie er es mochte. Das hätte auch jeder Andere tun können. Trotzdem schmeichelte es mir, dass Florian mich 'unersetzbar' nannte. Das bekam man nicht jeden Tag zu hören. Und an einem solchen Tag wie heute, wo wirklich alles aus dem Ruder gelaufen war, tat es besonders gut. Auf meine Bitte, für uns beide etwas zu trinken zu organisieren, antwortete Florian mit einem 'natürlich'. Etwas Anderes hätte ich von ihm auch nicht erwartet. Es war ihm wohl wirklich lieber, das selbst zu tun, als es mir zu überlassen. Wenn es doof liefe, gäben meine Beine unter mir nach, während ich die Gläser füllte. Wenn es doofer liefe, liess ich dabei die Gläser fallen. Und wenn es ganz doof liefe, konnte Florian mich nicht mehr rechtzeitig auffangen, ich würde in die Scherben stürzen und mich daran schneiden. Das würde wiederum bedeuten, dass ich das zweite Mal an diesem Tag ohnmächtig werden würde. Und da weder ich noch Florian das nötig hatten, war es wohl wirklich besser, wenn er das erledigte. Bald darauf legte er einen Kaffeelöffel auf den Tisch - für den Parmesan, vermutete ich. Aufmerksam von ihm, daran zu denken. Als Nächstes füllte er zwei Gläser mit Leitungswasser und stellte sie an ihre Plätze, während er sich gleichzeitig auf den Stuhl gegenüber von meinem sinken liess. Meistens, wenn wir alleine waren und gemeinsam etwas assen, setzten wir uns gegenüber voneinander hin. So konnte man sich viel besser unterhalten, als wenn wir nebeneinander gesessen wären. Beim Essen war das ganz praktisch. Ansonsten bevorzugte ich es, Florian an meiner Seite zu haben. Schon allein aus dem Grund, weil ich es unglaublich mochte, mich an ihn anzulehnen. Unwillkürlich fiel mir wieder ein, wie ich ihn heute darum gebeten hatte, mich an ihm anlehnen zu dürfen, und er ohne zu zögern seine Arme für mich ausgebreitet hatte. Ich warf über den Tisch einen Blick zu ihm und sah, wie er die Luft tief einsog. Gleich darauf murmelte er ein 'endlich'. Das brachte mich zum Lachen. Was täte ich nur ohne ihn? Ich würde nicht einmal halb so viel Grund zum Lachen haben. Nun beobachtete ich, wie Florian mit seinem Besteck die Spaghetti unter die Sosse vermengte. Ich tat es ihm gleich, da wünschte er mir einen guten Appetit. "Danke gleichfalls", erwiderte ich und erwiderte auch sein Lächeln, ehe wir uns beide ans Essen machten. Ich wickelte noch immer die erste Portion Spaghetti mithilfe des Löffels um meine Gabel, als ich Florians 'oh' hören konnte und sein 'tut das gut'. Ich kicherte kurz, ehe ich die erste Gabel in den Mund nahm. Ich genoss den wunderbaren Geschmack, der sich in meinem Gaumen ausbreitete, während ich mit geschlossenen Augen gut kaute. Nachdem ich den Bissen heruntergeschluckt hatte, schlug ich die Augen wieder auf. "Da hast du Recht. Es schmeckt - wieder einmal - fantastisch. In dieser Hinsicht bist du auch unersetzbar, Grosser", meinte ich zu meinem besten Freund. Beim letzten Satz breitete sich ein Grinsen auf meinem Gesicht aus. Ich hatte das einfach sagen müssen.


Zuletzt von Admin am Do 12 März 2015, 20:00 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 21:35

(Oh...das ist blöd. Aber du bekommst trotzdem so 'nen langen Text hin o.O)

Florian
Meine beste Freundin hatte gelacht, als ich tief eingeatmet hatte und kurz darauf die Spaghetti mit der Soße vermengt hatte. Ich nahm war, wie Amy es mir gleichtat, mir ebenfalls einen guten Appetit wünschte und dann auch begann, ihre Spaghetti aufzuwickeln. Als ich schon meine zweite Gabel hinuntergegessen hatte, gab sie mir Recht, dass es gut täte. Sie meinte, es würde wieder einmal fantastisch schmecken. Außerdem fügte sie hinzu, dass ich in dieser Hinsicht auch unersetzbar wäre. Ich musste einfach Lächeln. Hinter den letzten Satz fügte sie ein 'Großer' an. Ich nannte sie 'Kleine', also durfte sie mich auch 'Großer' nennen. Nicht zuletzt, weil ich doch um einiges größer war, als sie. Trotzdem tat sie es nicht oft. Es machte mir nichts aus. Und ich würde trotzdem nicht aufhören, sie 'Kleine' zu nennen. "Danke.", bedankte ich mich für ihr Lob. Ich wusste, dass ich gut kochen konnte - auch wenn das nun leicht egoistisch klang - aber ich würde nie behaupten, 'fantastisch' zu kochen. 'Fantastisch', das waren - oder sollten zumindest - die Gerichte sein, die von Profiköchen gekocht wurden. Von solchen, die einen Michelin-Stern hatten. Da sollte es 'fantastisch' schmecken. Trotzdem schmeichelte mir Amy's Lob. "Aber etwas fehlt.", stellte ich fest, legte die Gabel beiseite und griff nach dem Parmesan. Ich brauchte nicht viel davon. Er war im Geschmack ziemlich dominant, da konnte leicht das ganze Essen nach Parmesan schmecken. Es sollte nur ein Hauch wahrnehmbar sein. Und so schmeckte es, mir zumindest, noch viel besser. Ich sah auf meinen Teller. Auch wenn die Portion ziemlich groß war - Amy wusste einfach, wie viel ich essen konnte - würde ich mir wohl nochmal nehmen. Ich hatte den ganzen Tag so gut wie nichts gegessen. Und die ganze Aufregung forderte einiges an Adrenalin - was einen dann auch hungrig machte. Und müde. Ohja, ich war müde. Aber jetzt wurde erstmal gegessen. Danach würde ich das Geschirr aufräumen und abspülen. Eigentlich war ich danach wirklich reif für mein Bett - das war mir ziemlich klar, aber ich würde so lange bei Amy bleiben, bis ihr Bruder und ihr Vater da waren. Ich wollte und konnte sie nicht alleine lassen. Wenn ihr etwas geschah, würde ich mir dafür ewig die Schuld zusprechen. Schließlich hatte ich auch der Sanitäterin versichert, dass ich auf Amy aufpassen würde.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Fr 24 Okt 2014, 22:31

(Schon wieder -.- heute ist es einfach nur schrecklich)

Amy
Es klang irgendwie komisch, aber es machte mich glücklich, dass ich Florian so zum Lachen bringen konnte. So oft, wie er mich zum Lachen brachte, hatte ich das Gefühl, dass ich ihm irgendetwas zurückgeben musste. Ich wusste, dass mein bester Freund da anderer Meinung war und dachte, ich täte auch sonst schon genug für ihn. Aber so ein Lächeln von ihm bedeutete mir schon unheimlich viel. Gut gelaunt ass ich weiter, als Florian sich schlicht und einfach bedankte. An seinem Blick konnte ich erkennen, dass er nicht dachte, dass er fantastisch koche. Aber ich kannte keinen besseren Koch als Florian. Auch darum war ich unglaublich froh, ihn als besten Freund zu haben, auch wenn es natürlich noch viel mehr gab, das ich an ihm schätzte. Aber ich begann, mich zu wiederholen. Der heutige Tag war wirklich nicht gut für mich gelaufen. Kein Wunder, dass ich so verwirrende Gedanken hatte. Ich gehörte ins Bett. Aber zuvor wollte ich noch dieses wundervolle Essen geniessen. Kurz darauf meinte Florian, dass noch etwas fehle. Noch bevor er danach griff, hatte ich die Vermutung, dass es der Parmesan war. Und tatsächlich streute mein bester Freund etwas Reibkäse über seine Spaghetti. Natürlich hatte ich das vor allem schon so vorahnen können, weil ich schon hunderte Male mit ihm zusammen gegessen und er sich vorher extra noch nach dem Parmesan erkundigt hatte. Trotzdem - unsere jahrelange Freundschaft hatte mich einiges über ihn gelehrt. Ich hatte das Gefühl, niemanden so gut zu kennen wie Florian. Nicht einmal meinen Bruder, und das, obwohl sich die beiden charakterlich relativ ähnlich waren. Sie hätten auch gut beste Freunde werden können, doch ich wusste, dass ich mich dann etwas ausgeschlossen gefühlt hätte. Es klang ein bisschen egoistisch, aber ich war froh, dass Florian mein bester Freund war und nicht der von Luke. Jedoch wusste ich auch, dass es meinem Bruder nicht viel ausmachte. Es war geradezu beruhigend für ihn, Florian ständig in meiner Nähe zu wissen - wusste er doch, wie ungeschickt ich war und wie fürsorglich Florian. So wusste er, dass mir vergleichsweise Harmloses passierte, wenn es überhaupt dazu kam. Früher hatte Luke oft auf mich aufpassen müssen, doch das war nicht so gut gegangen. Umso erleichterter war er jetzt darüber, dass Florian mein bester Freund war, oft Zeit mit mir verbrachte und auch auf mich aufpasste. Bei jedem anderen hätte ich mich bevormundet gefühlt, doch bei Florian nicht. Wir begegneten uns auf Augenhöhe - wenn auch nicht im wörtlichen Sinn, dazu war er nun mal viel zu gross und ich viel zu klein. Mir fiel wieder ein, wie er mich heute hochgehoben hatte, damit ich die Hände des Feuerwehrmannes hatte erreichen können. Die ganze Aktion hätte ziemlich schief gehen können, fiel mir auf einmal auf. Ich musste schlucken. Was, wenn der Aufzug nicht stecken geblieben, sondern in die Tiefe gestürzt wäre? Natürlich wäre das sehr unwahrscheinlich gewesen, doch spätestens seit dem Tod meiner Mutter wusste ich, dass alles möglich war. Alles war möglich, zu jeder Zeit und an jedem Ort. Ich musste erneut schlucken und hatte Mühe, mich zusammenzureissen. Auch nach Jahren hatte ich die Trauer über den Verlust meiner Mutter noch nicht richtig überwunden, und es brauchte nur einen kleinen Gedanken an sie, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Verflucht nochmal.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Sa 25 Okt 2014, 20:28

(Mach dir nichts draus ;D Wenn mal der Wurm drin ist, will er nicht wieder raus ;D)

Florian
Der Hunger, der sich während dem Essen erst recht bemerkbar gemacht hatte, hatte mich dazu gebracht, dass ich inzwischen schon fast meinen ganzen Teller leer gegessen hatte. Unter anderem auch, weil es wirklich gut schmeckte. Obwohl die Soße gerne noch eine oder zwei Stunden hätte köcheln können. Als ich von meinem Teller aufsah, bemerkte ich, wie nachdenklich Amy geworden war. Ich lies meine Gabel sinken. Dieser Blick. Ich kannte ihn und er gefiel mir ganz und gar nicht. Kaum hatte ich daran gedacht, sie zu fragen, was los war, füllten sich ihre Augen mit Tränen. Die erste davon bahnte sich ihren Weg über Amy's unteres Augenlied und ich stand leise von meinem Stuhl auf. Mit wenigen Schritten war ich um den Tisch herum. Ich legte Amy eine Hand auf die Schulter und ging neben ihrem Stuhl in die Hocke. "Hey.", begann ich sanft. "Was ist denn los?" Ich streichelte sachte über ihren Arm, in der Hoffnung es würde sie beruhigen. Kurz darauf fiel mir auf, wie blöd meine Frage eigentlich war. Ich hätte gleich darauf kommen können. Schließlich kannte ich Amy inzwischen lange genug, um zumindest in manchen Situationen zu wissen, was in ihrem Kopf oder in ihr selbst vor ging. Ich sah' kurz zum Essen. Spaghette Bolognese. Das Lieblingsessen der gesamten Familie Fleming. Auch Amy's verstorbener Mutter. Ich wusste, wie sehr Amy noch immer um sie trauerte. Sie hatte den Tod nie wirklich überwunden - und ich machte es ihr nicht zum Vorwurf. Es war mit Sicherheit nicht einfach. Ich wusste auch, dass Amy oft ein kleiner Gedanke an ihre Mutter schon zum weinen brachte. Kurz nach ihrem Tod war es besonders schlimm gewesen. Es war mir wirklich schwer gefallen, Amy wieder aufzumuntern. Oder davon abzulenken. Wochen waren vergangen, bis sich sie zum ersten mal wieder zum Lachen gebracht hatte. Ich hatte mich damals unheimlich darüber gefreut. Es fühlte sich an, als würde mein Herz einen kleinen Hüpfer bei diesem Gedanken machen. Schon damals war es ein tolles Gefühl für mich gewesen, dass ich sie wieder zum Lachen gebracht hatte. Und ich war, ehrlich gesagt, immernoch sehr stolz darauf. Vorsichtig legte ich meinen Arm um Amy's Schulter. "Hey.", begann ich wieder leise. Ich wollte sie beruhigen, auch wenn ich im Moment noch nicht genau wusste, wie. Aber mit 'Sch' oder 'Hey' anzufangen, war meistens besser, als zu sagen 'Hör auf zu heulen. Bitte.'. Dieser Satz bewirkten, meiner Meinung nach, überhaupt nichts. Er klang verzweifelt und nicht so, als wäre die jeweilige Person fähig dazu, sich die Probleme oder Sorgen der anderen überhaupt anzuhören. Nein, ich war für Amy da. Und ich würde es auch immer sein.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 26 Okt 2014, 18:28

(Stimmt ^^ Aber jetzt bin ich wieder zu Hause, und da fällt das Internet nur höchst selten einmal einfach so raus ;D
Ich geh' jetzt was essen und gehe danach noch duschen, aber dann komm' ich wieder on Smile)

Amy
Während ich verzweifelt versuchte, mich weiterhin zusammenzureissen, bemerkte ich Florians Blick auf mir. Natürlich hatte er wahrgenommen, dass etwas mit mir nicht stimmte. Wahrscheinlich wusste er auch, um was - oder, besser gesagt, um wen - es ging. Und kaum schoss dieser Gedanke durch meinen Kopf, brannten meine Augen auf einmal, und meine Sicht verschwamm. Es war wie verflucht - je mehr ich versuchte, mich zusammenzureissen, desto schlimmer wurde es. Und schon spürte ich, wie die erste Träne über meine Wange lief. Kaum zwei Sekunden später war Florian bei mir. Ich beobachtete mit verschwommener Sicht, wie er neben meinem Stuhl in die Hocke ging, und spürte, wie er seine Hand vorsichtig auf meine Schulter legte. Weitere Tränen kullerten mir aus den Augen, während Florian mich mit einem sanften 'hey' ansprach und fragte, was denn los sei. Ich schluckte nur. Wenn ich ihm erklärte, um was es ging, würde das alles nur noch schlimmer machen. Und vermutlich würde Florian selbst herausfinden, was die Ursache für meinen plötzlichen Tränenausbruch war. Immerhin war er schon bei zahlreichen anderen dabei gewesen - und die hatten meistens denselben Grund gehabt. War es verboten, auch zehn Jahre danach noch um einen geliebten Menschen zu trauern? Sie war ja nicht irgendeine Bekannte von mir gewesen - nein, meine Mutter. Mom. Mein Herz zog sich zusammen, und ich musste schluchzen. Nach so vielen Jahren konnte ich mich nur noch mithilfe eines Fotos an ihr Gesicht erinnern. Aber komischerweise wusste ich noch, wie sie gerochen hatte - nach ihrem Lieblingsparfüm und meistens auch nach dem Essen, das sie gerade gekocht hatte. Und ich konnte mich noch gut an ihre herzliche und liebevolle Art erinnern. Papa war meistens strenger mit Luke und mir gewesen, doch das hatte sich nach ihrem Tod geändert. Warum hatte dieser betrunkene Autofahrer auch ausgerechnet ihr Auto rammen müssen? Warum sie? Ich kam erst wieder zu mir, als ich spürte, wie Florian seinen Arm um meine Schultern legte. Wiederum sprach er mich mit einem 'hey' an. Seine Stimme klang noch sanfter als vorhin, und sehr leise. Ich wollte nicht, dass er sich schon wieder solche Sorgen um mich machen musste. Das hatte er wahrscheinlich schon den ganzen Tag machen müssen. Aber so sehr ich es wollte, ich konnte mich im Moment nicht zusammenreissen. Hilflos schluchzte ich vor mich hin, während eine Träne nach der anderen über meine Wangen rann. Ich blinzelte, konnte aber das Gesicht meines besten Freundes immer noch nur undeutlich vor mir erkennen. Ich schluckte, um meine Kehle freizubekommen. "K... Kannst du mich bitte einfach nur in den Arm nehmen? Bis es vorbei ist?", fragte ich ihn, leise und unsicher, und kam mir dabei vor wie das siebenjährige Mädchen, das ich damals gewesen war, als ich meine Mutter verloren hatte. Verdammt. Ich konnte mich wirklich nicht beruhigen. Nicht, wenn ich immer wieder daran dachte. Neue Tränen stiegen in meine Augen, ich schluchzte wieder, und meine Lippen bebten. Gegenüber jedem hätte ich mich geschämt, mich so gehen zu lassen und so zu weinen. Doch nicht gegenüber Florian. Ich wusste, dass er mich hinterher niemals auslachen oder es irgendjemandem erzählen würde. Ich wusste, dass ich ihm absolut vertrauen konnte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   So 26 Okt 2014, 20:02

(Bei uns passiert das irgendwie öfter mal o.O Wieder 'nen Guten ;D
Super, gerade wieder alles weggeklickt <.<')

Florian
Allen Anschein nach, hatte Amy versucht, sich zusammen zu reißen. Doch es hatte nicht funktioniert. Immer mehr Tränen suchten sich den Weg über Amy's wunderschönes Gesicht. Sie schluchzte. Und ich saß nur da, hatte einen Arm um meine beste Freundin gelegt und sah sie an. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Denn ich wusste auch, wenn Amy erstmal angefangen hatte wegen ihrer Mutter zu weinen,, dann hörte das so schnell auch nicht wieder auf. Ihre Gedanken wanderten immer weiter um ihre Mutter herum. Und das half ihr nicht dabei, aufzuhören zu weinen. Amy schluckte, bevor sie mich fragte, ob ich sie einfach nur in den Arm nehmen könne. Bis es vorbei wäre. Sie klang dabei so unsicher, als ob sie Angst hätte. Oder etwas in der Art. Als würde sie sich fast dafür schämen, vor mir zu weinen. Ich sah sie sanft an. "Na klar.", antwortete ich ihr, bewegte mich etwas näher an ihren Stuhl heran und legte auch meinen anderen Arm um sie. Dann zog ich sie zu mir. Vorhin, als ich gesehen hatte, wie Amy die Tränen in die Augen gestiegen waren, war es, als hätte ich einen kleinen Stich in meinem Herzen gespürt. Doch das redete ich mir sicherlich nur ein. Es war unlogisch, soetwas zu spüren. Schließlich war Amy meine beste Freundin. Trotzdem mochte ich es nicht, sie weinen zu sehen. Ich konnte es nicht leiden. Nicht, dass es mich wütend machte. Keineswegs. Amy war nur um einiges schöner, wenn sie lachte. Und das machte mich glücklich. Als Amy's Mutter vor zehn Jahren gestorben war, hatte es auch mich ziemlich getroffen. Natürlich hatte auch ich ihre Mutter gemocht, doch viel mehr hatte es mich belastet, dass Amy nicht mehr gelacht hatte. Sie hatte nur noch geweint. Und das war mir damals selbst fast an die Substanz gegangen. Trotzdem hatte ich es irgendwann geschafft, sie wieder zum Lachen zu bringen. Das hatte auch meine Welt wieder bunter werden lassen. Man könnte meinen Amy, müsste inzwischen darüber hinweg sein - schließlich war sie damals sieben Jahre alt. Doch das war sie nicht. Ich würde gerne sagen, ich könnte es wirklich verstehen und ich würde mit ihr fühlen. Doch ich wusste, dass ich das nicht konnte. Und ich wollte sie nicht anlügen. Keiner konnte wissen, was in Amy vor ging, wenn sie an ihre Mutter dachte. Man konnte natürlich selbst soetwas erlebt haben, doch man hatte nie die selben Gefühle dabei. Es konnte noch so gleich erscheinen und doch war es so vollkommen anders. Vorsichtig streichelte ich Amy über den Rücken. Immernoch in der Hoffnung, sie würde sich dadurch beruhigen. Ich wusste, dass sie nicht sofort wieder anfangen würde zu lachen. Doch mir reichte es, wenn sie aufhörte zu weinen.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 27 Okt 2014, 19:57

(Verdammter Mist, schon wieder ein Beitrag futsch -.-)

Amy
Obwohl meine Sicht noch immer verschwommen war, konnte ich trotz dem Tränenschleier vor meinen Augen erkennen, dass Florian mich ansah. Ich wusste auch, was für ein Ausdruck in seinen Augen stand. Ein ähnlicher wie vorhin, wenn nicht sogar noch ein sanfterer. Als ich sein 'na klar' hörte, musste ich unwillkürlich wieder aufschluchzen. Verdammt nochmal, ich würde niemals aufhören können! Ich war froh, als ich bemerkte, wie Florian näher zu mir kam. Schliesslich, als er direkt vor mir kniete, konnte ich spüren, wie er seinen anderen Arm auch noch um mich legte und mich an sich heranzog. Ich rutschte dabei bis an die Kante des Stuhls und wäre fast heruntergefallen, doch ich wusste, dass mein bester Freund das zu verhindern wüsste. Und wenn nicht, dann würde ich vergleichsweise 'weich' auf Florian landen. Für ihn wäre es weniger angenehm, und das wollte ich ihm ersparen. Ich wollte nicht, dass er jemals unter mir litt. Doch anstatt diesem Gedanken nachzugehen, sass ich hier herum und heulte - und bereitete ihm dadurch wahrscheinlich noch mehr Sorgen, als er sich wahrscheinlich sowieso schon um mich machte. Nach dem heutigen Tag war das nicht unbedingt verwunderlich. Trotzdem wollte ich Florian nicht verletzen - in keiner Hinsicht. Aber das könnte ich erst, wenn ich mich wieder beruhigt hatte. Und so lehnte ich mich jetzt leicht an meinen besten Freund, schlang meine Arme um seinen Oberkörper und legte meinen Kopf an seine Schulter. In seinen Armen fand ich den Trost, den ich so verzweifelt gesucht hatte. Sofort konnte ich die Wärme spüren, die von seinem Körper ausging - und sie wärmte auch mich selbst. Vorher war mir gar nicht aufgefallen, dass mir kalt gewesen war. Als ich für einmal mit dem Schluchzen aufhielt und stattdessen tief einatmete, stieg mir sein vertrauter Geruch in die Nase. Und als ich spürte, dass er mir vorsichtig über den Rücken streichelte, gelang es mir, mich etwas zu beruhigen. Doch immer in den Momenten, in denen ich es einigermassen geschafft hatte, mit dem Weinen aufzuhören, schoss wieder ein Gedanke an meine Mutter durch meinen Kopf, und alles begann von Neuem. Wie sie immer in der Küche gestanden und für uns gekocht hatte, ihre selbstgemachte Kochschürze umgebunden. Wie sie mich manchmal von der Schule abgeholt hatte und wir nachher noch in die Innenstadt gegangen waren, um ein Eis zu essen. Wie wir an Wochenenden alle zusammen einen Film geschaut hatten. Wie sie mir jeden Abend einen Gutenachtkuss gegeben hatte, selbst wenn ich schon halb eingeschlafen war. In solchen Augenblicken fühlte ich mich immer wie das siebenjährige Mädchen, das ich damals gewesen war - das siebenjährige Mädchen mit einer fantastischen Mutter, das noch nicht gewusst hatte, was der Begriff Halbwaise bedeutete. Mein Herz zog sich vor Schmerz zusammen, und neue Tränen rannen über meine Wangen und tropften auf Florians T-Shirt. Doch mit der Zeit wurden sie weniger. Mein Schluchzen verebbte allmählich, und die Tränen versiegten. Trotzdem wollte ich mich noch nicht aus Florians Armen lösen. Ruhig atmete ich seinen vertrauten Geruch ein und aus. Hier, in seinen Armen, fühlte ich mich geborgen und beschützt - vor allem und jedem. Hier konnte mir nichts passieren.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 27 Okt 2014, 20:30

(Das ist ja wie 'ne Grippe xD)

Florian
Ich schloss die Augen, als ich Amy in meinen Armen hielt. Ich wollte sie nicht weinen sehen. Auch wenn ich von ihr nicht wirklich viel sah. Vielmehr sah ich die Wand hinter ihr an. Aber darauf hatte ich keine Lust. Außerdem tat es auch meinen Augen gut, wenn ich sie mal für ein paar Minuten schließen konnte. Nicht, dass ich einschlafen würde, es entspannte einfach ungemein. Kurz schien es, als würde sich Amy beruhigen. Kurz darauf spürte ich jedoch schon wieder, wie ihr Körper von einem weiteren Schluchzen geschüttelt wurde. Weiterhin streichelte ich ihr ununterbrochen über den Rücken. Vielleicht hätte ich es abstellen sollen, doch es geschah schon fast automatisch. Ohne, dass ich daran denken musste. Mit geschlossenen Augen konzentrierte sich mein Gehirn auf die anderen Sinnesorgane. So kam es, dass mir Amy's vertrauter Geruch nun umso deutlicher in die Nase stieg. Jetzt hatte ich erst Recht keine Lust mehr, meine Augen wieder zu öffnen. Ihr Geruch beruhigte mich. Nicht, dass ich aufgebracht gewesen wäre, oder in einer ähnlichen Situation wie Amy. Doch er half mir noch mehr, mich zu entspannen. Ich musste quasi aufpassen, nicht einzuschlafen. Aber das würde ich mir im Moment sowieso nicht erlauben. Ich würde dann schließlich umkippen, um Amy mit mir zu Boden reißen. Schließlich saß sie, dadurch, dass ich sie an mich gezogen hatte, nur noch auf der Stuhlkante. Ich spürte, wie mein T-Shirt, an der Stelle, an der Amy's Kopf lag, langsam nass wurde. Das störte mich nicht weiter. Ich wollte Amy nicht verbieten zu weinen. Es tat oft gut, einfach mal alles aus sich raus zu lassen. Und wenn mein T-Shirt dafür hinhalten musste - mein Gott, dann musste es das eben. Es war nicht wertvoll. Nicht mit Diamanten besetzt. Es war aus Stoff, der in wenigen Minuten wieder trocken sein würde. Als Amy's Schluchzen langsam verstummte, öffnete ich meine Augen wieder. Natürlich war ich froh, wenn sie nicht mehr weinen musste. Doch auf eine andere Art und Weise beunruhigte es mich auch, wenn sie so still wurde. Ich wusste schließlich nicht, was dann mit ihr los war. Es konnte ja etwas ganz anderes passiert sein, als die Tatsache, dass sie aufgehört hatte zu weinen. Ich wusste nicht, was das sein sollte, doch irgendetwas könnte es schon sein. Amy traute ich inzwischen so gut wie alles zu. Doch das meinte ich keineswegs böse. Ich bewegte meinen Kopf leicht, um zu ihr herabsehen zu können. Sie schien sich wirklich beruhigt zu haben. Trotzdem beschloss ich, sie noch nicht los zu lassen oder sie zu fragen, ob alles wieder in Ordnung war. Ich gab ihr die Zeit, die sie brauchte.
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BeitragThema: Re: PRS - Der ganz normale Wahsinn - Nadine und Sarah   Mo 27 Okt 2014, 21:12

(Aber wirklich, und ebenso nervig -.-)

Amy
Ich konnte die Gedanken an meine Mutter nicht einfach so aus meinem Kopf vertreiben. Doch wenigstens musste ich nicht erneut anfangen zu weinen. Unter normalen Umständen wäre das wohl passiert, aber jetzt fühlte ich mich einfach zu erschöpft dazu. Wo ich mich nach meinem kleinen 'Nickerchen' einigermassen erholt gefühlt hatte, spürte ich nun die Müdigkeit umso mehr. Ich schätzte, dass es Florian genauso ging. Am liebsten hätte ich ihn nach dem Essen nach Hause geschickt, damit er sich etwas ausruhen konnte - und ich mich auch. Doch ich wusste auch, dass er mich nie und nimmer alleine lassen würde. Jedenfalls nicht, bevor Luke und Papa nach Hause gekommen waren. Und das konnte dauern. Es tat mir so Leid für Florian und ich hätte ihn zu gerne dazu überredet, nach Hause zu gehen und dort eine Runde zu schlafen. Doch nicht einmal der Hundeblick würde mir hier noch helfen können, Florian zu überzeugen. Wenn es um so etwas ging, war er von seiner Meinung einfach nicht abzubringen. Das war mir absolut klar, darum versuchte ich es auch gar nicht erst. Ich konzentrierte mich erst einmal darauf, weiterhin den vertrauten Geruch meines besten Freundes einzuatmen und mich weiterhin zu beruhigen. Ich wusste schon längst, dass ich nicht mehr anfangen würde zu weinen. Doch das Gefühl, das in mir aufstieg, wenn Florian mich in seinen Armen hielt, war einfach zu gut, als dass ich mich jetzt schon wieder von ihm lösen wollte. Allerdings wusste ich auch, dass ich es Florian auch nicht zumuten wollte, mich den ganzen Abend so im Arm zu halten. Für mich war es einigermassen bequem, weil ich mich an ihn anlehnen konnte, aber für ihn musste es schrecklich unbequem sein. Wären wir irgendwo anders gewesen, hätte ich dieses wunderbar beruhigende Gefühl noch länger genossen. Aber hier, ich auf der Stuhlkante, er auf dem Boden? Langsam, ganz langsam, hob ich meinen Kopf von Florians Schulter, um ihn anzusehen. Ganz von ihm lösen wollte ich mich noch nicht, und ich fürchtete, ich bräuchte seine Hilfe, um nicht auf ihn oder auf den Boden zu fallen. So, wie ich sass, hätte mir das beim Versuch, mich von ihm zu lösen, leicht passieren können. So blieb ich weiterhin in seinen Armen, während ich nun den Kopf in den Nacken legte, um zu ihm hochsehen zu können. Obwohl er auf dem Boden kniete, war er immer noch ein Stück grösser als ich. Durch das, dass wir uns so nahe waren, konnte ich seinen Atem auf meinen Wangen spüren. Und ich konnte das Braun-Grün seiner Augen nur noch deutlicher wahrnehmen, und das trotz meiner noch immer verschwommenen Sicht. Bevor mich noch irgendwelche komischen Gedanken durch den Kopf schiessen konnte, unterbrach ich das Schweigen nach einem kurzen Blick auf Florians Schulter. "Tut mir Leid, dass ich dein T-Shirt vollgeheult habe", murmelte ich und deutete mit einem Nicken auf den feuchten Stoff. Ich wusste, dass es Florian wahrscheinlich nichts ausmachte und dass er versichern würde, dass der Stoff in wenigen Minuten schon wieder getrocknet sei. Trotzdem wollte ich es gesagt haben. Und irgendetwas musste ich ja sagen, um diesen seit Minuten währende Schweigen zu unterbrechen. Zwar kam es öfters vor, dass wir mal für ein paar Minuten nichts sagten - aber nicht in einer Situation wie dieser. Ich blinzelte die letzten Tränen weg, während ich auf Florians Antwort wartete. Wahrscheinlich waren meine Wangen noch nass, aber das kümmerte mich im Moment nicht.
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